Matthias Krah hört auf sein Herz. Um Leistung zu bringen. Und die spezielle Uhr am Handgelenk ist in Verbindung mit dem Brustgurt der perfekte Ratgeber. "Ich orientiere mich im Rennen an meiner Herz-Frequenz. 150 bis 160 Herz-Schläge pro Minute sind ideal für mich, dann bewege ich mich knapp unterhalb der Laktat-Schwelle", erklärt der 29-Jährige mit dem Wortschatz eines Hobby-Kardiologen. Auf dem Niveau des für den TV Bad Brückenau startenden Fuldaers ist der Sport tatsächlich eine kleine Wissenschaft. "Im oberen Grundlagen-Bereich wollte ich laufen", sagt der Vorjahres-Sieger des Halbmarathons, der den Streckenrekord von Kai Uwe Müller (TSG Heilbronn/ 2:42,54) aus dem Jahr 2010 deutlich verfehlt hatte.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni Würzburg ist schnell, aber keiner, der Rekorde um der Rekorde willen jagt. "Ich wollte unter die ersten Drei kommen. Dass ich gewonnen habe und damit sogar Unterfränkischer Meister bin, ist das i-Tüpfelchen", sagt Krah, der die ersten bergigen Kilometer gemeinsam mit Sebastian Apfelbacher angegangen war. Der Marathon-Sieger des Vorjahres von der TG Kitzingen ging leicht angeschlagen ins Rennen und wurde später Gesamt-Vierter. Mit einer besseren Zeit als in 2013, was den klimatischen Umständen geschuldet war.

An die 20 Grad und strahlenden Sonnenschein hatte das Saaletal diesmal zu bieten. Im Vorjahr hatte sich das Thermometer nahe dem Gefrierpunkt aufgehalten. Geblieben war der Wind. Nicht so stürmisch wie zuletzt, aber immer noch fordernd, gerade auf den finalen Kilometern von Euerdorf aus kommend. "Als es Richtung Arnshausen bergab ging, habe ich einen kleinen Vorsprung herausgelaufen. Aber ab Kilometer 30 wird es immer schwer. Vor allem die kleinen, aber fiesen Anstiege in Trimberg haben es in sich", erinnerte sich Krah. Und hat Mitte April bereits das nächste große Ziel vor Augen mit dem "Serra de Tramuntana". Ein Ultra-Trail über 100 Kilometer durch die spektakuläre Berglandschaft Mallorcas. Was Wanderfreunde über mehrere Tage genießen, nehmen die Ausdauer-Spezialisten am Stück unter die Laufschuhe.

Über 500 Teilnehmer hatten auf den verschiedenen Strecken den Saaletal-Marathon des SV Ramsthal zu einem Erlebnis gemacht. Matthias Krah war in Jubelpose ins Ziel gelaufen, wo alle Finisher Erinnerungs-Medaillen umgehängt bekamen. Viele Hobbysportler hatten weniger entspannt den aufblasbaren "Triumphbogen" am Ramsthaler Sportplatz durchschritten, wo Klaus Hudert wartete. Der frühere Marathon-Läufer begleitet seit Jahren die Lauf-Szene als Sprecher mit großem Insider-Wissen. Und ist mit der Stimme mindestens genauso schnell wie früher auf der Strecke. "Ramsthal ist eine Perle", sagt der Schweinfurter zum Saaletal-Marathon. Dann kommt der gebürtige Bad Kissinger richtig ins Schwärmen. "Dieser Lauf ist großes Kino für die Region. Wer hier startet, gehört zur Familie. Das hat sich schnell herumgesprochen, dass die Organisatoren mit viel Herzblut dabei sind. Alleine ins Ziel zu kommen, ist angesichts der Herausforderung schon eine Leistung."

Nah dran an den Sportlern war auch Dr. Jürgen Sobtzick. Der Allgemein-Arzt war für den medizinischen Notfall eingeteilt - der nicht eintrat. "Ich bin mental angespannt", hatte der Euerdorfer zugegeben, der vom Roten Kreuz unterstützt wurde und seine komplette Notfall-Ausrüstung gepackt hatte, inklusive zweier Defibrilatoren. Die kürzliche Grippewelle war ein Gefahrenherd. "Das ist meine größte Sorge, dass Leute mit einer Herzmuskel-Entzündung unterwegs sind und sich einem lebensgefährlichen Kammer-Flimmern aussetzen. Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass gerade die Top-Läufer extrem gut vorbereitet in solch einen Wettbewerb gehen. Ich finde es toll, wie die Athleten den Marathon leben." Der Legende nach war Pheidippides nach der gewonnenen Schlacht bei Marathon 490 vor Christus in das ungefähr 40 Kilometer entfernte Athen geeilt, und war nach dem Überbringen der Nachricht an Erschöpfung gestorben. "Über seine Kräfte zu gehen, ist eben nicht gesund", sagt Sobtzick. Und ist sich sicher: "Hätte Pheidippides trainiert, hätte er überlebt."

Marathon Männer 1. Matthias Krah (TV Bad Brückenau/MHK) 2:55,21; 2. Stephan Gunzelmann (LAC Quelle Fürth/M-45) 2:59,28; 3. Sebastian Bleitgen (Tria Team Michelstadt/M-35) 3:01,32; 4. Sebastian Apfelbacher (TG Kitzingen/M-35) 3:02,38; 5. Frank Mertins (Tria Team Michelstadt/M-35) 3:14,48; 6. Harald Dahinten (RWV Haselbach/M-35) 3:15,34; 7. Markus Held (Lauffreunde Gößweinstein/M-35) 3:15,45; 8. Andreas Riedel (Wohlmirstedter SV/M-35) 3:23,28; 9. Mike Büttner (Freaky Friday Runners Bamberg/M-30) 3:24,38; 10. Matthias Wrede (TV Erlangen/M-50) und Ludwig Schraud (RV Viktoria Halsheim/M-40) 3:29,18.

Marathon Frauen
1. Astrid Staubach (LG Vogelsberg/W-40) 3:13,28; 2. Petra Neumann (ESV Lok Zwickau/W-40) 3:43,41; 3. Uschi Hellerich (Team Lauffen/W-55) 3:58,59; 4. Janine Isola (ohne Verein/W-30) 4:06,03), 5. Marla Nowatzki (ohne Verein/W-35) 4:06,41.

Unterfränkische Meisterschaft Männer 1. Matthias Krah (TV Bad Brückenau/MHK) 2:55,21; 2. Sebastian Apfelbacher (TG Kitzingen/M-35) 3:02,38; 3. Harald Dahinten (RWV Haselbach/M-35)
3:15,34.

Unterfränkische Meisterschaft Frauen 1. Bernadette Obermeier (W-45) 4:48,49; 2. Bettina Jauker (W-45) 4:48,50; 3. Antje Höver (W-40/alle SV Ramsthal) 5:14,40.

Halbmarathon Männer
1. Sebastiano Ilardi (TSV Rechtenbach/M-55) 1:28,33; 2. Arno Fell (TSV Rannungen/M-45) 1:30,53; 3. Johannes Kuhn (ohne Verein/M-30) 1:31,22; 4. Frank Simon (ohne Verein/M-45) 1:30,30; 5. Rainer Steinmetz (DJK Wülfershausen/M-50) 1:31,48; 6. Dirk Volpert (LG Lohr/M-30) 1:33,04; 7. David Kiesel (TG Schweinfurt/M-30) 1:33,13; 8. Sieghard Sapper (TV Hofheim/M-45) 1:33,17; 9. Bernd Schrader (Lauffreunde Geba/M-50) 1:33,29; 10. Jan Eyring (SC Ostheim/MU-18) 1:34,27.

Halbmarathon Frauen
1. Maja Betz (SC Ostheim/WU18) 1:32,24; 2. Tanja Dietrich (TSV Hollstadt/W-40) 1:41,55; 3. Johanna Meyer (RV Viktoria Wombach/WHK) 1:42,16; 4. Carmen Fuhrmann (Team Klinikum Nürnberg/W-55) 1:47,39; 5. Karin Ebner (ohne Verein/W-50) 1:49,49.

10 km Männer 1. Michael Wetteskind (DJK Schweinfurt/MHK) 0:34,52; 2. Peter Landwehr (TG Kitzingen/M-30) 0:36,19; 3. Holger Tschaar (Sportteam Steinbach/M-35) 0:36,36; 4. Werner Weth (SV Vasbühl/M-30) 0:37,44; 5. Frank Schwehla (TV Bad Brückenau/M-40) 0:38,12; 6. Christian Bareiß (ohne Verein/M-35) 0:38,13; 7. Dietmar Schultheis (TSV Oberstreu/M-40) 0:38,41; 8. Kurt Weinmann (TSV Rannungen/M-50) 0:38,55; 9. Jürgen Brettschneider (TV/DJK Hammelburg/M-45) 0:39,22; 10. Christian Topitsch (SC Ostheim/MU18) 0:39,35.

10 km Frauen 1. Susanne Haßmüller (SV Lauertal Burglauer/W-30) 0:42,56; 2. Anja Erlach (SV Würzburg/W-30) 0:43,29; 3. Verena Ibel (RV Viktoria Wombach/WHK) 0:43,45; 4. Alexandra Stumpf (TSV Hausen/W-45) 0:45,07; 5. Svenja Betz (SC Ostheim/WU20) 0:46,10.

Alle Ergebnisse im Internet unter www.saaletal-marathon.de.