Die Lust am Bogenschießen wurde bei Steven Schultz im Alter von zehn Jahren bei den Kissinger Kindertagen geweckt. "Da habe ich das ausprobiert, es hat mir sehr gefallen. Und beim Herbstmarkt in Oberthulba hat sich der Verein Bavaria Thulba mit einem Bogenstand vorgestellt", berichtet Steven von seinen Anfängen. "In Oberthulba habe ich auch den Trainer Marko Friedrich kennengelernt und eine Woche später hat mich meine Mutter bereits zum Training nach Thulba gefahren."

Die Teamkollegin spornt an

Seitdem trainiert Steven einmal pro Woche, vor wichtigen Wettkämpfen zwei Mal bei Marko Friedrich, anfangs auch bei Karin Huppmann. Nach seinen ersten größeren Erfolgen kamen Trainings-Wochenenden mit dem Unterfranken-Kader dazu. Da bleibt die Frage nach der Mitstreiterin und erfolgreichen Konkurrentin Elisa Tartler nicht aus.
Der junge Bogenschütze sieht das sehr positiv und betont, dass die beiden sich sehr gut verstehen. "Wir sehen das als Ansporn, weil wir im Training einen guten Konkurrenten haben, das hilft uns." Bei Wettkämpfen sind in der Regel Mädchen und Jungs getrennt. Einzige Ausnahme ist der Feldbogen, wo alle gemeinsam schießen, Elisa Tartler aber schon in der Jugendklasse.
Bis zur Deutschen Meisterschaft war es für Steven Schultz ein langer Weg, zunächst über die Gau- und die Bezirksmeisterschaft in Premich. Es folgte die Bayerische Meisterschaft in Breitengüßbach, die der 14-Jährige mit dem Titelgewinn abschloss, womit der Weg zur Deutschen Meisterschaft in Hohegeiß im Harz frei war.

Stürmisch und regnerisch

Dort wurde der Wettkampf an zwei Tagen durchgeführt. Am ersten Tag schossen die Bogenschützen auf unbekannte und unterschiedliche Entfernungen, auf 24 Scheiben jeweils drei Pfeile. "Dadurch mussten wir die Entfernungen schätzen und den Bogen immer darauf einstellen", erklärt Steven die Anforderungen. Erschwerend kam für die Schützen das wechselhafte Wetter mit Regen und teils stürmischen Böen hinzu.
Auch am zweiten Tag regnete es, geschossen wurde auf bekannte Entfernungen. "Das heißt aber nicht, dass es dadurch leichter war. Die Scheiben waren beispielsweise im Wald an sehr steilen Stellen aufgestellt und die Wege zu den Scheiben waren mit all der Ausrüstung die man mit sich führt, teilweise sehr rutschig", berichtet Steven. Von der lustigen Seite nahm der neue Meister einen Zwischenfall am ersten Tag. "Wir haben schon von weitem Sägegeräusche gehört. Als wir mitten im Wald auf unserem Parcours waren, wurde das Schießen unterbrochen, da genau auf unserem Weg zur nächsten Scheibe Bäume gefällt wurden. Das hat aber der Veranstalter nicht gewusst." Für Steven ist der Titel "schon eine besondere Motivation, aber jeder Wettkampf ist ein neuer", bleibt er bescheiden.
Dabei verlief seinen sportliche Entwicklung durchaus rasant. Bereits im ersten Jahr qualifizierte er sich mit dem Feldbogen für die Bayerische Meisterschaft und wurde Zweiter. "Da ich aber noch zu jung war, durfte ich nicht mit zur Deutschen Meisterschaft fahren." Nachdem er die Platzierung bei den Bayerischen 2013 wiederholen konnte, durfte er erstmals an den nationalen Titelkämpfen teilnehmen und belegte den Silberrang.

Große Unterstützung

Der sportliche Erfolg wäre ohne die Unterstützung der Eltern nicht zu realisieren, die als Fahrdienst viel Zeit investieren müssen. "In der Sommersaison waren fast jedes Wochenende Wettkämpfe oder Kader-Training. Da Elisa oft dabei ist, wechseln sich unsere Eltern beim Fahren ab", sieht Steven einen weiteren Vorteil im Miteinander mit seiner Vereinskameradin. Der Zeitaufwand ist enorm. Bei Wettkämpfen mit weiten Fahrten in den Harz, nach München oder gar Hamburg heißt es früh aus den Federn kommen.
Dennoch findet Steven noch Zeit für Freunde und andere Hobbys. "Ich bin begeisterter Modellflieger. Und natürlich spiele ich auch gerne mit meinen Freunden mit der Xbox." Sportlich wartet auf Steven in diesem Jahr noch ein wichtiger Wettkampf - Ende August steht die Deutsche Meisterschaft in der olympischen FITA-Disziplin Recurve-Bogen in Zeven bei Hamburg auf dem Programm. "Dafür habe ich mich mit dem Gewinn der Bayerischen Vizemeisterschaft in dieser Disziplin qualifiziert", so Steven Schultz voller Vorfreude auf das nächste Großereignis. Dann könnte es den nächsten Empfang beim Schützenverein Thulba geben.