FC Untererthal II - SV Römers hag 1:3 (1:2). Tore: 0:1 Alexander Melser (16.), 0:2 Nino Rupprecht (35.), 1:2 Marcel Herrlein (44.), 1:3 Pascal Ziegler (56.).
Als sich die erste Bierdusche über Römershags Abteilungsleiter Jürgen Breitenbach ergoss, da schien das SV-Urgestein fast ein wenig erleichtert. "Super Leistung, konzentriert gespielt", wollte Breitenbach eigentlich noch sagen, aber das Team hatte ganz andere Dinge im Sinn. Auch Betreuer Gunther Schwarz kam nicht ohne überraschende Abkühlung davon, mehrfach wohlgemerkt. Mit dem 3:1-Erfolg gegen spielerisch enttäuschende Untererthaler Reservisten steigen die Schwarz-Gelben Vorstadtkicker sofort in die A-Klasse auf. Die Viktoria hat am 7. Juni die letzte Chance, ihre Relegationsbemühungen mit einem Aufstieg zu krönen.

Bus voll ausgebucht

Vor dem Anpfiff kam fast schon ein wenig Stadion-Atmosphäre auf, denn die grün-weiße Fangruppe "Sektion Stäbruch" hatte beim Unternehmen Aufstieg aber auch rein gar nichts dem Zufall überlassen und machte sich mit dem Reisebus von der Erthal-Halle aus auf den Weg nach Wollbach. Binnen weniger Stunden war der Bus ausgebucht gewesen, die Stimmung bei den Viktorianern dementsprechend sofort euphorisch. Als die Glocken den Rockklassiker "Hells Bells" von AC/DC ankündigten, gab die "Sektion Stäbruch" gleich Vollgas und rollte ein neues Banner aus: "Ein Dorf steht hinter seiner Zweiten. Fighten!" Natürlich durfte auch die mittlerweile legendäre "Viktoria"-Banderole nicht fehlen, die bereits bei der Meister-Mannschaft zum Einsatz gekommen war. Die gelb-schwarzen Anhänger übten sich zunächst in Zurückhaltung, was ganz offensichtlich aber auch der großen Anspannung geschuldet war.

Römershag hatte Anstoß, die FCU-Anhäger hatten richtig Lust auf Fangesänge. Auf dem Rasen herrschte zunächst allerdings reichlich Nervosität. Untererthals Marcel Herrlein zeigte recht frühzeitig an, dass er in der Spitze für Wirbel sorgen möchte. Die gelb-schwarze Defensivreihe warf ebenso rasch ein Auge auf ihn. Dass quasi mit dem Anpfiff ein stürmischer Wind aufkam, störte mehr die Zuschauer als die Akteure auf dem Feld. Nach sechs Minuten strich Florian Röthleins satter Schuss weit über den Römershager Kasten. Bei den Gelb-Schwarzen vergab zunächst Nino Rupprecht, der zweimal flach am Außenpfosten vorbeischob (11., 15.). Die "Sektion Stäbruch" ahnte, dass der flinke Rupprecht eine Gefahr werden könnte und skandierte vorsorglich: "Auf geht's Erthal." Doch die Erthaler Mannen wollten nicht hören. Dann schien der hochgewachsene Alex Melser förmlich in der Luft zu stehen. Sekundenlang segelte die hohe Hereingabe durch den Untererthaler Strafraum. Doch außer dem Römers hager Melser brachte kein Akteur seinen Kopf an das Leder. 0:1.
Den zweiten Treffer der Sinntal-Kicker in der 19. Minute pfiff Nikita Kolodeznyj zurück. Abseits. Kein Protest. Die Römershager spürten, dass bei den Untererthalern nicht wirklich viel zusammenlief. Und so probierten es die Stadtteil-Kicker mit Fernschüssen. Die Richtung stimmte bei den SVlern, die irgendwie zielstrebiger wirkten als ihre Kontrahenten. So war denn auch Nino Rupprechts flacher Schuss direkt neben den Innenpfosten keine große Überraschung (35.).

Das Spiel drohte den Untererthalern zu entgleiten, als Römers hags Vorsitzender Erwin Miller plötzlich die Trompete auspackte und ein "Olé, Olé, Olé, Olé" anstimmte. Die grün-weiße Fan-Fraktion, die zwischenzeitlich ein wenig leiser geworden war, ließ sich das nicht bieten und erhöhte den Pegel ("F-C-U, F-C-U, F-C-U"). Dass sich derweil Nino Rupprecht und Alexander Melser in der Spitze abrackerten, geriet angesichts beeindruckender Musikalität in beiden Lagern zur Nebensache.

Weniger nebensächlich war Marcel Herrleins Alleingang kurz vor der Pause, den er mit dem Anschlusstreffer krönte. "Das war wichtig", pusteten die Untererthaler tief durch. Gut gelaunt marschierte das Schiedsrichtergespann (Nikita Kolodeznyj, Ludwig Weisenseel, Christoph Föller) in die Kabine. Nach 45 Minuten hatte der souveräne und sachlich agierende Kolodeznyi nicht einmal zur Karte greifen müssen. Respekt.
Die Römershager steckten zu Beginn des zweiten Durchgangs noch einmal die Köpfe zusammen und beschworen Einigkeit. Das schien nötig, denn Untererthals Coach Michael Hammer hatte zwischenzeitlich, wie im Vorfeld angekündigt, den agilen Lukas Tartler ins Rennen geschickt. Und der sollte sich in der zweiten Halbzeit als echter Unruheherd mit beeindruckender Kondition und Ballsicherheit erweisen. Nicht vergessen werden darf, dass Hammer ansonsten seiner 2. Mannschaft vertraute und keineswegs sein Team "von oben auffüllte". Die Akteure dankten es dem Coach zwar mit viel Kampfbereitschaft, aber leider auch zu vielen Fehlpässen. Hammer ertrug die teilweise haarsträubenden Abspielfehler mit viel Geduld und seiner jahrelangen Erfahrung, die Fans zeigten sich ebenfalls gnädig und peitschten die nervösen Viktorianer weiter nach vorne. Das half zunächst auch ganz gut, die Untererthaler kamen zu Freistößen und Ecken. Allesamt aber ohne durchschlagenden Erfolg. Für die Vorentscheidung sorgte Römershags Pascal Ziegler, der aus dem Gewühl heraus flach abzog und in die Maschen traf. Die Untererthaler Kicker schienen fast ein wenig geknickt, doch die Fans steckten nicht auf: "Wir wollen dieses Spiel gewinnen."

Besonders der junge Lukas Tartler nahm diese Aufforderung für bare Münze und wirbelte immer wieder die gelb-schwarze Hintermannschaft durcheinander. Fünf Minuten vor Schluss, als die Römershager schon die Kaltgetränke zurechtstellten, hätte es noch einmal spannend werden können. Sven Röthleins Lupfer gegen den herauseilenden SV-Keeper Dominik Hüfner tropfte kurz vor der Torlinie auf. Der Ball hüpfte allerdings einige Zentimeter über das Quergebälk des verwaisten Kastens. Hüfner hätte das Leder nicht mehr erreichen können. Dann war Schluss. "Das war wirklich zu wenig", meinten nach Abpfiff sogar die hartgesottenen FC-Fans.

Der Trompeten-Champions-Song

Den Römershagern war das Einerlei. Erwin Miller griff wieder zur Trompete, stimmte "We are the Champions" an. SV-Urgestein Winfried Hehn herzte die Spieler einzeln und zeigte sich von der konzentrierten Leistung seines Teams angetan. Die unterlegenen Grün-Weißen erwiesen sich unterdessen als faire Verlierer und stellten die bis dato lautstarken Fangesänge mit Beginn der schwarz-gelben Aufstiegsfeier ein.
Ohnehin war die äußerst faire Spielweise auf beiden Seiten beeindruckend. Zwei gelbe Karten waren letztlich zwar unvermeidlich, doch Schiedsrichter Kolodeznyj hatte vor rund 400 Zuschauern überhaupt keine Mühe, das Geschehen unter Kontrolle zu halten.
Mit dem Ende der Partie legte sich sogar der Wind wieder, die Sonne bahnte sich einen Weg durch die dichte Wolkendecke. Na bitte. Spielerisch war's zwar kein Leckerbissen, aber die Fans haben sich Bestnoten verdient.
Untererthal II: Koch - Beyer, Kolb, Gerlach, Full, Nöth, Virnekäs D., Röthlein Fl., Tartler M., Röthlein S., Herrlein M. (eingewechselt: Schneider M., Tartler L., Brustmann A.).
Römershag: Hüfner D. - Schönstein, Reichhardt, Ermisch V., Ditzel, Melser K., Pautow W., Ziegler, Melser A., Spahn, Rupprecht (eingewechselt: Gerr, Kuhn, Schill).
Schiedsrichter: Nikita Kolodeznyi (Münnerstadt).
Zuschauer: 400.