Die Jahreswende in Fuchsstadt hat es schon am frühen Nachmittag in sich. Noch ohne Feuerwerk. Aber mit Raketen. Solchen, die zu Fuß besonders schnell unterwegs sind. Selbst bei schwierigen Streckenverhältnissen im Gelände. Die Mixtur aus Schnee, Eis und aufgeweichter Erde beim Fuschter Silvesterlauf stellte jedenfalls hohe Anforderungen an Kondition und Gleichgewichts-Sinn der Protagonisten. Was auch für den Sieger galt. "Das war echt schwierig. Ich hätte bei normalen Verhältnissen sicher zwei Minuten schneller laufen können", sagt René Amtmann, der am Schlussanstieg den Kohlenberg hinauf Markus Veth von der DJK Neubessingen abschütteln konnte.

Vielseitig ist der Gewinner, der zudem ein erstklassiger Bahnläufer ist und sich im neuen Jahr gerne für die Bayerischen Meisterschaften über 5000 Meter qualifizieren würde. "Eine Zeit um 16:30 Minuten habe ich mir dafür vorgenommen", sagt der Zeller, der für den TSV Thüngersheim startet und in der Woche zuletzt 40 bis 50 Kilometer lief. "Dafür lege ich im Winter viel Wert auf Kraft- und Ausdauertraining", berichtet der 20-Jährige, der bei seiner vierten Teilnahme erstmals den Silvesterlauf gewann in der Siegerzeit von 25:28 Minuten. "Damit war ich sogar fast eine Minute schneller als im Vorjahr, als ich Vierter wurde." Gewonnen hatte da Matthias Krah mit Streckenrekord (23:56). Diesmal fehlte der Läufer vom TV Bad Brückenau, der beim Nürnberger Silvesterlauf startete. Dennoch war die Lauf-Elite von der Sinn um Teamchef Hans Wagner gewohnt stark vertreten, mit Reinhart Vogler als bestem TV-Läufer auf Platz neun.

Stammgäste waren wieder Fußballer der DJK Büchold. "Wir haben uns für den Braveheart-Battle im März in Münnerstadt angemeldet. Da ist dies doch eine gute Trainingseinheit", findet Sebastian Wendel, der unter der 30-Minuten-Grenze blieb und damit Schnellster des DJK-Trios war vor Matthias Volk (32:24). "Ich will zumindest unter 35 Minuten hatte sich Kompagnon Felix Kehl kurz vor dem Start geäußert unter dem Grinsen der Kollegen. Druck, mit dem der Bücholder bestens fertig wurde: 33:49 Minuten - Respekt. Respekt auch vor den U-13-Kickern des FC Fuchsstadt, die im Vereins-Outfit die knapp sieben Kilometer lange Strecke in Angriff nahmen. "Wir haben zuletzt an zwei Hallenturnieren teilgenommen. Das ist ein schöner Jahresabschluss und fördert obendrein den Teamgeist", sagt Trainer Jochen Pfriem, der die junge Truppe mit Jörg Ballhausen begleitet hatte.

Keinerlei Sieges-Ambitionen hatte diesmal Markus Unsleber. "Ich hatte eine hartnäckige Erkältung, musste Antibiotika nehmen und bin froh, überhaupt wieder einigermaßen laufen zu können. Vor einer Woche wäre ich den Schlussanstieg noch hochgegangen. Aber der Silvesterlauf in Fuchsstadt gehört einfach dazu", sagt der gebürtige Langendorfer, der trotz "Spar-Gang" Sechster der Gesamtwertung wurde. "Das war heute für alle schwer. Ich hatte auch die falschen Schuhe an und bin oft gerutscht", berichtet der Triathlet, der für 2015 den Fokus auf die Marathon-Strecke legt. "Ich hoffe, dass ich Mitte Januar mit der Vorbereitung beginnen kann und will im April beim Hannover-Marathon starten", sagt der 39-Jährige an, der mit dem Fahrrad von seinem Wohnort Wülfershausen gekommen war, um am Abend "auszuradeln. Das gehört nach so einem Lauf zum Standard". Im Fuchsstädter Sportheim gab es für den viermaligen Ironman-Teilnehmer noch ein unerwartetes Fachgespräch.

Und zwar mit Maike Cotterell, die in 2010 ebenfalls den härtesten Triathlon der Welt auf Hawaii absolvierte. Auf Kur in Bad Kissingen befindet sich die Hamburgerin zum Jahreswechsel und hatte im Internet von der Veranstaltung erfahren. "Wir wollten aus Lust und Laune bei einem Silvesterlauf mitmachen und waren daher froh, dieses Angebot in der näheren Umgebung gefunden zu haben." Die Personal-Trainerin, Autorin und Triathletin meinte mit "wir" Sonja Küppers, ebenfalls zur Kur an der Saale. "Das war doch ein feiner Jahresabschluss. Das hat Spaß gemacht", sagt die Koblenzerin mit Halbmarathon-Erfahrung. "Nach meiner Leistungssport-Karriere war ich ausgepowert, auch verletzt. Im November habe ich wieder mit dem Laufen begonnen, will wieder kleinere Veranstaltungen besuchen. Mein letzter Wettkampf liegt jetzt eineinhalb Jahre zurück", plaudert Maike Cotterell, die viele Triathlons vor allem über die Olympische Distanz lief, in 2010 sogar Deutsche Meisterin ihrer Altersklasse war.

Mit 87 Teilnehmern blieb die Resonanz etwas hinter den Erwartungen zurück, was am positiven Fazit nichts änderte. "Wir wollen unser Konzept so beibehalten. Große Veränderungen wird es nicht geben", kündigt Karl-Heinz Manninger von den Fuschter Eul's an, der in der Organisation vor allem von Axel Ackerl, Arnulf Pfülb und Julia Manninger unterstützt wurde. Für die Streckensicherung hatte die Freiwillige Feuerwehr gesorgt, auch die medizinische Unterstützung kam aus dem Ort, während die Bewirtung im Sportheim traditionell die FC-Fußballer übernommen hatten. Am Abend wurde dann richtig geböllert in Fuchsstadt. Mit und ohne Muskelkater.

Männer 1. René Amtmann (TSV Thüngersheim) 25:28, 2. Markus Veth (DJK Neubessingen) 25:48, 3. Martin Ankenbauer (TSV Rannungen) 26:38, 4. Thomas Kaminski (TV/DJK Hammelburg) 27:09, 5. Matthias Orth (DJK Schweinfurt) 27:48, 6. Markus Unsleber (Laufgruppe Wülfershausen) 27:55, 7. Fabian Knüttel (Fuchsstadt) 28:10, 8. Markus Reuter (TV/DJK Hammelburg) 28:24, 9. Reinhart Vogler (TV Bad Brückenau) 28:48, 10. Nico Reusch (TG 48 Schweinfurt) 28:53.

Frauen 1. Anne Knüttel (Fuchsstadt) 32:59, 2. Maike Cotterell (Hamburg) 36:38, 3. Hannah Stockmann (FFC Fuchsstadt) 37:35, 4. Yvonne Rottmann (TSV Gauaschach) 37:56, 5. Heike Preuss (Tausendfüßler Hammelburg) 37:57, 6. Ingeborg Joa (Tausendfüßler Hammelburg) 39:02, 7. Carmen Haberland (TV/DJK Hammelburg) 41:08, 8. Renate Marquardt (ohne Vereinsangabe) 42:08, 9. Sonja Küppers (Koblenz) 44:14.