Für Dominik Schönhöfer, Trainer der Münnerstädter Bezirksliga-Kicker, war die Zielsetzung schon im Sommer klar. "Die Meisterschaft unserer zweiten Mannschaft in der B-Klasse stand bei uns von Saisonbeginn an im Fokus. Nach dem unnötigen Abstieg im Vorjahr wollten wir unbedingt sofort wieder rauf." Stephan Glasauer, seit deren Aktivierung 2008 Coach der Reserve, pflichtet Schönhöfer bei. "Die zweite Mannschaft ist Basis des Erfolges. Die Entwicklung des Unterbaus ist elementar für die Entwicklung unseres Vereins." Ein halbes Jahr später lässt sich nun sagen: Ziel erreicht. Und wie.

Im Eiltempo jagten die Münnerstädter durch die B-Klasse. Besonders nach der Winterpause war die Truppe nicht zu stoppen. Da wirkt es fast schon kurios, dass die Meisterschaft just nach dem ersten sieglosen Spiel der Rückrunde, dem 0:0 beim FC Reichenbach II, fix war. Mitgeholfen hatte der VfB Burglauer II, der Verfolger TSV Ebenhausen II ein Bein stellte. Bei sieben Zählern Vorsprung auf die Ebenhäuser war die Messe damit Mitte Mai gelesen.

Vor besagter Punkteteilung im Derby hatte die Mannschaft eine Serie von sage und schreibe 14 Siegen am Stück hingelegt. Und das mit einem unglaublichen Torverhältnis von 63:2 - Zahlen einer beeindruckenden Dominanz, die nicht von ungefähr kam. "Zu Rundenbeginn haben wir etwas unter der Personalnot der Bezirksliga-Mannschaft gelitten", erinnert sich Stephan Glasauer. In diese Phase fielen auch die beiden einzigen Saisonniederlagen, von welchen besonders das 4:6 gegen den FC Poppenlauer II in Erinnerung geblieben ist. "Da gingen wir personell dermaßen am Stock, dass am Ende der Dom Schönhöfer im Kasten stand - mit überschaubarem Erfolg", kann Glasauer inzwischen aber über die Pleite lachen.

Die personelle Entspannung in der ersten Mannschaft hatte aber auch zur Folge, dass der ein oder andere ambitioniertere Kicker sich häufig in der B-Klasse wiederfand. Ein Problem? Im Gegenteil. "Über die zweite Mannschaft kann man sich immer wieder oben empfehlen", weiß Kai Thomann. Der erst im Winter aus Afghanistan zurückgekehrte Bundeswehrsoldat musste selbst erst mehrfach in der Reserve treffen, um seine Chance zu erhalten. Doch die Arbeit zahlte sich aus. "Zuerst waren es Kurzeinsätze, inzwischen habe ich jetzt auch in der Ersten mein erstes Saisontor schießen können", berichtet der Angreifer.

Thomann ist nicht der einzige, der sich in einer solchen Lage befindet. Auch Spieler wie Christoph Ballner, Dominik Fiedler oder nach längerer Verletzung sogar der Mannschaftskapitän der Bezirksliga-Elf, Michael Knysak, liefen regelmäßig für die "Zwote" auf. Sie alle haben jede Menge Startelf-Einsätze in der Ersten auf dem Buckel. Doch wie intakt die Moral im TSV ist, wird nicht zuletzt hier deutlich. "Wir sehen das Ganze nicht als erste und zweite Mannschaft, sondern als ein Team. Wenn man in der Zweiten spielt, gibt man deswegen nicht weniger Gas. Abgesehen davon, dass wir in der B-Klasse stets ein klares Ziel vor Augen hatten, für welches die Truppe toll zusammengearbeitet hat", erzählt der 32-jährige Knysak. Leiden musste unter der breiten Personaldecke der "Nägelsieder" zumeist nur der Gegner.

Und in Zukunft? "Wir wollen definitiv eine bessere Rolle in der A-Klasse spielen, als noch vor zwei Jahren", will Glasauer, der seinen Vertrag als Coach der Reserve kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert hat, mit dem Abstieg dieses mal nichts zu tun haben. "Damals waren wir allgemein sehr dünn besetzt, was sich über die erste Mannschaft natürlich auch auf uns sehr stark ausgewirkt hat. Wenn wir weiterhin so eine tolle Beteiligung haben, können wir nächstes Jahr aber vielleicht für die eine oder andere Überraschung sorgen. Schließlich haben wir eine blutjunge Truppe mit toller Trainingsmoral und großem Entwicklungspotential. Ziel ist zunächst einmal der Klassenerhalt.


Im Gespräch mit Kilian Lochner

Mit gerade einmal 22 Jahren ist Kilian Lochner bereits im zweiten Jahr Kapitän der Münnerstädter Reserve. Im Interview verrät uns der Student, wie gelungen eine feststehende Feier sein kann und was er wirklich von seinem Trainer hält.

Kilian, Dein Premierenjahr als Kapitän ging mit dem Abstieg ja gründlich in die Hose. Was bedeuten jetzt Meisterschaft und direkter Wiederaufstieg?
Kilian Lochner: Das ist ganz wichtig für uns. Wir hatten uns das Ziel von Beginn an gesetzt und waren spätestens seit der Winterpause auch in einer Favoritenrolle. Dennoch wäre man mit ein, zwei Niederlagen gleich weg vom Fenster gewesen. Dass wir jetzt so souverän den Titel geholt haben, ist Bestätigung unserer harten Arbeit und sollte uns einen ordentlichen Schub Selbstbewusstsein geben.

Wie war es für Euch, den Titel auf der Couch zu gewinnen?
Ich muss sagen, dass das schon etwas komisch war. Zunächst einmal haben alle nachgeforscht, ob Burglauer wirklich gegen Ebenhausen gewonnen hat oder ob das eine Fehlmeldung war. Auch als es dann feststand, freute man sich natürlich sehr, aber man war ja nicht als Mannschaft zusammen und konnte folglich nicht gemeinsam jubeln. Eine andere Art der Entscheidung hätten wir uns ehrlich gesagt schon gewünscht.

Das Feiern habt Ihr doch dann sicherlich eine Woche später gehörig nachgeholt?
Allerdings. Nach unserem letzten Heimspiel haben wir zunächst auf dem Platz eine kleine Feier gestartet, die sich auf der Tribüne dann auch über das Bezirksliga-Heimspiel der ersten Mannschaft gezogen hat. Höhepunkt war die gemeinsame Meisterfeier am Abend, bei welcher ich als Kapitän natürlich vorangehen musste und aufgepasst habe, dass auch ja alle Mann hundert Prozent geben. Außerdem war ich mitverantwortlich für einen passenden Abschied unserer TSV-Kanone, was den Abend noch runder gemacht hat.

Nicht nur beim Feiern hört man vom tollen Zusammenhalt in Münnerstadt. War das auch auf dem Rasen euer Geheimnis?
Unter anderem definitiv ja. Dazu kam, dass wir im Vergleich zum Vorjahr einen festen Stamm hatten und nicht jede Woche eine komplett neue Elf zusammengewürfelt wurde. Dadurch hat sich ein toller Geist im Team entwickelt, jeder hat wirklich alles für den gemeinsamen Erfolg gegeben.

Was erhoffst Du Dir nun im neuen Spieljahr in der A-Klasse?
Ich denke, wir sollten einfach da weitermachen, wo wir heuer aufgehört haben. Da geht es neben dem sportlichen Erfolg auch um Trainingsbeteiligung, Bindung zur ersten Mannschaft und so weiter. Der wichtigste Baustein ist für uns aber die Vertragsverlängerung mit Stephan Glasauer. Für mich findet man weit und breit keinen besseren Coach für unseren verrückten Haufen.