Als Schiedsrichter kann man bei entsprechender Qualifikation recht schnell Karriere machen. Das beweist der 20-jährige Hermann Freibott vom FC 06 Bad Kissingen, der seit 2006 als Unparteiischer im Einsatz ist und mittlerweile schon in der vierten Saison Bezirksliga-Spiele leitet.

Hermann, schildere Deine bisherige Karriere als Schiedsrichter!
Hermann Freibott: 2006 wurde ich von den damaligen Lehrwarten der Schiedsrichtergruppen Bad Kissingen und Bad Brückenau, Peter Schmitt und Thorsten Schulz-Strellmacher, ausgebildet. In den ersten Jahren pfiff ich nur Jugendspiele und bekam erste Assistentenspiele in den Jugendligen. Später wurde ich langsam an den Herrenbereich herangeführt und in der Saison 11/12 BAW. Das heißt Bezirksligaanwärter, man wird viermal in den Kreisligen beobachtet. Dort konnte ich gute Leistungen erzielen und als Sonderaufsteiger (U18) durfte ich in der Rückrunde schon Bezirksliga pfeifen. Dort bin ich inzwischen in meiner vierten Saison.

Du gehörst zu den qualifizierten Schiedsrichtern der Schiedsrichtergruppe Bad Kissingen. Wie ist das Gefühl im Gespann unterwegs zu sein und alleine Spiele zu leiten?
Zunächst ist es im Gespann während eines Spieles deutlich entspannter, da einem die meines Erachtens schwerste Entscheidung abgenommen wird, nämlich das Abseits. Die Vorbereitung eines Spieles fällt dagegen allein leichter, da man Dinge wie Trikots, Treffpunkt usw. nicht abklären muss. Grundsätzlich erachte ich das alleinige Pfeifen am Anfang jedoch für sehr wichtig, so lernt man sich zu behaupten. Noch mehr Spaß macht es jedoch im Team.

Hat Dir die Schiedsrichterei auch schon einmal in Deinem Privatleben weitergeholfen?
Definitiv. So hilft einem die Schiedsrichterei bei vermeintlich "kleinen" Dingen wie Vorträgen in der Schule und Uni, als auch bei "größeren" Dingen wie Selbstvertrauen und Zeitmanagement. Ich behaupte, wenn ich als junger Mensch Wochenende für Wochenende für ein Fußballspiel mit 22 Spielern samt Zuschauern verantwortlich bin, wird mich ein Referat in der Schule relativ wenig aufregen. Definitiv wichtig, ist die Disziplin. Zum einen körperlich, da man - falls man dem höherklassigen schnelleren Spiel folgen möchte - auch allein trainieren muss. Anderseits auch geistig: wenn ich am Sonntagnachmittag oder gar vormittags Leistung bringen möchte, sollte ich meine Wochenendaktivitäten danach ausrichten.

Du bist noch sehr jung und in der Bezirksliga spielen schon viele ältere, auch routinierte und ausgekochte, Spieler mit. Wie erarbeitest Du Dir den nötigen Respekt?
Ich denke nicht, dass man sich Respekt durch übertriebenes autoritäres Gehabe verschafft. Viel mehr sind es viele kleine Dinge um und auf dem Platz, die dazu führen, dass man auch als junger Schiedsrichter respektiert wird. Zum Beispiel sollte ich mich als Schiedsrichter bei Ankunft, bzw. beim Anschauen der Trikots in der Kabine vorstellen, so lernen mich auch die Spieler erstmals kennen. Insgesamt denke ich, dass man sich Respekt durch das richtige Auftreten und besonders mit richtigen Entscheidungen erarbeitet. Wenn ich als Schiedsrichter die meisten und die wichtigen Entscheidungen richtig treffe, wird es die Spieler nicht interessieren, ob der Schiedsrichter 20 oder 40 ist. Aber dies gilt natürlich auch andersrum. Ich würde es als Geben und Nehmen beschreiben: die Spieler erwarten völlig zu Recht, dass sie geschützt werden und Fußball spielen können. Dies zu bewerkstelligen ist unsere primäre Aufgabe. Aber auch als Schiedsrichter darf ich Respekt einfordern, es kann zum Beispiel nicht sein, dass jede Entscheidung angezweifelt wird. Das ist auch mein gutes Recht, dies den entsprechenden Spielern zunächst verbal, später auch mit Karten, mitzuteilen.

Was hast Du Dir für Ziele gesteckt?
Auch auf die Gefahr hin, dass der Satz ausgelutscht ist: Primäres Ziel ist es immer, dass nächste Spiel bestmöglich zu pfeifen. Man ist bestens beraten, kontinuierlich Leistung zu bringen und sich somit für höhere Aufgaben zu empfehlen. Auch wenn Erfolg ein Stück weit planbar ist, so ist doch immer ein gewisser Prozentsatz Glück dabei.

Hast Du ein Vorbild als Schiedsrichter?
Nein, kein Vorbild. Wenn man als junger Schiedsrichter versucht, höher pfeifende oder gar Bundesliga-Schiedsrichter zu imitieren, wird man gnadenlos scheitern. Dennoch versucht man sich manche Dinge abzuschauen. Sehr gefällt mir zurzeit in der Bundesliga der Stil von Felix Zwayer, da dieser zwar relativ jung ist, sich dennoch durch sehr gute Leistungen ein hohes Standing der Profis und Vereine erarbeitet hat. Der "Beste" für mich war und ist jedoch der Italiener Pierluigi Collina. Er war aber eine Ausnahmeerscheinung, welche es in jeder Branche nur einmal gibt.

Wie gehst Du mit Kritik um?
Zunächst sollte man zwischen sachlicher und unsachlicher Kritik unterscheiden. Letztere sollte man so wenig wie möglicht an sich heranlassen. Wenn ich mich selber und meine Entscheidungen während des Spiels permanent hinterfrage, glaube ich kaum, dass es noch möglich ist ein Fußballspiel zu leiten. Ein Grundmaß an Selbstbewusstsein ist unabdinglich. Nicht zu verwechseln ist dies jedoch mit Arroganz! Anders sieht es nach dem Spiel mit sachlicher Kritik aus, aus der man viel lernt. Hier kann man eine Parallele zu den Spielern ziehen. Fehler werden ja auch nach dem Spiel besprochen bzw. im Training und nicht während des laufenden Spieles. Das wichtigste an sachlicher Kritik ist jedoch, dass man diese annimmt und sich eventuell auch mal selber hinterfragt. Es hilft einem zu wissen, dass es das perfekte Spiel mit 100 Prozent richtigen Entscheidungen nicht gibt, weder in der Bundesliga noch in der B-Klasse.

Du bist Assistent bei verschiedenen Schiedsrichtern. In welchen Klassen warst Du da schon unterwegs?
Fest im Team bin ich bei unserem Obmann Alexander Arnold in der Bayernliga, als auch bei unserem stellvertretenden Obmann Sebastian Wieber in der Landesliga. Arbeitstechnisch wird es von Liga zu Liga eine höhere Herausforderung, da das Spiel logischerweise schneller und körperbetonter wird. Aber gerade von den Schiedsrichtern kann man als junger Assistent sehr viel lernen.

Das Gespräch führte Alexander Arnold.