Nicht gerade rosig sind die Perspektiven für den Handball im Landkreis. Der Nachwuchs macht sich rar. "Leider ist es so, dass durch viele andere Angebote im Freizeitbereich im Vergleich zu früheren Zeiten die Kinder nicht mehr in die Vereine kommen", bedauert Klaus Sieß, der Trainer der Herren des FC Bad Brückenau. Er hat in den vergangenen Jahren registriert, dass kleinere Vereine verstärkt damit zu kämpfen haben, einen kompletten Unterbau mit Spielern aufzufüllen - von den Minis bis zur A-Jugend. "Dieses rächt sich spätestens dann, wenn zwei Jahrgangsstufen hintereinander nicht befüllt werden können", weiß Sieß aus leidvoller Erfahrung mit den Damen des FC Bad Brückenau. "Es existierte leider seit zwei Jahren keine weibliche A-Jugend mehr und damit fehlten Spielerinnen, die in die Damenmannschaft nachrücken konnten. Bedingt durch Studien, Beruf und auch Familiengründung kann dann keine Mannschaft mehr gestellt werden", begründet er den Rückzug des Teams vom Spielbetrieb.
Besserung ist allerdings in Sicht, denn in der neuen Saison stellen die Brückenauer wieder eine A-Jugend, die unter Führung von Thomas König komplett aus der B-Jugend nachrückte. "Wir versuchen, durch gezielte Nachwuchsarbeit in den Schulen wieder den Unterbau zu schaffen. Mit Stefan Richter und mir stellen wir die Verbindungen her und betreiben das Projekt Sport nach 1. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg, da wir wieder eine Minigruppe haben, eine weibliche D-Jugend aufstellen konnten, die Silvia König trainiert, und immer mehr Jungs in den Verein finden", sieht Klaus Sieß erste Fortschritte. Derzeit hat der FCB für den Spielbetrieb folgende Mannschaften gemeldet: Mädchen, D-Jugend, B-Jugend und A-Jugend; bei den Jungs wurden die Altersklassen E und D zusammengefasst, da sonst nicht genügend Spieler für eine Spielrunde zur Verfügung gestanden wären, dazu kommen die männliche B-Jugend und das Team der Männer.

Erstes Spiel abgesagt

Probleme mit ausreichendem Personal hat auch die SG Garitz/Nüdlingen beim Unterbau für das Landesligateam der Damen. Die junge Zweite Mannschaft schaffte zwar mit Trainer Erich Kaim den Aufstieg in die Bezirksliga, ob sie dort aber spielen wird ist fraglich. Der Verein arbeitet fieberhaft an einer Lösung. "Das für diesen Samstag angesetzte Auftaktspiel bei der TG Höchberg II mussten wir absagen", bedauerte Erich Kaim. Offen ist, ob das Spiel mit X:0 gewertet oder verlegt wird - falls die SG eine Mannschaft an den Start bringt. So stellt der TV/DJK Hammelburg neben der SG in der Landesliga das einzige Damenteam im Landkreis. Mit dem neuen Spielertrainer-Duo Ute Leidner/Nicole Schröter ist der Klassenerhalt in der Bezirksliga das erklärte Ziel.
In der Bezirksliga gehen auch die Herrenteams der DJK Nüdlingen und des FC Bad Brückenau an den Start. Der neue Nüdlinger Trainer Oliver Speck erwartet aufgrund der dünnen Spielerdecke eine schwierige Saison, will aber mit seinem Team den Klassenerhalt schaffen. Der gesamte Heimspielbetrieb für alle Brückenauer Mannschaften wird diese Saison in der Bayernhalle in Bad Kissingen ausgetragen, da die Römershager Halle bekanntlich saniert wird und die eigene FC-Halle von der Größe her nicht für den Spielbetrieb ausreicht. "Damit ist jedes Spiel diese Saison ein Auswärtsspiel für uns und wir rechnen mit finanziellen Einbußen", erklärt Klaus Sieß. "Bedingt durch die Anfahrt nach Bad Kissingen werden wir, wie schon beim Unterfrankenpokal am vergangenen Wochenende, vor nur rund 20 Zuschauern spielen", rechnet Sieß mit deutlich weniger Unterstützung. Möglicherweise finden sich aber auch in Bad Kissingen einige Handball-Freunde, die das Team unterstützen, denn die Zeiten, als der TSV Bad Kissingen noch eine Handball-Mannschaft stellte, sind schon lange vorbei.

Training in der FC-Halle

Mit der Trainingsbeteiligung ist Sieß zufrieden, obwohl er Probleme erwartet, da viele Spieler ihr Studium weit entfernt von Bad Brückenau beginnen werden. "So werden wir meist nur am Freitag alle an Bord haben, um Spielabläufe gemeinsam zu trainieren und einzustudieren." Das Training läuft jetzt in der alten FC-Halle an. Der Boden wurde neu versiegelt und mit einem Handballfeld liniert. "Durch die Initiative, die alte FC-Halle wieder bespielbar zu machen, konnten wir auch den Eltern entgegenkommen, damit sie ihre Kinder nicht noch in auswärtige Hallen fahren müssen", betont Sieß, der für sein Team nicht nur wegen dem Ausweichen in die Bayernhalle eine schwierige Saison erwartet. Schon jetzt sind im Spielerbereich Engpässe absehbar. "Mit Peter Karl wird mir ein Routinier aller Voraussicht verletzungsbedingt bis Dezember fehlen. Weiterhin wird Max Richter ebenfalls bis Dezember durch ein Auslandssemester fehlen und nur sporadisch zu den Spielen vor Ort sein." Zum Hoffnungsträger könnte der reaktivierte Stefan Bott als Torwart werden. "Mit ihm hätten wir eine 'Bank' im Tor. Er ist in der Lage, seine Abwehr zu führen und punktgenaue Pässe nach vorne zu spielen. Im Trainingsspiel gegen Lohr II (29:29) konnte er sein Können unter Beweis stellen. Allerdings ist Stefan Bott noch angeschlagen, bedingt durch seine Knieverletzung. Absicht ist, so lange das Knie schmerzfrei bleibt, uns zur Verfügung zu stehen", so Sieß.
Ein letztes Testspiel vor dem eigenen ersten Ligaspiel am 28. September gegen den HSV Bergtheim bestreiten die Brückenauer am Sonntag um 16 Uhr beim TV/DJK Hammelburg, der ja in die Bezirksklasse abgestiegen ist. Frank Sell fungiert in Hammelburg als neuer Spielertrainer, "obwohl es mir lieber gewesen wäre, wenn jemand anderes den Trainerposten übernommen hätte". Prognosen zur Bezirksklasse wagt er keine. "So tief habe ich noch nie gespielt." Sein junger Kader zieht im Training mit, so dass das Ziel, vernünftigen Handball zu spielen, realisierbar sein müsste. Probleme im Training hat Sell eigentlich nur mit den Torhütern, die alle auswärts im Einsatz sind. "Das Mannschaftsgefüge ist besser als die letzten zwei Jahre", legt Frank Sell großen Wert auf Teamgeist. "Bei mir sollen alle, die dabei sind, auch spielen." Sorgen bereitet Sell der auch in Hammelburg fehlende Nachwuchs. Zudem bedauert er, dass ältere Spieler, die aufgehört haben, sich nicht mehr in der Halle sehen lassen.

Landesliga-Auftakt der U 19

Ganz anders schaut es in Münnerstadt aus, wo derzeit keine Herrenmannschaft am Spielbetrieb teilnimmt. Dafür ist aber die von Joachim Ortner trainierte A-Jugend in die Landesliga aufgestiegen. Am Samstag steht um 17 Uhr in heimischer Halle das erste Spiel gegen den HC Sulzbach-Rosenberg an, mit dem man noch eine Rechnung offen hat. In der Quali-Runde gab man in der Schlussphase einen Vier-Tore-Vorsprung aus der Hand und verlor 18:20. Da kein Spieler die Altersgrenze überschritten hat, kann Joachim Ortner auf seinen eingespielten Kader setzen. Als weiterer Torwart hat sich Dominik Heid dem Team angeschlossen. "Wir müssen erst mal in der Liga ankommen und werden uns anfangs schwer tun, aber von der Qualität her können wir sicher mithalten", ist Joachim Ortner von seinen Jungs überzeugt. Die sind froh, dass es nach der sechswöchigen Vorbereitung endlich losgeht. "Ich hoffe, dass wir Glück haben und von Verletzungen verschont bleiben", so Ortner, dem nur elf Spieler zur Verfügung stehen.