Peter Deller lebt für den Handball, liebt die Emotionen, das Tempo dieses Sports. Der 53-Jährige findet aber auch da klare Worte, wo diese angebracht sind. Und das ist in Münnerstadt der Fall. Im kleinen Lauerstädtchen hat der Handball-Sport eine große Geschichte - die aktuell zu verblassen droht. Der reanimierten Herren-Mannschaft ging schnell wieder die Luft aus, und nun wird auch das Damen-Team aufgelöst nach einer "unterirdischen" Saison in der Bezirksklasse. "Bei den Herren war es in vielen Fällen Lustlosigkeit, die zum Rückzug führte. Bei den Damen haben einige Spielerinnen wegen Beruf oder Studium aufgehört", nennt Deller Gründe. Zumindest im Jugendbereich ist der TSV Münnerstadt gut aufgestellt, mit erfolgreichen A- und B-Junioren. Peter Deller ist Stützpunkttrainer des Bayerischen Handball-Verbandes. Es muss schmerzen, wenn im eigenen Verein keine Perspektiven für den Nachwuchs auftauchen. Der ambitionierte Drittligist HSC Bad Neustadt freut sich gewiss über jedes heimatlose Talent, das vielleicht eines Tages an der Türe klopfen wird. Auch andernorts werden junge Spieler mit Kusshand genommen.

Für Peter Deller durchaus ein sinnvoller Weg, damit der Handball-Sport im Landkreis eine Zukunft hat. "Schön wäre es, wenn die Vereine in den Landkreisen Bad Kissingen und Bad Neustadt in Zukunft etwas mehr aufeinander zugehen würden. Man sollte mal über seinen Tellerrand schauen, das bringt sicherlich Vorteile." Andere Regionen bündeln bereits erfolgreich Kräfte, gerade im Würzburger Bereich mit Marktsteft/Rödelsse oder der TG Würzburg. Peter Deller ist auch Realist, weiß zu genau, dass die moderne Arbeitswelt Mobilität zur Grundvoraussetzung hat. Was fehlt, sind aber auch qualifizierte Übungsleiter mit positiver Neugierde. "Es wäre ratsam, wenn sich Trainer oder auch Spieler mal bei einem Stützpunkttraining sehen lassen würden, um die eine oder andere Anregung mit in die Vereine zu nehmen."

Ähnlich sieht es Christiane Oeding, die gemeinsam mit Nicole Schröter den Handball im TV/DJK Hammelburg managt. "Viele wollen einfach nur Handball spielen. Was im Hintergrund alles abläuft, damit es läuft, interessiert die wenigsten. Die Bereitschaft, für den Verein etwas zu tun, lässt nach. Deswegen haben wir auch immer wieder das Problem, Trainer zu bekommen." Die in die Bezirksliga abgestiegenen Damen suchen jedenfalls händeringend nach Verstärkungen, da auch hier Spielerinnen berufsbedingt kürzer treten. Für die kommende Saison hat der TV/DJK immerhin sieben Mannschaften gemeldet sowie eine D-, E- und F-Jugend, die in Turnierform spielt. "Der Nachwuchs ist da, aber es fehlen uns hier noch drei Trainer", sagt Oeding.

Ganz sicher wieder ein Herren- und Damenteam meldet der FC Bad Brückenau. Um den Aufstieg in die Bezirksoberliga wollte das Herren-Team mitspielen, verletzungsbedingt reichte es aber nur zu einem Mittelfeldplatz. "Was bei uns klappt, ist die Integration junger Spieler", erzählt Stefan Richter. Der FC-Vorsitzende bemängelt allerdings auch mitunter "mangelnde Motivation, weshalb sich die Mannschaft mit Platz sechs unter Wert verkauft hat". Aushängeschild wird in der neuen Runde daher das Damenteam sein nach dem souveränen Aufstieg in die Bezirksoberliga.

"Die Nachwuchsprobleme und fehlende Trainer machen sich seit Jahren bemerkbar, dementsprechend fehlen Mannschaften im Jugendbereich. Durch fehlenden Konkurrenzkampf findet keine nachhaltige Entwicklung der Spieler statt. Und ohne hochklassige Spiele fehlen die Zuschauer", fasst Richter die Crux zusammen.
Demografische Probleme will Helmut Renner von der DJK Nüdlingen dagegen nur bedingt geltend machen. "Letztendlich liegt es an den Vereinen selbst, das richtige Konzept anzubieten und umzusetzen. Hier spielt natürlich auch die Hallenkapazität eine Rolle. Nüdlingen bietet mit der Schlossberghalle eine sehr gute Grundlage für einen ausgezeichneten Handballsport", findet Renner.

Dass Handball im Landkreis eine Chance hat, beweist die SG Garitz/Nüdlingen in der Bayernliga. Da tut es auch nichts zur Sache, dass die SG-Damen aufgrund personeller Probleme keine gute Rückrunde spielten, den Klassenerhalt aber doch sicher schafften. Bis zu 300 Fans kamen in die Schlossberghalle zu den Auftritten der Spielgemeinschaft. "Die Zuschauer haben honoriert, dass bei uns ehrlicher Handballsport geboten wird", sagt mit Holger Jordan der SG-Trainer, der den Willen und großen Zusammenhalt in der Mannschaft betont. Sowie die gute Mischung aus sehr jungen Spielern, hauptsächlich Eigengewächse, und Spielern aus der Region. Personelle Veränderungen für die neue Saison kündigt der Trainer an, "jedoch wird der Kern bestehen bleiben. Die Weiterentwicklung der Mannschaft wird das Hauptziel sein".

Holger Jordan betont ebenfalls ein Konzept als notwendige Basis des Erfolges. "Wenn etwas richtig angepackt wird und einige Rädchen ineinander greifen, ist praktisch überall etwas möglich. Vor allem, wenn man auf Sponsoren bauen kann wie wir. Ohne die wäre Bayernliga-Handball bei uns nämlich nicht möglich."