FC 05 Schweinfurt - TSV 1860 München II.
"Wir wollen ein bisschen Champions-League-Atmosphäre haben", sagt Gerd Klaus schmunzelnd, wenn er auf die beinahe nachtschlafende Spielzeit angesprochen wird. Um Halbneun geht's los gegen den TSV 1860 München II, Viertelelf wird es sein, wenn die Partie abgepfiffen wird. Dass dann ein Erfolgserlebnis stehen sollte, das weiß der Trainer des FC 05 auch. "Die Jungs brauchen das jetzt." Puh, da haben sich die Schweinfurter niemand Geringeren ausgesucht für den zweiten Saisonsieg als eine der spielstärksten Mannschaften der Regionalliga Bayern.
Dass die kleinen Löwen eine überragende Talentschmiede sind, haben sie nicht erst bewiesen, seit Julian Weigl, der vor zwei Jahren noch im U-23-Team stand, erst mit gerade 19 Jahren den Sprung in den eigenen Profikader und nun in die Stammelf von Borussia Dortmund geschafft hat. Doch gerade ob der ungebrochen immensen Qualität der Münchner sucht Klaus das Schweinfurter Seelenheil im Spiel nach vorn: "Da dürfen wir nicht zu tief stehen", verspricht er keine Kopie der schottischen Taktik gegen Deutschland. "Wir müssen Vollgas gehen, die Entscheidung eher als zuletzt suchen, mit mehr Mumm. Gegen Illertissen beispielsweise waren wir zu früh mit dem kleinen Erfolg zufrieden." Also vielleicht nicht gerade Alles oder Nichts, aber doch eine gehörige Portion Risiko dürfen die Schweinfurter Zuschauer von ihrer Mannschaft erwarten.
Einer, der antreiben und gleichzeitig den Aufbau der Sechziger schon in deren Hälfte stören soll, ist Florian Wenninger. Der Neuzugang aus Bamberg ist ein Wühler vor dem Herrn: antrittsschnell, keinen Zweikampf scheuend, robust und doch flink, den Gegner zu Fehlern provozierend, vor allem aber auch mit dem nötigen Auge, erkämpfte Bälle zielgerichtet zu verarbeiten. Dass für ihn im sechsten Spiel bereits die fünfte Gelbe und damit eine Sperre zu Buche stand, ist die Kehrseite der körperbetonten Gangart. "Das hatte ich auch noch nie", schmunzelt der 25-Jährige, der einst in Nördlingen das Kicken gelernt hatte, bis 2009 vier Jahre beim 1. FC Nürnberg (bis zur U23) war, anschließend beim FC Ingolstadt und von dort in die Dritte Liga zu Preußen Münster wechseln sollte, ehe ihn eine Sprunggelenks-OP lahm legte. So ging's zur Eintracht nach Bamberg, wo der Student der Wirtschaftspsychologie auch noch wohnt.
Wirtschaftspsychologie? Das sind doch die, die erklären können, warum Musik und Duft in einem Supermarkt das Kaufverhalten fördert. Lässt sich da auch was für den Sport mitnehmen? "Mit Niederlagen besser umgehen können und die Nervosität gering halten", nennt Wenninger zwei Dinge, die ihm das Studium ("auf dem auch meine Priorität liegt") mitgegeben hat. Auf dem Platz war es ihm zuletzt gemeinsam mit Christopher Kracun gelungen, das Bayreuther Edel-Mittelfeld Böhnlein/ Schmitt zu neutralisieren - sogar ein kleines Übergewicht in der Schaltzentrale zu erspielen. "So lange wir auf den Außen noch nicht optimal besetzt sind, habe ich ganz gern zwei Spieler etwas weiter vorn", will Trainer Klaus offenbar am Abrücken von der etatmäßigen Doppel-Sechs festhalten. "Ich fühle mich weiter vorn auch wohl", sagt Wenninger. "Und die Gefahr für Gelbe Karten ist auch ein bisschen kleiner."
So bleibt Michael Krämer ("ich bin ganz glücklich damit, wenn ich neben mir Platz und vor mir zwei starke Leute habe") vorerst der einzige Abräumer vor der Viererkette, in der wiederum die Rückkehr von Johannes Bechmann am letzten Freitag für bereits spürbar mehr Stabilität gesorgt hatte.


Alle Mann an Bord

Überhaupt sind alle wieder da. Mit Manuel Müller (Rot-Sperre abgelaufen) ist der letzte zuletzt absente Spieler zurück im Kader, so dass Klaus die Qual der Wahl hat - und sich für die Startformation von Bayreuth entscheiden will. Mit Tom Jäckl und Marino Müller hat er auf der Bank zwei Alternativen, die beim 2:2 nach ihrer Einwechslung gefielen. "Es sieht gut aus", versprüht Klaus dezent Optimismus: "Wir müssen versuchen, zu punkten."
Und bittet dennoch für den Fall, dass es nicht hinhaut, vorab um noch ein bisschen Geduld. "Wenn wir weiter ruhig an dem Weg der letzten beiden Spiele arbeiten, dann kommen zwangsläufig Siege, auch wenn es noch zwei Wochen dauern sollte." Fürwahr: Es sieht danach aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der FC 05 den Bock umstößt - nur allzu lang darf es eben auch nicht dauern, um nicht gegen die dann anstehenden Aufgaben auf deutlich mehr Augenhöhe unnötig unter großen Druck zu geraten.