HSV Bergtheim- SG Garitz/Nüdlingen 31:25 (14:13).
An den Fans hatte es nicht gelegen, dass es im Unterfranken-Derby nicht gereicht hat für eine Überraschung. 400 Zuschauer waren in die Willi-Sauer-Halle gepilgert, darunter etwa 50 Handball-Freunde, die für die Spielgemeinschaft die Daumen drückten. Und nicht nur das. Mit viel Stimme, Trommeln und anderem Lärm-Werkzeug wurde der Aufsteiger vorbildlich unterstützt.
Ganz nah am Spielfeldrand sitzt man in Bergtheim, was die Atmosphäre noch ein Stück prickelnder machte. Allein das Ergebnis passte nicht aus Gäste-Sicht. "Unsere Fans waren wirklich top. Und es war wichtig, dass wir nie aufgesteckt haben", bilanzierte später SG-Trainer Harun Tucovic. Tabellenführer ist der HSV Bergtheim, der so gerne in die 3. Liga aufsteigen möchte. Aber leicht wurde es dem Primus nicht gemacht in den 60 unterhaltsamen Minuten. Klar, die HSV-Spielerinnen besitzen eine extrem hohe Qualität. Mit einem Premium-Mix aus Schnelligkeit, taktischer Variabilität und konsequentem Abschluss sowie einer starken Physis. Trotzdem sah sich der Spitzenreiter gefordert.

Früher Torfrau-Wechsel

"Lisa Wenzke war nur schwer in den Griff zu bekommen. Und 13 Gegentreffer bis zur Pause waren eindeutig zu viel. Es hatte gedauert, bis sich unsere Abwehr nach einigen Zwangs-Umstellungen gefunden hatte", sagte HSV-Trainer Stephan Dinkel über die erste Halbzeit. Blitzsauberes Pass- und Kombinationsspiel boten die Gastgeber vom ersten Anwurf weg, sodass sich SG-Torfrau Pia Kunzmann zu oft allein gelassen fühlen musste. Beim 6:9-Rückstand wurde Steffi Piske zwischen die Pfosten beordert, die mit starken Aktionen einen beeindruckenden Zwischenspurt unterstützte, unter anderem einen Siebenmeter parierte. Beim 12:12 war erstmals der Gleichstand geschafft, und es hätte bis zur Pause auch mehr sein können als ein knapper Rückstand.
Die beiden Schiedsrichterinnen konnten allerdings das hohe Niveau der Begegnung nicht halten und entschieden bei 50:50-Aktionen konsequent zu Bergtheimer Gunsten. Was nach dem Wechsel zum entscheidenden Nachteil für die Spielgemeinschaft werden sollte. Über 17:16 zogen die Bergtheimer bis zur 45. Minute auf 24:17 davon. Mit einer bemerkenswert hohen Abschluss-Quote.

Strafe als Knackpunkt

"Die Zweiminuten-Strafe gegen Lisa Wenzke war für mich der Knackpunkt. Da sind die Bergtheimerinnen mit vier Toren am Stück entscheidend davongezogen", analysierte Tucovic, der als finalen Rettungsversuch mehr Risiko ging und offensiver decken ließ mit zwei vorgezogenen Spielerinnen. "Wir wollten den Gegner zu Fehlern zwingen, das ist leider nicht aufgegangen", konstatierte der SG-Trainer, auch wenn die letzten Aktionen zur Ergebnis-Kosmetik beitrugen.
"Ich hatte von meinem Team Kampf bis um Schluss gefordert, und das haben meine Spielerinnen gezeigt", wollte HSV-Coach Dinkel auch Grund-Tugenden des Handballs betont wissen, während sein Kollege bereits wieder nach vorne schaute. "Wir haben gezeigt, auch gegen so einen starken Gegner bestehen zu können. Jetzt gilt es, bis zur Winterpause möglichst viele Punkte zu holen." Die nächste Gelegenheit besteht am Samstag im Aufsteiger-Duell mit der SG Dietmannsried/Altusried. Dann braucht es in der Schlossberghalle den nächsten Trommelwirbel.
Tore für die SG: Lisa Wenzke (7/3), Sabrina Kleinhenz (5/1), Frenzy Geis (5), Carolin Annon (2), Anne Früh (2), Ronja Schwalbe (2/1), Julia Albert (1), Anna Zimmer (1).