Philipp Müller, der die Pressekonferenz nach dem 2:0-(0:0)-Sieg des TSV Aubstadt im Bayernliga-Derby gegen den TSV Großbardorf leitete, ist Mitte 20 und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. "So alt ich bin, habe ich noch nie einen Heimsieg von Aubstadt gegen Großbardorf gesehen. Ich denke, es wurde mal Zeit." Man hörte nicht nur bei ihm den Stein plumpsen. Und als auch noch Gäste-Trainer Dominik Schönhöfer von einem "letztlich verdienten Sieg" sprach, war die Welt in Aubstadt endgültig in Ordnung.
Vielleicht wäre aus dem unter dem Strich torarmen Spiel ein offenerer Schlagabtausch geworden, wenn es gleich in der ersten Spielminute bei den Gästen eingeschlagen hätte. Max Schebak, der besonders in der zweiten Halbzeit Mords Betrieb in der gegnerischen Hälfte machte, brachte von der Torauslinie aus den Ball an Tormann Julian Schneider vorbei. Zu überraschend allerdings für Daniel Leicht, diesen im leeren Tor unterzubringen.

Eine lange Abtastphase

Nach diesem heftigen Auftakt folgte eine gefühlte halbe Stunde des Sortierens, Zuordnens, des Ablegens angestauter Nervosität beim einen oder anderen. Und man lotete den sehr guten Schiedsrichter Mario Hofmann aus, was der zu- und mit sich machen ließe. Pech für die Gäste, als Pascal Stahl nach einer Tändelei mit Ballverlust von Daniel Leicht und Daniel Werner unverhofft in Ballbesitz kam und sein Distanzschuss an der Latten-Oberkante landete. Großbardorfs Spiel wies bis zur Halbzeit die bessere Struktur und Ordnung auf. "Wir hatten größte Probleme im Spielaufbau, haben nichts von dem, was wir die Woche trainiert haben, umgesetzt", sah es Aub stadts Trainer Josef Francic. "Bei vielen Bällen haben wir zu riskant gespielt und uns in die Bredouille gebracht."

Was sich vom Anpfiff zur zweiten Halbzeit an total änderte, stimmte ihn dann schon viel zufriedener, während Großbardorfs Dominik Schönhöfer nicht gefiel, "was wir da noch entgegenzusetzen hatten." Die Gastgeber zeigten nun eine ganz andere Körpersprache, ein ganz anderes Selbstbewusstsein, mehr Mut und höhere Risikobereitschaft als im ersten Abschnitt. Und sie wurden schneller belohnt, als ihnen - zu diesem Zeitpunkt jedenfalls - zugestanden hätte. Nach einer schönen Kombination über Max Schebak und Julian Grell fand dieser den viel zu offen gedeckten Daniel Leicht. Der legte sich den Ball zuerst auf seine linke Klebe zurecht und hatte das Glück, dass sein Schuss durch ein Verteidigerbein zu einer bogenartigen Flugbahn umgelenkt wurde und Torwart Julian Schneider keine Chance ließ.

Kompakte Defensive

Sollte das der Startschuss zum Schlagabtausch gewesen sein? Er war es nicht. Auch die Gäste wussten und mussten es erleben, dass man in Aubstadt gegen diese kompakte Abwehr nur sehr schwer einen Rückstand aufholen kann. Ein bisschen Aufbäumen war es, das aber weit genug vom Strafraum weg zu Ballverlusten führte. Dagegen traten die Gastgeber die Flucht nach vorne an. Und sie erzielten das entscheidende 2:0 aus einer Standardsituation heraus. Martin Thomann, gute zehn Minuten vorher eingewechselt und nicht unbedingt der Kopfballspezialist, traf nach einem Rützel-Freistoß ins lange Eck. Das Verwalten des Vorsprungs wurde nun noch leichter und der Sieg bekam wirklich verdiente Züge. "Wir hatten die erste Halbzeit meiner Meinung nach klar im Griff. Aufgrund der zweiten Hälfte geht der Sieg für Aubstadt schon in Ordnung. Im Moment laufen die Dinge, die in der Hinrunde für uns gelaufen sind, gegen uns", bilanzierte Großbardorfs Simon Snaschel. In der Tat, nach den jüngsten Misserfolgen spricht bei den Galliern erst mal niemand mehr von der Regionalliga.

Aubstadt Roth - Hümmer, Werner, Benkenstein, Köttler - Trunk, Leicht - Noack (72. Thomann), Schebak (86. Wachmer), Rützel - Grell (90. Schirber).

Großbardorf Schneider - Orf, Kirchner, Hölderle, Zang (75. Snaschel) - Piecha - Leicht, Stahl (70. Katzenberger), Zehe, Rieß (85. Kaufmann), - Mantlik.

Tore 1:0 Daniel Leicht (62.), 2:0 Martin Thomann (86.).

Zuschauer 1013.