HSC Bad Neustadt-Rhön - SG LVB Leipzig 27:27 (15:17).
Nach vier Heimniederlagen in Serie stoppte der HSC Bad Neustadt-Rhön in der 3. Liga Ost durch das 27:27 (15:17) gegen die SG LVB Leipzig diesen Negativtrend. Der anvisierte Sieg in eigener Halle sprang dennoch nicht heraus. Das Unentschieden löste in beiden Lagern nicht die ganz große Freude aus. "Es wäre für uns mehr möglich gewesen", erklärten Margots Valkovskis und sein Kollege Nils Kühr in der Pressekonferenz unisono. In der Tat hatten beide Kontrahenten den Sieg vor Augen, doch viele Eigenfehler im entscheidenden Moment machten einen Strich durch die Rechnung.
Die Gastgeber ließen ihre Fans erst einmal länger auf der Tribüne stehen. Diese mussten geschlagene sechs Minuten warten, bis sie sich nach dem Anschlusstreffer von Vilim Leskovec zum 1:2 setzen durften. Der Gast kam wesentlich besser in Tritt und nutzte weitere Schwächen der Gastgeber zum 4:1 (7.). In den nächsten Minuten warfen dann die Messestädter die Bälle leichtfertig, gerieten bei einer Zeitstrafe gegen Rechtsaußen Georg Eulitz in Unterzahl und kassierten so binnen zwei Minuten den Ausgleich.
Leskovec, der in der ersten Halbzeit sein Team mit seinen Treffern im Spiel hielt, Franziskus Gerr sowie Jan Wicklein ließen die HSC-Fans auf eine zügige Wende hoffen. Falsch gedacht. Nach zwei technischen Fehlern enteilte der Gast, der im Spielaufbau von den klugen Zuspielen des 18-jährigen Jonas Hönicke profitierte, auf 7:5. Die Hausherren kämpften sich immer wieder zurück, doch der erhoffte Führungstreffer gelang nicht - immer wieder Fang- und Schrittfehler.
So richtig prekär wurde die Lage der Rot-Weißen nach 20 Minuten, als Jan Wicklein eine Zeitstrafe kassierte. In Überzahl bauten die Kühr-Schützlinge den Vorsprung bis zur 23. Minute erstmals auf vier Treffer aus (14:10). In Unterzahl verkürzten die HSC'ler nach Treffern von Gary Hines und Falk Kolodziej und marschierten so nur noch mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine.
Aus der kamen die Gäste besser heraus, nutzten eine Überzahl-Situation (Zeitstrafe für Leskovec) konsequent und legten sich wieder mit vier Treffern (20:16) ein Polster zu. Das spielerische Niveau ließ schon in dieser Phase zu wünschen übrig. Ballverluste auf beiden Seiten ließen das Geschehen im Zehn-Sekunden-Takt zwischen beiden Kreisen hin und her wiegen. Dem besseren Ende schienen die SG'ler entgegenzustreben, der in dieser Phase auf Rechtsaußen agierende Sebastian Naumann nutzte Deckungslücken der Einheimischen ganz clever. Beim Stand von 19:23 versuchte es Margots Valkovskis, der auf einen eigenen Einsatz verzichtete, mit einem Torhüterwechsel. "Das war ein Glücksgriff", freute er sich später. Mit Fabian Tatzel und dessen Reflexen bekam der Gegner zunehmend Schwierigkeiten. Leipzig führte in der 43. Minute mit 25:21. Danach brach dessen Offensive geradezu zusammen, es gelangen in den verbleibenden 17 Minuten nur noch zwei Treffer. Die Hausherren nutzten dagegen einigermaßen ihre Chancen, verkürzten binnen zwei Minuten durch Leskovec und einen Doppelpack von Jan Wicklein auf 24:25 und erzwangen so eine Auszeit auf der Gegenseite. Diese zeigte nicht die erhoffte Wirkung, das Nervenkostüm der Gäste war sichtlich strapaziert. So knallte der bis dahin vom Punkt aus sichere Jonas Hönicke das Leder zunächst an die Latte, den Nachwurf setzte er an den Pfosten. Drei Minuten später versuchte er sich beim Stand von 25:26 bei derselben Übung - diesmal scheiterte er am HSC-Goalie. Die letzten zehn Minuten waren in Sachen Angriffsspiel für beide Teams eine Art Offenbarungseid. Nach dem Ausgleichstreffer zum 26:26 durch Konstantin Singwald fielen in den restlichen neun Minuten nur noch zwei Tore.
Dies lag aber weniger an guten Abwehrreihen, sondern an der katastrophalen Chancenverwertung. So brachte ein übermütiger Wurf von Naumann Hines in Ballbesitz, der sich dann einen Schrittfehler erlaubte. Zwei Minuten vor Schluss und nach langer Torflaute brachte Kolodziej die Hausherren erstmals in Führung, doch 60 Sekunden vor dem Abpfiff sorgte Hönicke für den Ausgleich, als er in Zeitnot einen Freiwurf aus der Drehung an der perplexen HSC-Deckung vorbei ins lange Eck setzte.
"Ob ich mit diesem Punkt zufrieden bin oder nicht, weiß ich eigentlich nicht", zog HSC-Trainer Margots Valkovskis ein Fazit. "Zufrieden kann ich sein, weil wir lange in Rückstand, manchmal recht deutlich, lagen und uns trotzdem wieder zurückgekämpft haben. Unzufrieden bin ich, weil wir unsere Führung in der letzten Minute nicht verteidigt haben. Mit der Einwechslung von Fabian Tatzel ist noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft, deren Moral weiter stimmt, gegangen. Die Frage, wie unser Personal in der Zukunft aussieht, möchte ich ganz knapp so beantworten: Wir werden weiter auf junge Kräfte setzen, Leipzig ist uns insofern ein Vorbild."
Tore für den HSC: Vilim Leskovec (8), Jan Wicklein (6), Falk Kolodziej (5/1), Gary Hines (4), Maximilian Schmitt (2), Konstantin Singwald (1), Franziskus Gerr (1).