FC 05 Schweinfurt - SpVgg Unterhaching 1:1 (0:1). Tore: 0:1 Sascha Bigalke (42.), 1:1 Johannes Bechmann (90.+2).
Überflieger Johannes Bechmann: Wie einer dieser tollkühnen Raketenmänner aus den alten Schwarz-Weiß-Filmen katapultiert sich der 28-jährige Innenverteidiger in die Waagrechte, segelt mit bester Körperspannung in diese allerletzte Flanke und trifft den Ball millimetergenau mit dem Kopf - drin ist er. Ausgleich, Abpfiff, Jubel. Gerade noch so eben sichert sich der FC 05 Schweinfurt mit diesem spektakulären Treffer in der Nachspielzeit das Unentschieden gegen die SpVgg Unterhaching. Es ist nur ein Punkt, aber ein Punkt, der die Mannschaft von Trainer Gerd Klaus erstmals seit Monaten auf einen Nichtabstiegsplatz klettern lässt - freilich gleichauf mit beiden Relegationrängen und nur zwei Punkte vor dem Tabellenende.


Echte Qualität

"Das war für die Moral noch wichtiger als für die Tabelle", bewertete Klaus insbesondere die psychologische Komponente des späten Unentschiedens. "Überhaupt ist es die Moral, die diese Mannschaft auszeichnet. Wir sind vom Kader her nicht top, aber das Innenleben stimmt. Selbst gegen Profimannschaften, die viel öfter trainieren können, geht uns nicht der Saft aus." Dass diese nimmermüden 05er in den Schlussminuten verloren geglaubte Spiele retten, sei also keine Momentaufnahme, vielmehr eine echte Qualität. Eine Qualität, wie sie im Abstiegskampf wichtiger sein kann, als spielerische Finesse.
"Nie aufzugeben ist eine Grundvoraussetzung. Gerade heute, auf diesem Platz, der dich zwingt, mit langen Bällen hinten raus zu spielen", bestätigte Bechmann, der Held des Tages, diesen Eindruck. "Der Einsatz muss stimmen bis zum Schluss. Und das haben wir heute wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt." Dass der saugende, bei jedem Schritt doppelt Kraft kostende Untergrund dem physischen Spiel der Schweinfurter dabei mehr entgegen gekommen war, als den leichtfüßigeren Technikern aus dem Münchner Umland, wusste Bechmann natürlich auch.


Mit Offensivdrang

Nächste Woche das schwere Ding bei den nicht mehr wiederzuerkennenden Augsburgern - da sollte um jeden Preis Zählbares her gegen Unterhaching. Drittliga-Absteiger hin, Titel-Mitfavorit her, da hatte der bis dato Rückrunden-Zweite aus Schweinfurt nur bedingt Respekt. Und so sah das dann auch aus auf dem Platz. Forsch suchte der FC 05 eine zeitige Entscheidung, Steffen Krautschneiders Vollspann-Abnahme hätte auch ums Haar gepasst (8.). Auch Tom Jäckels Versuch aus dritter Reihe senkte sich gefährlich (23.). Ansonsten rannten sich die Schweinfurter aber mehr und mehr fest in der geschickt gestaffelten, deutlich vor dem Strafraum abschirmenden SpVgg-Defensive.
Da war's ganz gut, dass sich auch die 05-Abwehr um das Innenverteidiger-Pärchen Bechmann/Kracun konzentriert präsentierte. Lediglich Sascha Bigalke, der lange wegen eines Kreuzbandrisses pausierende Ex-Profi vom FC Köln, sorgte immer wieder mal für Unruhe. Und für den Schockmoment für die Gastgeber: Als nach einem unglücklich aus einem Pressschlag zurückspringenden Abpraller 05-Keeper Julian Schneider einen Tick zu spät heraus kam, sauste Bigalke dazwischen und spitzelte den Ball gewieft mit dem Außenrist zum 0:1 ins Netz (42.). "Da hast du das Geschehen über weite Strecken unter Kontrolle und bekommst so ein Ding", grantelte Bechmann - auch wenn's der einzige Grund war, abgesehen von der fünften Gelben Karte für Marco Janz (in Augsburg gesperrt) wegen zu hastiger Einwechslung in der Schlussminute.


Kaum Chancen

Keine Frage, das 0:1-Missgeschick wollten die Nullfünfer reparieren. Engagiert kamen sie aus der Kabine, doch mehr als Halbchancen (Jäckel zu überrascht/62., Krautschneider per Freistoß/76.) sprangen nicht heraus aus dem wackeren Mühen. Gefährlicher gar der Gast: Nach einem Konter über links zwang Vitalij Lux mit einem raffinierten Drehschuss aus 25 Metern Schneider zu einer Glanzparade (86.). Doch dann diese zweite Minute der Nachspielzeit: Krautschneider schnibbelt den Ball ein letztes Mal in den Sechzehner, schier zu weit, dann segelt einen halben Meter über der aufgewühlten Grasnarbe Bechmann heran - 1:1.
/>Grenzenloser Jubel bei den Fans und auch bei Bechmann: "Beim Fußball geht's halt um Tore, umso schöner, dass ich heute eines gemacht habe." Holla, und was für eines mit den Kopf. "Mit dem Kopf habe ich in meiner Karriere mehr gemacht, als mit dem Fuß", war der eher fürs Toreverhindern angestellte Innenverteidiger zu Scherzen aufgelegt. Geht da jetzt auch was bei den Augsburgern? "Jedes Spiel ist 50:50." mib
Schweinfurt: Schneider - Messingschlager (90. Janz), Kracun, Bechmann, Lunz - Krämer - Feser (70. Wenninger), Fery, Krautschneider - Jäckel, Kraus (62. Mr. Müller).