Luxus stört. Auf Komfort verzichtet Andreas Pfister gerne. Beim Autofahren. Der Obersfelder ist Motorsportler. Und wer schnell sein will, darf nicht zu viel wiegen. Eine Art Schleichweg führt von Gauaschach kommend ins beschauliche Obersfeld im Landkreis Main-Spessart. Auf den ersten Blick wirkt das Autohaus Pfister wie ein normales Familien-Unternehmen. Verwaltungsgebäude, Werkstatt, Autos. Beinahe versteckt stehen am Grundstücks-Rand zwei Rennwagen sowie ein LKW mit zahlreichen Motorsport-Logos. Der eigentliche Hingucker ist aufgebockt in der Werkstatt: der Seat Leon. 300 PS, Frontantrieb, Direktschaltung-Getriebe am Lenkrad. "Dieses Modell ist bereits als Rennauto inklusive Überroll-Bügel gebaut und kostet etwa 60 000 bis 80 000 Euro", verrät der Fahrer.

In diesem Boliden wurde Andreas Pfister in seinem Premieren-Jahr Zweiter der Tourenwagen-Europameisterschaft. Jeweils zwei Rennen wurden dafür in Italien (Monza und Imola), der Slowakei (Slowakia-Ring) sowie Österreich (Salzburg-Ring) gefahren gegen internationale Konkurrenz. Sogar Fans aus der Region begleiten den 24-Jährigen zu den Rennen. "Starten wir unmittelbar nach einem DTM-Rennen, kann es schon sein, dass wir vor 20 000 Besuchern fahren", erzählt Pfister. Das Rennen in Imola wurde gar live auf Eurosport gesendet. "Danach haben mich sehr viele darauf angesprochen. Das war super Werbung für uns." Medienpräsenz ist wichtig für den Obersfelder. Und weil Klappern zum Geschäft gehört, baut Andreas Pfister an seiner Marke, bezeichnet sich als "der Rennfahrer aus Franken".

Bescheidener werden die Ziele nicht. "Mein Ziel ist die Tourenwagen-Weltmeisterschaft." Erfolge wie der zweite Platz bei der Europameisterschaft helfen, Türen zu öffnen. Bei Sponsoren und Herstellern. BMW, Seat, Honda, Peugeot, Alfa Romeo und Chevrolet heißen die Marken, die sich in der Tourenwagen-Serie besonders engagieren. "Die Hauptkontakte werden an der Strecke geknüpft", weiß Pfister, der trotz der guten Erfahrung mit Seat auf einen Vertrag mit Honda hofft. "Läuft es gut, kann man Geld verdienen. Man kann aber auch drauf legen", erzählt Pfister. Und: "Wir haben den Vorteil, dass wir unser Auto selbst vorbereiten können."
Bis zu 150 000 Euro beträgt ein Budget, mit dem der Tourenwagen-Fahrer seine Saison bestreiten muss. Ohne Sponsoren geht es trotzdem nicht. Auch Preisgelder entlasten den Haushalt. 5000 Euro gab es in der abgelaufenen Saison pro Sieg. Fünf bis sieben Tage ist das Team pro Renn-Wochenende unterwegs. Geschlafen wird direkt an der Strecke - in den Kojen im LKW, wo auch eine Nische für das Catering vorhanden ist. "Kommen Gäste oder Sponsoren, muss man denen auch was bieten."

Fitness spielt eine Rolle. "Es geht um Zehntel-Sekunden, da braucht es Kondition und Konzentration." Vor allem mit Laufen hält sich Andreas Pfister in Form. Spezielles Fahrtraining findet erst auf der jeweiligen Strecke statt, um das richtige Setup für das Rennen zu finden. "Da geht es nur noch um Feinheiten." In Obersfeld wird das Auto vor jedem Rennen komplett auseinandergelegt und vermessen. Verlässlichkeit ist entscheidend in den Sprintrennen, die nicht länger als 30 Minuten dauern. Boxenstopps gibt es nicht. "Man muss von Anfang an gut dabei sein, weshalb der im Qualifying ausgefahrene Startplatz so wichtig ist", weiß der gelernte Automobil-Kaufmann. "Real car, real races" - so lautet das Motto der Tourenwagen-Serie. "Das sind spannende Rennen, mit denen sich die Leute identifizieren", sagt Andreas Pfister und spricht immer wieder vom "Lack-Kontakt" mit der Konkurrenz. Fairer Sport mit harten Bandagen. Darauf fährt Andreas Pfister ab.

Person Die Motorsport-Karriere des Andreas Pfister begann als Neunjähriger beim AMSC Hammelburg. Über den Jugend-Kart-Slalom folgte der Einstieg in den Kartsport. Als 17-Jähriger wechselte der Obers felder in den Tourenwagen-Sport. Weitere Informationen finden sich im Internet auf www.pfister-racing.de oder der Pfister-Racing-Facebook-Site.

Erfolge 2004: Unterfränkischer Kart-Meister; 2007: Vizemeister ADAC-VW-Polo-Cup; 2008: Zweitbester Neueinsteiger bei der Seat-Leon-Supercopa; 2010: Platz eins am Noris-Ring und Platz zwei an der Nürburg-Ring-Nordschleife im Rahmen der Seat-Leon-Supercopa; 2012: Vizeeuropameister bei der Tourenwagen-EM (ETCC).

Team Zum Pfister-Racing-Team gehören neben Andreas Pfister (Fahrer) auch die Mechaniker Kai Denner und Markus Kohl sowie Vater Alois als Teamchef und LKW-Fahrer. Schwester Sonja und Mutter Sigrid kümmern sich um die Organisation und Gäste.

Schutz Zur Ausrüstung des Motorsportlers gehören Renn-Overall, Handschuhe, feuerfeste Unterwäsche und Handschuhe sowie das sogenannte HANS-System: ein Schulterkorsett aus kohlenstofffaserverstärktem Kunstharz, das mit dem Helm des Fahrers verbunden und unter dem Sicherheitsgurt des Rennwagens fixiert ist. Im Auto selbst befindet sich noch eine Löschanlage.

GmbH Im Jahr 2008 wurde die Pfister-Racing-GmbH gegründet, über die der komplette Motorsport finanziell wie organisatorisch abgewickelt wird.

Alternativen Neben dem Rennsport und der Arbeit im Familienbetrieb pflegt Andreas Pfister weitere Aktivitäten rund um den Motorsport. Dazu gehören Fahrsicherheits-Training auf der ADAC-Anlage in Schlüsselfeld, Sportfahrer-Training für Privatpersonen, die auf schnelle Autos stehen. Und sogenannte Taxi-Fahrten, bei denen Interessierte mit Andreas Pfister am Hockenheim-Ring Runden i