Als Brigitte Zecha als junges Mädchen in den Öffentlichen Dienst eingetreten ist, damals direkt nach der mittleren Reife in ihrer Geburtsstadt Mellrichstadt, hielt der Bürgermeister eine Ausbildung für überflüssig: "Die stellen wir zum Schreiben ein, die heiraten ja sowieso, die Frauen." Geheiratet hat die jetzige Justiz-Beschäftigte (früher: Angestellte). Aber sie arbeitet immer noch.

Jetzt überreichte ihr Matthias Göbhardt, der Direktor des Amtsgerichts Bad Kissingen, die Ehrenurkunde des bayerischen Arbeitsministeriums. Für ihn ist Brigitte Zecha "unsere Spitze im Nachlassgericht, eine absolute Fachfrau". Dabei hat sie nie eine Ausbildung durchlaufen. Und außerdem war Justitia nicht immer eine vorbildliche Chefin.

Zur Justiz ist Brigitte Zecha wegen der Bundesbahn gekommen. Sie wohnt in Münnerstadt und arbeitete bis 1989 in Mellrichstadt. Dann wurden die Zugverbindungen immer schlechter, die Fahrten dauerten immer länger. Also hat sie sich "querbeet" in Bad Kissingen und Bad Neustadt beworben.

Vom Amtsgericht hat sie zunächst eine Absage ("kein Bedarf") bekommen und dann, ein Vierteljahr später, einen Anruf: Ob sie noch Interesse habe.


Patzige Klienten

Sie hatte. Dann ging es "ratzfatz". Zunächst bekam sie nur befristete Verträge; über 13 Jahre lang. Das hält Gerichtsdirektor Göbhardt für grenzwertig: "Ganz schlimm, das ist rechtlich doch gar nicht zulässig." Schließlich wurde sie doch auf Dauer übernommen. Ganz ohne die übliche mittlere Beamtenausbildung stand Brigitte Zecha ihren Mann in der Mahnabteilung, im Familien-, Vormundschafts- und Nachlassgericht. Unter 16 Rechtspflegern hat sie bis jetzt gearbeitet und unter nur zwei Direktoren.

Als 1977 Nachlass- und Vormundschaftsabteilung getrennt wurden, habe sie "in den sauren Apfel beißen müssen". Seither war sie auf der Geschäftsstelle des Nachlassgerichts eingesetzt, bereitet die Akten vor und erlebt so manches: "Querulanten gibt es immer mal wieder, aber wir haben sehr viele Normalfälle." Allerdings gibt es auch komplizierte Vorgänge, die sich über 15 bis 20 Jahre hinziehen. Das sind die mit den ganz dicken Akten, "da steckt viel Arbeit dahinter."

Manche Klienten, besonders bei Erbstreitigkeiten, seien schon mal patzig und aufgeregt. Dann sorge der Rechtspfleger schnell für Ruhe: "Streiten können Sie vor meiner Tür."

Außerdem ist es bei der Justiz wie in fast jedem Job: Die Anforderungen werden immer höher, die Arbeit wird immer mehr. Wo vorher drei Beschäftigte waren, müssen jetzt zwei ausreichen. Und die werden auch nicht jünger. Brigitte Zecha: "Die Belastung ist schon sehr groß."

Sie ist gesundheitlich etwas angeschlagen und will nicht sagen, ob sie wirklich bis zum Erreichen der Altersgrenze ausharren kann - oder will. Zumal ihr Mann Norbert inzwischen in die Ruhephase der Altersteilzeit eingetreten hat. Er war übrigens auch beim Amtsgericht tätig.

Als Hobby nennt Brigitte Zecha Garten Blumenpflege, aber auch die Hausarbeit macht sie ganz gerne. Und dann singt die Sopranistin in der Münnerstä der Kantorei einmal in der Woche; und das seit 20 Jahren.

Übrigens: Eigentlich ist Brigitte Zecha schon 41,5 Jahre im Öffentlichen Dienst. Aber die Zeit bis 18 zählt nicht bei Jubiläen im Öffentlichen Dienst.