Es ist fast 40 Jahre her, dass Edith und Albert Graf am Ende des Dorfes einen Garten erhalten und darauf ein Gartenhäuschen gebaut haben. Die Flurbereinigung hatte ihnen das Grundstück zugewiesen. Jetzt haben die Grafs jede Menge Unannehmlichkeiten mit ihrer grünen Idylle. Denn das Haus soll ein Schwarzbau sein, weil es im Außenbereich steht. Damit es künftig keinen Ärger mehr gibt, wird jetzt wegen dieses Grundstücks ein eigener Bebauungsplan "Sondergebiet Schrebergärten" aufgestellt - die Prozedur zieht sich schon seit Monaten hin. Und, wie es aussieht, wird es auch noch weiterhin die Behörden beschäftigen.

Dabei sind die Grafs immer davon ausgegangen, dass ihr Gartenhäuschen ganz rechtmäßig gebaut wurde. Nach der Flurbereinigung hätten sie sich beim Bürgermeister in Münnerstadt informiert. Von der Flurbereinigung habe man sogar den Gartentausch schriftlich, so Edith Graf. Die Grafs dachten, dass damit alles seine Richtigkeit hat. Irgendwie wurde aber damals versäumt, das neue Gärtle samt Haus auch verwaltungsrechtlich auf ordentliche Beine zu stellen. Irgendwann war das aufgefallen, und seitdem beschäftigt das Gartengrundstück die Behörden - Stadt und Landratsamt - und Edith Graf ist sprachlos. Ortssprecher Klaus Schebler betont, dass seit rund zwei Jahren das Thema behandelt wird. "Das ist endlos", meint er. Eigentlich hätte das Gartenhäuschen mittlerweile sogar Bestandsschutz, dürfte also nicht mehr abgerissen werden. Anders verhält es sich mit einem erst vor mehreren Jahren angebrachten Zaun. Der müsste eventuell versetzt oder abgerissen werden. Geblieben wäre die rechtliche Unsicherheit. Die Stadt habe sich deshalb in Absprache mit den Eigentümern entschlossen, das Grundstück auf rechtlich ordentliche Füße zu stellen und und die Ausweisung eines Sondergebietes für Schrebergärten beschlossen.


Oft jahrelang geduldet

Heike Kirchner von der Baubehörde am Landratsamt Bad Kissingen bestätigt das. Oftmals würden solche Bauten halt jahrelang geduldet, und erst wenn jemand Anstoß daran nehme, komme die Sache ins Rollen. Oft sei ein Abbruch die Folge, wenn nicht - wie im Fall von Windheim - eine Bebauungsplanung folgt.

Ganz glücklich scheint Heike Kirchner mit dem Mini-Bebauungsplan für das neue Sondergebiet nicht zu sein. "Die Bauleitplanung ist aber Sache der Stadt". Das Landratsamt hatte vorgeschlagen, zumindest ein weiteres Grundstück in den Bebauungsplan aufzunehmen. Dieser Vorschlag sorgte aber für weitere Komplikationen. Denn das benachbarte Grundstück gehört einem Nebenerwerbslandwirt, dessen landwirtschaftliche Fläche dann so klein würde, dass er um seine Anerkennung als Landwirt fürchten müsste. Deshalb nahm die Stadt das Grundstück wieder heraus. Jetzt gibt es einen Bebauungsplan für nur ein Grundstück. Die Prozedur ist aber die gleiche wie bei einem normalen Wohngebiet.

Ein Planungsbüro musste einen Plan entwerfen. In der Stadtratssitzung am Montag wurden die Träger öffentlicher Belange behandelt. Acht Seiten Stellungnahmen samt städtischer Kommentare und Ergänzungen musste der Stadtrat anhören und darüber abstimmen. Stehen bleiben darf künftig auch ganz offiziell der Wohnwagen, der auf dem Grundstück abgestellt ist - nur als Wohnraum darf er nicht genutzt werden. Auch das steht im neuen Bebauungsplan. Die Finanzierung ist eine andere Sache. Sie koste aber auf jeden Fall den Steuerzahler nichts, so Klaus Schebler.

Dieser am Montag vom Stadtrat abgesegnete Entwurf muss erneut öffentlich ausgelegt werden, damit wieder Stellungnahmen vorgebracht werden können. Danach geht das Werk wieder in den Stadtrat und wird erneut besprochen. Und wenn das endlich erledigt ist, muss die Stadt auch noch ihren Flächennutzungsplan ändern, weil dort das Schrebergartengebiet nicht vorgesehen ist, kündigt Heike Kirchner an. Dann wiederholt sich diese Prozedur ein weiteres Mal.

Windheims Ortssprecher Klaus Schebler ist sich sicher, dass diese Problematik in Windheim kein Einzelfall ist. Er schätzt, dass im Stadtgebiet noch ganz viele Gartenhäuschen im rechtsfreien Raum stehen.