Der Weg zur Sinnberg-Grundschule ist dunkel. Stockdunkel. Es ist kurz vor halb acht Uhr am Morgen, Regen und Nebel erschweren die Sicht. Zahlreiche Autos fahren vorbei. Eine Gefahr, vor allem für Kinder, in der dunklen Jahreszeit übersehen zu werden. Zum Glück trägt die kleine Zoe ihr Sicherheitsdreieck um den Hals. Und das jeden Tag, seit die Sechsjährige im September in die Schule gekommen ist. Ohne würde sie ihre Mutter Petra Tüchert gar nicht aus dem Haus lassen: "Ich will doch, dass sie gesehen wird."

Darum geht es auch den Verkehrserziehern Matthias Kleren und Dietmar Dömling. Gemeinsam mit ihrem Kollegen "Bulli", einem lebensgroßen Polizisten aus Pappe, und bewaffnet mit Gummibärchen, stellten sie sich diese Woche vor Schulbeginn an die Sinnberg-Grundschule, um den Kindern zu zeigen, wie wichtig es für ihre Sicherheit ist, das reflektierende Sicherheitsdreieck auf dem Schulweg zu tragen. An 830 Abc-Schützen aus dem gesamten Landkreis wurden die von der Saale-Zeitung und Sparkasse gesponserten Dreiecke zu Schulbeginn verteilt. Was ist aus den Sicherheitsdreiecken seitdem geworden? "Wir haben einzelne Schulhäuser beobachtet. Die Bereitschaft, das Sicherheitsdreieck zu tragen, hat nachgelassen, obwohl es gerade zu dieser Jahreszeit so wichtig ist", sagt Dömling.

Und es waren nicht wenige Kinder, die das Sicherheitsdreieck nicht um den Hals hatten, die sich überhaupt nicht dafür interessierten. "Das brauche ich nicht", riefen manche Schüler den Polizisten zu. Kleren ahnt auch warum: "Die Dreiecke sind mit dem Image der ersten Klasse behaftet. Für die Zweitklässler sind sie deshalb schon uncool." Das hat auch Klaus Lotter, Schulleiter der Sinnberg-Grundschule beobachtet: "Im Lauf der Zeit lässt es einfach nach. Dabei sind die Dreiecke eine echte Unterstützung und äußerst wichtig."

Immer wieder hielten die Polizisten bei ihrem Besuch die Kinder an, knieten sich zu ihnen herunter, führten ihnen vor, wie unterschiedlich dunkle und helle Kleidung im Straßenverkehr wirkt. "Man sieht dich doch gar nicht", sprach Dömling einem Mädchen ins Gewissen. "Es geht nicht um Coolness, sondern darum, dass du nicht übersehen wirst" , erklärte er einem Jungen mit einer dunklen Jacke und dunklen Mütze. "Willst du über Weihnachten im Krankenhaus liegen?"

Andere Kinder waren dagegen schon von weitem zu sehen, leuchteten in strahlendem Gelb . Sie trugen ihr Sicherheitsdreieck. Für sie gab es Gummibärchen und ein dickes Lob der Polizisten: "Super, dass du dein Dreieck an hast!"

Im Vorfeld besuchten Dömling und Kleren die drei ersten Klassen der Sinnberg-Grundschule im Unterricht. Eine davon ist eine Ganztagsklasse. "Wenn diese Kinder nachmittags die Schule verlassen, ist es auch wieder dunkel", erklärt Dömling. Deshalb sollten vor allem Eltern als Vorbilder fungieren und darauf achten, ihre Kinder mit dem Sicherheitsdreieck und generell mit heller Kleidung auszustatten. Auch Reflektoren, auf dem Schulranzen sind den Polizisten zufolge unabdingbar.

"Mein größer Weihnachtswunsch ist, dass alle Kinder aus allen Klassen das Sicherheitsdreieck tragen", sagt Dömling. Einige sind sie - neben den Gummibärchen - direkt vor der Schule losgeworden. Und auch im Schulhaus wollen sie noch mehrere hinterlegen. Denn wer sichtbar ist, ist sicher im Straßenverkehr. Und das gilt nicht nur für die Kinder.

Tipps:
Kleidung In der dunklen Jahreszeit sind im Straßenverkehr nicht nur die Kinder, sondern generell Fußgänger gefährdet. Polizeihauptkommissar Lothar Manger empfiehlt deshalb reflektierende und helle Bekleidung.

Verhalten An Fußgängerüberwegen gilt laut Manger besondere Vorsicht. "Man sollte immer auf eine Reaktion des Autofahrers warten, bevor man die Straße überquert", rät er.

Sport Fahrradfahrer sollten auf die vorgeschriebene Pflichtbeleuchtung achten. Jogger sollten zudem zusätzlich reflektierende Bänder am Arm- oder Fußgelenk anbringen.