Retter, die zu einem Einsatzort unterwegs sind, stehen unter einer zweifachen Belastung: Einerseits müssen sie so schnell wie möglich ankommen. Andererseits dürfen sie andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden. "Eine Blaulichtfahrt ist immer ein Problem. Man hat Verantwortung für andere", sagt Andreas Beran. Als Verkehrstrainer und Ehrenamtlicher bei der Rotkreuzbereitschaft Bad Kissingen spricht Beran aus Erfahrung.
Der BRK-Bezirksverband Unterfranken schult seine Mitarbeiter seit 2011 flächendeckend im Bereich Fahrsicherheit. In diesem Jahr nehmen auch die ehrenamtlichen Helfer teil. Sie lernen zum Beispiel, wie das Anti-Schleudersystem ESP am Fahrzeug funktioniert. Brems- und Ausweichübungen kommen dazu. Seit April sind regelmäßig Gruppen auf dem Ausbildungsplatz in der Hammelburger Kaserne zu Gast. In der kommenden Woche enden die Lehrgänge.
"Man muss gute Nerven haben und defensiv fahren", sagt Alexander Lukaschek vom Kreisverband Main-Spessart. Auf dem Weg zum Einsatzort müssten die Fehler der anderen Verkehrsteilnehmer einkalkuliert werden. Denn die reagieren immer schlechter, wie die Fahrer der Kranken- und Rettungswagen berichten.
Doch Beran kann es verstehen: "Viele Leute sind überfordert, weil sie gerade auf dem Land selten einem Blaulichtfahrzeug begegnen." Zudem seien die heutigen Autos so gut isoliert, dass die Fahrer das Martinshorn nicht hörten, erklärt der Trainer.
Im seinen Kursen erfahren die Teilnehmer, wie die Rettungsfahrzeuge in extremen Situationen reagieren. Sie müssen zum Beispiel in einer der Übungen den Bremsweg richtig abschätzen: Die Fahrer sollen ihren Wagen vor einer gedachten Linie zwischen zwei Pylonen zum Stehen bringen.
Das Ergebnis war in der ersten Schulungsrunde für viele Teilnehmer überraschend, wie Beran berichtet. Denn dank der Ausstattung der Wagen sei der Bremsweg kürzer ausgefallen, als sie angenommen hatten.