Es war Zufall, dass zwischen den Feuerwehren aus Bad Kissingen und dem schwäbischen Schorndorf eine Partnerschaft entstand. Und wie es der Zufall so will: Diese Freundschaft hält nun schon seit 40 Jahren. Ein dritter Partner ist heute allerdings nicht mehr mit im Boot: der ehemalige Bundesgrenzschutz (BGS), der sich nach der Grenzöffnung zur Bundespolizei gewandelt hat.

Dabei waren es Beamte des BGS, die den Stein der Feuerwehr-Freundschaft ins Rollen brachten, erinnert sich Herbert Röttinger, viele Jahre Kommandant und noch immer ein Chronist der Kissinger Wehr.


Stammtisch-Bekanntschaften

1962 war die Grenzschutzabteilung III/2 in den Standort Oerlenbach eingezogen. Die Männer des BGS integrierten sich recht schnell auch in Bad Kissingen, einige Beamte kamen zum Stammtisch der Polizei in die "Krone". Jenes Lokal, in dem sich auch die Feuerwehr traf. Man knüpfte Kontakte, die sich bei Katastrophenschutz übungen vertieften. Zumal bei einem Fahnenjunkerlehrgang des BGS ein Gewehr in die Saale fiel, das die Kissinger Feuerwehr zu bergen verstand. "An diesem Tag wurde die Kissinger Feuerwehr regelrecht beim BGS integriert", sagte damals der inzwischen gestorbene Polizeihauptkommissar Dieter Wolf.

Beim BGS tat auch Bernd Sterrmann Dienst, der in seiner früheren Heimat Schorndorf der Feuerwehr angehört hatte. Als Schorndorfer Feuerwehrler ein Fußballspiel in Zeil besuchten, nutzten sie die Gelegenheit, bei Sterrmann in Oerlenbach vorbeizuschauen. "Die mitgereisten Frauen wollten aber unbedingt noch Bad Kissingen besuchen, und während die Damen zum Kaffeetrinken gingen, entdeckten die Schorndorfer Wehrmänner das direkt am Salinenparkplatz gelegene Feuerwehrhaus", erinnert sich Röttinger.


Der Zufall spielte mit

Und hier kam der Zufall ins Spiel, in Form einiger Kissinger Wehrmänner, die sich gerade auf ein Bier getroffen hatten. Die Schorndofer sahen die offene Tür, wollten die Kissinger Fahrzeuge sehen - und tranken gleich ein Bierchen mit. Der Beginn einer Freundschaft. "Unter Feuerwehrlern versteht man sich einfach", sagt Röttinger.
Damit war der erste Kontakt geknüpft, und Bernd Sterrmann war es vorbehalten, die Beziehung zu vertiefen. Er schlug seinen ehemaligen Kameraden aus Schorndorf vor, ein Fußballspiel mit den Kissingern auszutragen. So kam es zum ersten offiziellen Besuch am 12. Oktober 1974. Der Gegenbesuch folgte recht schnell.

"Es ist selten, dass eine Freundschaft so lange hält", sagt Röttinger, "aber man hat sich sympathisch gefunden und tut das noch heute." Es folgten weitere Treffs, zum Beispiel bei Feuerwehrfesten. "Wir fahren zum Floriansfest nach Schorndorf und die Schorndorfer kommen zum Kesselfleischessen zu uns", sagt Stadtbrandinspektor Harald Albert. Die jährlichen Generalversammlungen sind ebenfalls Anlass für Besuche, sogar Kontakte mit Bad Kissing ens Partnerstadt Eisenstadt pflegen die Schwaben bereits.

Auch gemeinsame Übungen und Einsätze stehen auf dem Programm. So werden sich die Schorndorfer in diesem Jahr erneut an der Großübung in Wildflecken beteiligen. Wenn die Oldtimer-Abteilung der Schorndorfer Wehr feierte, waren die Kissinger mit ihrem Magirus-Rüstwagen von 1957 zu Gast, bis dieser dem Feuerwehrmuseum im Waldkraiburg überlassen wurde. Ein ehemaliges Bad Kissinger Löschfahrzeug wurde 1981 sogar an die Schorndorfer Wehr verkauft.

Längst trifft man sich auch privat, zum Beispiel zu Geburtstagen. Nur der Bundesgrenzschutz, der viele Jahre mit dabei war, ist nicht mehr mit an Bord. Als die Verbindungsleute des BGS aus dem Dienst schieden, ließen die Kontakte nach, "und als der Bundesgrenzschutz zur Bundespolizei wurde, war es ganz aus", bedauern Röttinger und Albert das langsame Versanden der Kontakte, das aus einem Freundes-Trio inzwischen ein Duo gemacht hat.