"Ich wollte schon seit meiner Konfirmationszeit evangelischer Pfarrer werden. Es ist ein interessanter Beruf, weil man es mit Menschen verschiedener Altersklassen, sozialen Schichten und verschiedenen Glaubensrichtungen zu tun hat." Für den 26-jährigen Michael Babel aus Fürth-Burgfarrnbach geht sein Berufswunsch bald in Erfüllung. Er studiert im 11. Semester an der kirchlichen Augustana-Hochschule im mittelfränkischen Neuendettelsau Evangelische Theologie. In Bad Kissingen durchläuft er in der evangelischen Erlösergemeinde ein Praktikum in der Krankenhaus-Seelsorge.

Die 26-jährige Regina Seybold aus Aspertshofen (Kreis Nürnberger Land) leistet ein komprimiertes Gemeinde- und Krankenhausseelsorge-Praktikum in Bad Bocklet. Sie studiert seit zwei Jahren an der evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen mit dem gleichen Ziel, einmal Pfarrerin zu werden. "Ich hatte erst Lehramt und Theologie im zweiten Fach stu-diert, als mein Professor fragte, ob ich nicht das Berufsziel Pfarramt anstreben wolle. Erst habe ich verneint, doch dann er-kannte ich, dass ich verschiedene Menschen in für sie entscheidenden Lebenssituationen ansprechen kann, zum Beispiel bei Taufen oder Beerdigungen, und in dieser Situation Gottesgegenwart reinsprechen darf", erläuterte sie. Die Seelsorge sei wichtiger Bestandteil auf ihrem Berufsweg. Menschen in schwierigen Situationen Raum zu geben, über sich selbst nachzudenken und sie, wenn sie es wünschen, geistlich zu begleiten, sei Schwerpunkt ihres fünfwöchigen Praktikums in der Kurstadt.

Nach dem Abitur muss man zunächst sechs bis sieben Jahre Theologie studieren. Am Anfang des Studiums sind die Sprachen Altgriechisch, Lateinisch und Hebräisch zu lernen, um an Originaltexten der Bibel wissenschaftlich zu arbeiten. Altgriechisch wird zum Lesen des Neuen Testamentes benötigt, Hebräisch für das Alte Testament und Lateinisch für Kirchengeschichte. Die nächsten Jahre folgt das Studium des Alten und Neuen Testamentes, der Kirchengeschichte, Inhalte des Glaubens und ethische Fragen sowie die Theorie der Pfarrerspraktik. Zwei Praktika werden parallel abgeleistet. Das eine erfolgt in einer Pfarrgemeinde und das zweite an Orten, wo Theologen arbeiten können (zum Beispiel in der Krankenhausseelsorge). Abschluss des Theologiestudiums ist das erste kirchliche Examen. Danach wird man Vikar oder Vikarin. Im Vikariat, es dauert zwei Jahre, kommt man in eine Pfarrgemeinde. Man kann Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konfirmationen abhalten. Ein Gemeindepfarrer leitet den Vikar an. "Hier sammelt man Routine unter Anleitung", erläuterte Babel. Man trifft sich im Predigerseminar in Nürnberg mit allen bayerischen Vikaren eines Jahrgangs zum Erfahrungsaustausch und der praktischen Schulung für den Pfarrberuf.

"Nach der Vikarzeit wird das zweite kirchliche Examen abgeleistet. Anschließend erfolgt die Ordination. Man wird eingesegnet für seine Aufgabe als Pfarrer und bekommt seine erst Pfarrstelle als Pfarrer zur Anstellung in einer eigenen Kirchengemeinde. Man leitet die erste Pfarrstelle in eigener Regie", fügt Regina Seybold hinzu.
Nach zwei bis fünf Jahren auf der ersten Pfarrstelle erfolgt die Versetzung in die zweite und die Festanstellung als evangelischer Pfarrer. "Die Erfahrungen, die wir hier in Bad Kissingen sammeln können, werden uns sicher sehr hilfreich sein", sind beide überzeugt.