In den vergangenen zehn Jahren kaufte und modernisierte der Schweinfurter Schreinermeister Thomas Fries, von der Öffentlichkeit bislang völlig unbemerkt, vier alte Wohn- und Geschäftshäuser in der Weingasse. Insgesamt investierte er über zwei Millionen Euro, wobei der große Anteil seiner handwerklichen Eigenleistung bei der Außen- und Innenrenovierung nicht mitgerechnet ist.

"Ständig wird in der Öffentlichkeit nur über Großinvestoren geredet. Über die anderen Investoren, die mit eigenem Geld zur Verschönerung der Stadt beitragen, wird kaum gesprochen", bedauert Fries. "Unsere Leistung wird in der Öffentlichkeit und in den Medien viel zu wenig anerkannt."

Kapitalanlage

Das Sanieren und Renovieren von Häusern ist schon seit Jahren nicht nur ein Hobby des geschäftstüchtigen Schreinermeisters. Für Thomas Fries ist es auch eine sinnvolle Kapitalanlage an attraktiven Standorten mit zu erwartendem Wertzuwachs. "Wenn im Haus alles neu gemacht ist, kann man es später auch wieder gut verkaufen."

16 Wohnungen in der Kurstadt

Heute gehören dem Schweinfurter insgesamt 63 Mietwohnungen, die er alle selbst verwaltet. In Bad Kissingen sind es 16 Wohnungen und vier Ladengeschäfte in den Häusern Weingasse 7 bis 9. Hatte Fries sich zuvor nur für Häuser in Schweinfurt interessiert, war sein Einstieg in Bad Kissingen eher einem Zufall zu verdanken. "Der Filialleiter einer Bank machte mich vor zehn Jahren auf ein interessantes Kaufobjekt in der Weingasse aufmerksam." Es war das Haus Nummer 8, das als Baudenkmal D-6-72-114-114 aus dem 18. Jahrhundert in der bayerischen Denkmalliste eingetragen ist, und das dahinter stehende Wohnhaus 8a. Im Vorderhaus ist einer der beiden Geschäftsräume an einen italienischen Spezialitätenhändler vermietet, im anderen, aus früheren Jahrzehnten den Kissingern als Gerlachs Bierstube oder U-Boot bekannt, betreibt Fries, der sich selbst als begeisterter Hobby-Koch bezeichnet, seit November sein kleines Burger- und Steak-Restaurant "Tommy's Braterei".

Vor fünf Jahren kaufte er dann als zweites Objekt das sehr sanierungsbedürftige Nachbarhaus Nummer 9, dessen Erdgeschoss an ein Nagelstudio vermietet ist. Nicht nur der günstige Kaufpreis hatte Fries damals gelockt, sondern es ging ihm auch um den kleinen Innenhof an der Weingasse mit seinen Stellplätzen, den sich die angrenzenden Hauseigentümer teilen müssen. Fries: "Wer hier mehr besitzt, hat auch ein größeres Nutzungsrecht." Fehlende Stellplätze für seine Ladenbesitzer waren schließlich auch vor zwei Jahren der entscheidende Grund zum Kauf des Hauses Nummer 7. "Eigentlich interessierte mich nur der Parkplatz an der Bachstraße hinter dem Haus", erzählt Fries. Doch zum Parkplatz gehörte das Wohn- und Geschäftshaus mit dem OPC-Shop im Erdgeschoss. "Da habe ich einfach das Haus gleich mit gekauft", schmunzelt er verschmitzt. Der ungehinderte Zugang auf den Parkplatz als vorgeschriebener Notausgang aus der Küche seiner "Braterei" war ein weiterer Vorteil. "Sonst hätte ich mit dem damaligen Eigentümer ein Sondernutzungsrecht vereinbaren müssen."

Sanierung schreckt ihn nicht

Die bevorstehende Kanalsanierung in der Altstadt konnten den Investor trotz der für die Anrainer anfallenden Kosten nicht vom Häuserkauf abschrecken. "Ich bin darauf vorbereitet." Im denkmalgeschützten Haus 8 passte er gleich bei der Sanierung seinen zu tief liegenden Hausanschluss an das 70 Zentimeter höhere Niveau des geplanten Straßenkanals an. Ein Wiederverkauf seiner vier Häuser wird für ihn in den nächsten Jahren kein Thema sein. Im Gegenteil: Seit Jahresanfang hat der Schweinfurter "aus Liebe zu Bad Kissingen" auch seinen Erstwohnsitz in die Weingasse verlegt. Der 61-Jährige hat die Kurstadt längst als Alterssitz schätzen gelernt. So sieht er auch die Modernisierung seiner vier Häuser in der Weingasse als persönlichen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der Fußgängerzone und damit der Altstadt.