So viel Besuch haben Hans und Eileen Pfülb selten. Rund 90 Männer und Frauen kamen auf ihren Bauernhof. Schnell merkten die Gäste, dass das Ehepaar mit Herzblut bei der Sache ist. Sich vor Ort über regionale, ökologisch erzeugte Lebensmittel zu informieren, das ermöglichte der Bund Naturschutz den Interessierten.
"Bereits seit 1991 betreiben wir unseren Hof nach den Richtlinien von Naturland", erzählte Hans Pfülb. Vorher hat sein Vater den Betrieb in der Schweinfurter Straße im Nebenerwerb bewirtschaftet. Liebe zu Lebensmitteln allein reicht nicht. In den bunten Salatköpfen, in den Reihen von Fenchel, Gurken und Tomaten steckt viel Arbeit. "Der Sellerie muss bis zur Ernte fünf Mal geharkt werden", gab der Landwirt ein Beispiel. Lauf enten alleine können die Schnecken nicht abwehren. Die neu eingesetzte Mulchschicht fördert nicht nur das Gedeihen der Regenwürmer.

70 Hektar Anbaufläche

Die Pfülbs bewirtschaften insgesamt 70 Hektar. Auf zehn Hektar wächst Rotklee zur Saatgutvermehrung, auf 2,5 Hektar werden Kartoffeln gepflanzt und auf einem Hektar Gemüse. Auf den übrigen Feldern ist Bio-Getreide.
Es grünt und gedeiht prächtig auf dem Naturlandhof. Grüne, rote, glatte und krause Salatköpfe wechseln sich ab und geben ein schönes Muster. Kohlrabi reckt sich dem Besucher einladend entgegen. In zwei Gewächshäusern werden Tomaten, Zucchini und Gurken gezogen, wohlbehütet von einer Kleesilage-Mulchschicht.
Da sie keine Tierhaltung und damit keinen Mist als organischen Dünger haben, nutzen sie die Kleesilage, die bei der Samenerzeugung des Rotklees übrig bleibt, als Mulchschicht und Dünger. "Der Verkauf befindet sich in einem kleinen Raum vor der Scheune. Hier ist Selbstbedienung möglich", erläuterte Hans Pfülb. Eine Liste zeigt die Preise der Ware an. Das Geld wird in eine Kasse gelegt. Auf einer Tafel an der Scheune steht, was gerade reif ist und erworben werden kann.
Wer es ganz frisch haben möchte beziehungsweise die Landwirte nicht antrifft, geht durch die alte Scheune und die Streuobstwiese, auf der Laufenten und Schafe sind, direkt auf das nahe gelegene Feld. Messer stecken griffbereit am Anfang der Gemüsereihen.

Tipps für Hobbygärtner

Auch für den Hobbygärtner gab es Tipps. "Möhren wollen wenig gedüngten Boden. Da ist auch die kleinste Gabe Kompost zuviel", empfiehlt der Landwirt eine Fruchtfolge. Bei den Pfülbs kommen zuerst an stark zehrenden Pflanzen Rotklee, Wicken, dann Weizen, Kartoffeln bis zu Schwachzehrern wie Möhren. Mehltau ist oft das Problem von zuviel Stickstoffdüngung.
Auch im ökologischen Landbau ist die Klimaaerwärmung spürbar geworden, hat der Öko-Bauer festgestellt. Zwiebelfliege und Erdflohwanze machen sich bemerkbar. "Ohne Abdeckung geht da gar nichts mehr", macht Pfülb deutlich. Aber anders als in größeren Gemüseintensivbetrieben gibt es dank der Marienkäfer kaum Probleme mit Läusen.
Hauptabnehmer der Pfülbs ist eine Klinik in Bad Kissingen (Heiligenfeld). Zudem verkaufen sie ihre Waren auf den Bauernmärkten in Hammelburg und Bad Kissingen, direkt auf dem Hof sowie über Abokisten in Bad Kissingen. "Manchmal holt auch schon einer seinen Salat sonntags kurz vor dem Mittagessen", freut sich Pfülb.
Der Landwirt appelliert an die Verbraucher, wieder mehr saisonal einzukaufen. "Bei uns wächst ab September kein Kopfsalat mehr. Der EU-Bio-Blumenkohl schmeckt nicht so herzhaft wie der von meinem Acker", betont er. Die EU-Richtlinien für Bioware sind weniger streng als bei den Verbänden Demeter, Bioland und Naturland, die bestimmte Hybride nicht erlauben. Die Zahl der Züchter nimmt ab, die Monopole großer Konzerne wachsen. "Wir versuchen möglichst samenfeste Sorten zu verwenden und diese auch selbst zu vermehren", erläuterte Pfülb.
Stolz ist Eileen auf ihre Entdeckung einer Pflanze bei den Schlangengurken, aus denen sie eine neue Sorte entwickelte. Diese wird nun von einer Saatgutfirma zur Vermehrung gebracht. Eileen darf sich auch den Namen der von ihr gezüchteten Sorte aussuchen. Die Besucher waren beeindruckt und griffen beherzt zum Messer, um sich mit Salat und Kohlrabi einzudecken.
Wer Fragen zu Naturland und zum Einkauf ab Hof hat, kann sich direkt an die Familie Pfülb in der Schweinfurter Straße 34 wenden: Tel.: 09732/ 7260.