Unter Wanderern findet man die unterschiedlichsten Leute. Die meisten sind am liebsten allein oder in kleinen Gruppen unterwegs. Natürlich kommt es da auf Kondition an, und natürlich auf die Zeit, die zur Verfügung steht. Wer abends schon wieder anderweitig Termine hat, der sollte sich einen kurzen Weg aussuchen - obwohl auch der lang werden kann.

Wanderer, denen ein ganzer Tag zur Verfügung steht , kommen gerne an den großen Parkplatz Moordorf am Roten Moor und starten hier zur gleichnamigen Extratour. Das Besucherzentrum des hessischen Naturschutzbundes mit Gastwirtschaft zieht ein großes Publikum an, das sich hier über Moor-Ökologie, Klimaschutz und die Rhön im Allgemeinen informiert. Auch Kindern wird es bestimmt nicht langweilig. Manchmal kommt sogar eine Pferdekutsche vorbei. Die Dauerausstellung mit interaktiven Elementen bietet zeitgemäßes Infotainment. Eigentlich ist das Besucherzentrum einen eigenen Ausflug mit Abstecher ins Moor wert.

Wer sich jedoch auf die mehr als 18 Kilometer lange Extratour Rotes Moor macht (Logo: Rotes R auf weißem Grund), der sollte nicht bummeln und gleich am Anfang zu lange verweilen. Bereits nach wenigen Metern - jenseits der Straße - bestaunen die Besucher den Namensgeber des Rundweges. Zunächst erreicht man den See. Der des Roten Moores ist einer der wenigen, die es in der Rhön gibt.

Schöne "Guckfenster"

Da das Gewässer - wie das ganze Areal - streng geschützt ist, ist die Uferzone als Sperrgebiet ausgewiesen. Aber selbstredend gibt es dennoch viel zu sehen. Und zwar von einigen schönen "Guckfenstern" aus. Nach der Passage am See vorbei, beginnt dann der etwa 1,2 Kilometer lange Bohlenpfad durch Randregionen des Roten Moores, der laut Hinweistafeln auch für Gehbehinderte geeignet ist. Immer wieder wird auf diesem von Karpatenbirken gesäumten Lehrweg auf die Besonderheiten und die Geschichte des Ortes hingewiesen.

Das eigentliche Rest-Moorgebiet, die Folgen des früheren massiven Torfabbaus und die gelungenen Reanimations-Maßnahmen bewundert man dann am besten von einem grob gezimmerten Aussichtsturm am Rande des Moores. Von hier oben aus öffnet sich dem Blick noch einmal der große See, und über diesen hinaus auch das Panorama jenseits des Schutzgebietes mit Heidelstein und Sendemast. Auch hier wird man über das Rote Moor, seine Schutzbedürftigkeit und die Chancen für die Weiterentwicklung des wertvollen Biotops informiert.

Aber weiter: Für den R-Wanderer ist es am Aussichtsturm noch viel zu früh zum Rasten, schließlich hat er noch einiges vor sich: Nach dem Abschied vom Moor neigt sich etwa einen Kilometer weiter der düstere Waldweg nach Westen bergab in Richtung Gersfeld. Die Kaskadenschlucht ist zwar keine Schlucht im eigentlichen Sinne, aber am Rande des von großen Steinbrocken gesäumten und mit grobem Geröll und toten Ästen beladenen Baches, der hier tatsächlich wild durch den Tann fließt, geht es doch recht deutlich und manchmal sogar schroff in die Tiefe.

Der Boden in diesem rau belassenen Abschnitt ist fast immer feucht, leicht kann man im Matsch ausgleiten. Mit Turnschuhen wird es hier problematisch. Der etwa einen Kilometer lange Abstieg führt nicht bis nach Gersfeld, vielmehr zweigt er an der Zufluss-Stelle eines anderen Gewässers (Feldbach) in spitzem Winkel nach rechts ab. Hier heißt es besonders auf den Weg mit den roten Symbolen zu achten!.Durch beinahe märchenhaft wirkende Areale mit kleinen Brücken und überraschenden Wegwindungen geht es von dieser Senke aus auf Wurzelpisten wieder hinauf, nicht steil, aber stetig. Wenn sich der Wald dann nach etwa einer halben Stunde lichtet, ist man froh, wieder freies Gelände mit kleinen Gehöften und Weidewiesen vor sich zu haben und kann beim etwa zwei Kilometer langen Marsch am Feldberg (815 Meter) vorbei den Blick zurück genießen: in Richtung Dammersfeld und Eierhauckberg - sowie bei weiterem Anstieg dann auch auf die westlich gelegene Wasserkuppe. Hier oben in der flacheren Region gibt es mehrere Bänkchen mit Tisch, ein ausgezeichnetes Pausen-Angebot. Die Wasserkuppe, der höchste Punkt der Rhön und Hessens (950 Meter), beherrscht in etwa zwei Kilometer Entfernung den Horizont.

Weiter verläuft die Route auf der Höhe in Richtung Bundesstraße 284 (Ecke Straße Wasserkuppe/Abtsroda), an der der R-Weg zum Glück nur kurz entlang führt, um dann ab Parkplatz Moorwiese (nicht verwechseln mit Parkplatz Moordorf!) in eine Region zu münden, die gekennzeichnet ist durch kleine buckelig-gewundene Wiesenpfade und leicht hängige steinige Weidewiesen mit vereinzelten alten mehrstämmigen Buchen. Hier zeigt sich die Rhön von einer fast lieblichen Seite, die Steigungen sind sanft und der Landschaftseindruck ist weniger kantig als an anderer Stelle. Dieser idyllische Tour-Abschnitt windet sich langsam aber sicher zum wenigen bekannten Mathesberg (832 Meter) mit seinen Kuppen hinauf und dann hinüber zum im Osten gelegenen Ottilienstein (846 Meter). Die feuchten und zum Teil grob-steinigen Feldrainwege zwischen den Weidezäunen sind eine - gewollte - Herausforderung, und geben einen Eindruck davon, wie Rhönwiesen ohne umfangreiche Steinlese nun einmal aussehen.

Mehrere Quellen

Der weitere Waldweg durchquert das alte hessische Naturschutzgebiet Kesselrain. Hier entspringen mehrere Quellen, unter anderem die Ulster, immerhin der größte Fluss in der Rhön (57 Kilometer). Wenn sich dann der Wald öffnet, ist schon der Schornhecken-Parkplatz nahe der Hochrhönstraße (Abzweigung Ehrenberg/Wüstensachsen) zu sehen. Von hier aus sind es nur noch drei Kilometer zum Start- und Endpunkt der R-Tour, wobei der Heidelstein mit seinem Mast und das Ehrenmal des Rhönklubs noch einmal beeindruckende Akzente setzen und zum Verschnaufen einladen. Zurück am Parkplatz Moordorf merkt man dann schon, was man sich und seinem Körper in den letzten sechs bis sieben Stunden zugemutet hat.

Kurzes Fazit: Wer sich für vor allem für Moore interessiert, der muss nicht weit marschieren: Er sollte am Roten und einige Kilometer entfernten Schwarzen Moor (das nicht am R-Weg gelegen ist) Station machen. Für Wanderer aber bietet die ziemlich lange R-Tour jede Menge Abwechslung bei insgesamt 470 Meter Höhenunterschied - was für eine relativ lange Strecke nicht besonders viel ist. Der Tourengänger sollte nicht nur Zeit, sondern auch eine Karte für die Zentralrhön, Vesperbrot und Getränk sowie vor allem ordentliche Schuhe dabeihaben. Körperliche Fitness sollte schon gegeben sein.

Am Abend wird man eine abwechslungsreiche Wanderung durch sehr unterschiedliche Landschaftsformen genossen haben.