Hausen - Zur Erinnerung an den 70. Jahrestag seiner Bischofsweihe und den 60. Jahrestag der Kardinalsweihe von Hausens berühmtesten Sohn Julius Döpfner (1913-1976) wird es am Samstag, 13. Oktober, eine Gedenkfeier im Klosterhof mit Gottesdienst in der Klosterkirche geben. Zu diesem Anlass wird seit Tagen in Hausens Pfarrheim eine neue Foto-Ausstellung vorbereitet.

Mit alten Fotos aus eigenem Archiv und Leihgaben von Privatpersonen, mit unzähligen Zeitungsausschnitten, Kopien und Texttafeln ist der große Tisch im Pfarrheim bedeckt, an dem Hans Georg Keßler, Gabi Müller und Werner Martin seit Tagen arbeiten. "Sicher schon 20 Stunden" hat jeder von ihnen eingebracht, um aus dem vielfältigen Material über Kardinal Döpfner das zum Anlass Passende herauszusuchen. "Er war ein Theologe, der wirklich etwas zu sagen wusste", erinnert Keßler, der in seinen Jugendjahren Döpfner noch persönlich kennenlernen durfte, voller Verehrung an den Geistlichen. "Er war 1958 der jüngste Kardinal der katholischen Weltkirche."

Im August 1948 ernannte Papst Pius XII. Julius Döpfner zum Bischof von Würzburg und am 14. Oktober erhielt der damals erst 35-Jährige im Würzburger Neumünster als jüngster seines Standes in ganz Europa seine Weihe. Zu Döpfners wichtigsten Aufgaben gehörte zunächst der Wiederaufbau der Kirchen in dem damals zerstörten Würzburg. Über seine Bistumsgrenzen bekannt wurde der junge Bischof erstmals im Juni 1953 durch seine Weigerung, die neue Zuckerfabrik im mehrheitlich katholischen Ochsenfurt gemeinsam mit dem evangelischen Dekan Würzburgs zu segnen. Erst in der Folgezeit setzte sich Döpfner für die Ökumene ein. Nicht ohne Grund sagte deshalb der protestantische Landesbischof Hermann Dietzfelbinger später einmal über seinen katholischen Amtsbruder: "Döpfner war ein Mann der Kirche, von dem wir lernen können, wie die getrennten christlichen Kirchen bereit sind, unter dem einen Herrn um das glaubwürdige Christuszeugnis zu wetteifern."

Nach nur neun Jahren in Würzburg wurde Döpfner im Januar 1957 von Papst Pius XII. zum Bischof der von den Sowjets eingeschlossenen, aber noch mauerlosen Stadt Berlin ernannt. Die katholische Kirche brauchte in der vom Kommunismus bedrohten Diaspora-Diözese eine Persönlichkeit mit starkem Charakter und Durchsetzungswillen. Wohl auch deshalb folgte schon am 15. Dezember 1958 die Erhebung des inzwischen 45-Jährigen zum Kardinal.

"Unsere Schautafeln zeigen Momentaufnahmen aus Döpfners kirchlicher Laufbahn", erklärt Hans Georg Keßler die gemeinsame Bastelei für die Ausstellung. Da wird ausgeschnitten, geordnet, formatiert und geklebt, bis alles am richtigen Platz und der nächste der zehn Wechselrahmen gut gefüllt ist. Zwischen den Fotos findet man Zitate aus Döpfners Predigten und Hirtenbriefen, die nicht nur den Charakter des Kardinals anschaulich zeigen, sondern dem Ausstellungsbesucher auch verdeutlichen sollen, was Döpfner von den Gläubigen einforderte: "Wer nur auf das eigene Seelenheil bedacht ist, hat die Liebe des Gekreuzigten nicht begriffen."

Mit der Gedenkfeier am 13. Oktober soll dieses bedeutenden Theologen gedacht werden, der vor 105 Jahren in Hausen als Sohn des Hausmeisters Julius Matthias Döpfner und dessen Ehefrau Maria in eine fast mittellose Rhönbauern-Familie hineingeboren wurde und in entsprechend einfachen Verhältnissen aufwuchs. Doch gegen Ende seines theologischen Wirkens war Döpfner zu einer der prägendsten Personen der katholischen Kirche geworden, von dem Bernhard Vogel als Präsident des Zentralkomitees der Katholiken nach Döpfners Tod sagte: "Wir werden erst später begreifen, was wir mit ihm verloren haben."

Programm der Döpfner-Gedenkfeier am Samstag, 13. Oktober:

ab 13 Uhr: Öffnung des Döpfner-Museums in Hausen, Ausstellung der neu gestalteten Schautafeln im Klosterhof, Film-Präsentation in der Klosterkirche

16 Uhr: Gedenkgottesdienst mit Pfarrvikar Michael Schmitt

ab 17.15 Uhr: Geselliges Beisammensein im Klosterhof mit Imbiss und Getränken