Missernte und Futtermangel durch wochenlange Trockenheit, 320-Millionen-Zuschuss für die Landwirte. Trotz dieser Schlagworte lief die Mais-Lieferung an der Biogas-Anlage in Bad Bocklet zuletzt auf Hochtouren.

Ein Schlepper nach dem anderen lieferte tonnenweise gehäckselten Mais ab. "Aber die Ernte fällt heuer um ein Drittel niedriger aus, als wir für den Betrieb unserer Anlage brauchen", weiß Jochen Then, Landwirt in Burglauer und Sprecher des Anlagenbetreibers MR Energie Bad Bocklet.

Schlimmer als 2013

"35 Tonnen Mais braucht die Anlage pro Tag", erzählte Mitgesellschafter Manfred Hofmann, während er wieder eine Probe aus einem Hänger voller Maishäcksel zur späteren Bestimmung des Trockenmassegehalts entnahm. Die mehr als 12 000 Tonnen pro Jahr müssen die Gesellschafter auf nur 300 Hektar der für Biogas-Mais reservierten Flächen ihrer insgesamt 2000 Hektar erwirtschaften. "Die vergangenen zwei Jahre waren super", vergleicht Then. Aber heuer ist es noch schlimmer als im trockenen Jahr 2013. "Damals kam die Dürre erst im September, da waren die Maiskolben voll entwickelt." Das ist entscheidend, denn 60 Prozent der Energie kommt aus den Körnern.

In diesem Jahr gab es schon ab Juli kein Wasser mehr, weshalb die Maiskolben gar nicht oder nur mangelhaft entwickelt sind. Das hat zur Folge, dass nicht nur die Ernte um ein Drittel geringer ausfällt, sondern auch deren Energiegehalt weitaus niedriger ist. Then: "Momentan liegt der Zuckerwert durchschnittlich bei zwölf Prozent, sollte aber unter drei sein. Der Stärkeanteil sollte über 30 Prozent sein, liegt aber nur bei 20." Doch nur die Stärke ist im Silo speicherbar. Aus ihr werden die fünf Millionen Kilowattstunden gewonnen, mit der ein Drittel des Strombedarfs der Marktgemeinde abgedeckt wird, sowie die drei Millionen Kilowattstunden an Wärme zur Beheizung des Kurzentrums sowie einiger Gewerbe- und Wohnimmobilien in Bad Bocklet.

Als "Glück im Unglück" nennt Jochen Then allerdings die Tatsache, dass im vorigen Jahr wegen des feuchten Herbstes statt Weizen diesmal mehr Mais zur Vorratshaltung angebaut wurde. Trotzdem muss für den Betrieb der Biogas-Anlage Futtergetreide zugekauft werden. "Das fehlende Drittel schaffen wir heuer nicht, denn der Markt hat sich komplett gedreht", ist Landwirt Edgar Thomas in Nüdlingen überzeugt. Denn statt ab September füttern manche Milchbauern schon seit Anfang August aus ihrem Wintervorrat zu, weiß der Kreisvorsitzende des bayerischen Bauernverbandes aus dem Mitgliederkreis. "Vereinzelt haben Milchviehbetriebe sogar ihren Viehbestand wegen Futtermangels verkleinert."

Doch wie ist dann der Zukauf der Biogas-Anlagen zu rechtfertigen, wenn anderenorts das Futter für das Vieh nicht reicht? Die Frage ist falsch, widerspricht Thomas. "Das Futter kommt bei uns immer zuerst", versichert der Verbandsfunktionär. Auch Biogas-Sprecher Then bestätigt: "Viehbetriebe haben bei uns immer Vorrang. Wir Bauern sitzen doch alle im selben Boot." Dennoch wird der Bockleter Biogas-Anlage sogar von manchen Milchviehbetrieben mit übermäßigem Vorrat Futtergetreide zum Kauf angeboten. Dann lässt Then allerdings erst einmal in der Region herumfragen, ob woanders Futter benötigt wird. "Nur der Überschuss wird bei uns zu Energie."