Dieser Besuch hat sich gelohnt. Darin sind sich alle einig. "Wir haben uns und die Rhön toll vermarktet, und die Herzen der Menschen erreicht", fasst Kathrin Wimmer zusammen. Seit April ist die 33-Jährige die Tourismusmanagerin im Markt Oberelsbach. In den vergangenen Wochen hat sie den Auftritt der sechs Rhöner Genussorte Oberelsbach, Ostheim vor der Rhön, Fladungen, Bischofsheim an der Rhön, Wartmannsroth und Hammelburg beim diesjährigen Bayerischen Genussfestival vorbereitet und organisiert. Unterstützt wurde sie dabei von der Rhön GmbH. Somit stand es außer Frage, dass Kathrin Wimmer auch selbst dabei ist, wenn sich die Bürgermeister, Tourismusverantwortliche und Produzenten mit ihren Spezialitäten in der Landeshauptstadt präsentieren.

Am Wochenende war es soweit: Von Freitagmittag bis Sonntagabend war Pavillon Nummer 5 auf dem Münchner Odeonsplatz fest in Rhöner Hand. Probierhappen aus Fladunger Holzofenbrot, belegt mit Ostheimer Leberkäs', Oberelsbacher Rhönlammwurst und Rhönlammknackern sowie Hammelburger Dätscher standen bereit - und fanden reißenden Absatz. Da gerieten die Winzer von der Vereinigung Fränkisches Gewächs, mit denen sich die Rhöner den Pavillon teilten, fast schon ein wenig ins Hintertreffen. "Vor allem am Samstag und Sonntag kamen die Leute und fragten nach: Wo ist er denn, der Ostheimer Leberkäs'?", erzählt Kathrin Wimmer, die an allen drei Tagen vor Ort am Stand war. Es hatte sich anscheinend rumgesprochen, dass sich ein Besuch bei den Genussorten aus der Rhön lohnt. "Viele Exilrhöner haben uns besucht, aber auch Leute, denen wir erklären mussten, wo die Rhön liegt und was sie ausmacht", fügt sie hinzu.

"Es sind die Weite, die Freundlichkeit und das Essen, die die Rhön so besonders machen", ist Irene Firnkäs überzeugt. Sie bummelt am Freitagnachmittag mit ihrem Mann Georg durch München. Die beiden wohnen in Pfaffenhofen, sind zufällig auf das Genussfestival und die Rhöner Genussorte gestoßen. In der Rhön, da kennen sie sich aus. "Wir waren schon dreimal dort, haben Urlaub gemacht", verraten sie. Wasserkuppe, Kreuzberg, Rhönschafe, Kegelspiel, Tann, Fladungen und die Silberdistel - all das kennen sie und geraten regelrecht ins Schwärmen. "Mir haben besonders die wunderbaren Radelwege und der Hochrhöner gefallen", erzählt Georg Firnkäs, der auch oft dienstlich in den Rhöner Museen war. Beherzt greifen die beiden bei den Kostproben zu, die Eva Kalla, Hauswirtschaftsmeisterin und 2. Bürgermeisterin Fladungens, soeben reicht. "Ich liebe Lammwurst", schwärmt Irene Firnkäs.

Wenige Stunden später geht es Michaela Kaniber ganz ähnlich. Die bayerische Landwirtschaftsministerin dreht nach der Eröffnung des Genussfestivals ihre obligatorische Runde durch das Weindorf auf dem Odeonsplatz. Ihre erste Station ist der Stand der Rhöner, wo sie vom Ginolfser Schäfer Josef Kolb begrüßt wird. Er hat ein Tablett voll Kostproben dabei - der Ministerin schmecken sie vorzüglich.

Voll Freude erzählt sie von ihrer Begeisterung für Schafe und für Schafprodukte, die sie ihren kroatischen Wurzeln verdankt. Schließlich ergreift Tourismusfachmann Gerhard Nägler (Bischofsheim) die Chance und überreicht ihr eine Flasche Kreuzbergbier. Zum Probieren am Stand gibt es das leider nicht, ebenso wie die Wartmannsrother Edelbrände. Das hatten die Münchner Organisatoren des Genussfestivals so verfügt. "Schade, dass wir unser Bier nicht ausschenken durften", bedauert Nägler. Dennoch zeigt er sich positiv überrascht vom Erfolg. "Ich freue mich, dass unsere Rhöner Produkte so gut angenommen werden." Sätze wie: Der Leberkäs' ist echt lecker, aber so ganz anders als wir ihn kennen, fallen oft. Sehr zur Freude von Friedhelm Ortlepp, dem Metzgermeister aus Ostheim. "Da sind ja auch noch echte Leber und Schweinefleisch drinnen. Und, es ist kein Diätprodukt", erklärt er nicht nur den interessierten Besuchern am Stand, sondern auch auf der Showbühne am Samstagnachmittag.

Gut 90 Minuten haben die Rhöner Zeit, um übers Mikrofon auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Zeit, die wirklich gut angelegt war, findet Organisatorin Kathrin Wimmer. Charmant habe Armin Warmuth, der Bürgermeister Hammelburgs, durchs Programm geführt und mit Metzgermeister Ortlepp, mit dem Braumeister vom Kloster Kreuzberg und Winzerin Ulrike Lange vom Weingut Schloss Saaleck aus Hammelburg geplaudert. Zudem stellten Bürgermeister Georg Seiffert (Bischofsheim), die Bürgermeisterinnen Birgit Erb (Oberelsbach) und Eva Kalla (Fladungen) sowie die Ostheimer Touristikerin Susanne Orf ihre Genussorte und deren Besonderheiten vor.

Gesund und genussvoll

"Die Leute waren wirklich sehr interessiert", fasst Kathrin Wimmer ihre Eindrücke vom Wochenende zusammen. "Vor allem eine gesunde und genussvolle Ernährung ist den Münchnern wichtig", fügt sie hinzu. "Egal wie alt sie sind." Christian Schmid bestätigt das. Am Freitagabend ist er mit seiner Familie ganz gezielt zum Odeonsplatz aufgebrochen. "Genussfestival, das klingt gut. Das hat uns neugierig gemacht", erklärt er. So bleibt es schließlich nicht aus, dass sein dreijähriger Sohn auch die Rhöner Wurst probieren will. Mit großen Augen und etwas skeptisch beäugt der Junge das erste Stück, verlangt aber schnell nach mehr. "Es war das erste Mal überhaupt, dass er Wurst gegessen hat", zeigt sich sein Vater überrascht. Die Rhöner hingegen schmunzeln. Schließlich wissen sie, wie lecker ihre Wurst schmeckt.

"In München präsent zu sein, das hat sich für die Genussorte aus der Rhön wirklich gelohnt", zieht Kathrin Wimmer Bilanz. Die mitgereisten Produzenten und die Mitstreiter am Stand - Gerhard Nägler (Bischofsheim), Andrea Suckfüll (Naturpark & Biosphärenreservat Rhön), Susanne Orf (Ostheim), Eva Kalla und Ulrike Weydringer (beide Fladungen) sowie Kathrin Kupka-Hahn (von der Rhön GmbH) - bestätigen das. Nun sei es wichtig, die Zusammenarbeit der sechs Genussorte über die Landkreisgrenzen hinaus, fortzusetzen, sind sich alle einig. Vielleicht gelingt es ja, ein eigenes, Rhöner Genussfestival auf die Beine stellen. Kathrin Kupka-Hahn