"Von wegen Wegwerfgesellschaft", meint Theodor Hein angesichts der langen Schlage, die geduldig ansteht, um sich in eine Liste einzutragen. "Mit einem solchen Andrang haben wir nicht gerechnet", meint der Vorsitzende der Nüdlinger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz und zeigt auf den Parkplatz vor dem DJK Heim, an dem kein freies Plätzchen zu finden ist. Auch zum zweiten "Reparaturtreff" haben sich die Nüdlinger Naturschützer Fachleute aus dem Repair Café Schweinfurt eingeladen, die den Besuchern helfen, ihre mitgebrachten Herzensstücke, die zu schade zum Wegwerfen sind, zu reparieren.
Damit das Ganze nicht so sehr in Arbeit ausartet, gibt es neben guten Tipps der Experten auch eine reichhaltige Kuchenauswahl zum Kaffee. So wird die Wartezeit verkürzt und das Vereinslokal zu einem Treffpunkt Gleichgesinnter, für die Schonung von Ressourcen, Energieeinsparung und Reduzierung von CO 2 -Emissionen wichtig sind. Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene, das war auch die Idee des "Hilfe-zur-Selbsthilfe-Konzepts" der Holländerin Martine Postma, die als Erfinderin der inzwischen Europaweit verbreiteten Repair Cafés gilt.


Erfolgserlebnis

Hannelore Rundell, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe des BN, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nach einer dreiviertel Stunde hatte sie schon 29 Reparaturzettel ausgefüllt: "Das sind jetzt schon mehr als beim letzten Mal", strahlt sie: "Es freut uns, dass die Idee so gut ankommt." Nähmaschine, Schwingschleifer und Pendeluhr, Küchengeräte, Handtuchhalter und Wetterstation hat sie auf den Laufzetteln vermerkt, die eine Erklärung enthalten, dass keine Gewährleistung auf die Reparaturen gegeben werden kann.
Karl Müller aus Nüdlingen hat eine Dampfbügelstation mitgebracht. Das Markengerät ist erst drei Jahre alt, aber es tritt kein Dampf mehr aus. Georg Pfennig vom Repair Café Schweinfurt ist einer der beiden Experten, die in Nüdlingen die Reparaturaufträge bearbeiten. Ehrenamtlich, gegen eine Spende für einen guten Zweck, versteht sich, sagt der gelernte Maschinenbauingenieur und Goldschmied, der das Reparieren zu seinem Hobby gemacht hat. Auch an die Dampfbügelstation traut er sich, schließt schon mal einen Defekt am Bügeleisen aus. "Es liegt an der Zuleitung aus der Station, die keinen Druck aufbaut. Das müsste zu finden sein", meint der Pensionär, der von der Idee des Repair Café überzeugt ist. "Das passt in die Philosophie des Naturschutzes", versichert der Pensionär aus Oberwerrn.


Guter Rat umsonst

Arnold Kaufmann aus Oberthulba kommt mit einem Drucker. "Statt zu drucken blinkt er nur." Obwohl Patronen und Papier drin sind, verweigert das Teil den Dienst. Peter Lehmann, Maschinenbauingenieur im Ruhestand mit Faible für Elektronik, zieht die Stirn in Falten. "Die Gebrauchsanleitung wäre hilfreich", meint er. Nicht alles kann sofort repariert werden, vertröstet der den Ratlosen. Mal braucht es einfach mehr Zeit, dann muss ein Ersatzteil besorgt werden. Manchmal hilft auch schon ein Expertenrat.


Echte Raritäten

Auch echte Raritäten sind diesmal dabei, die den Experten besonderen Spaß machen, wenn sie entdecken, dass die Musiktruhe nur eine neue Steckverbindung braucht und auch das Tonband aus den 1980er Jahren noch repariert werden kann, wenn sich im Lager der Hersteller-Firma noch eine Spule findet.
Aus dem ganzen Landkreis kommen die Besucher, stellt Hannelore Rundell fest. "Alle tragen ein "Sorgenkindgerät" unter dem Arm oder transportieren einen liebgewonnenen, aber defekten Schatz in der Tasche. Auch Theodor Hein freut sich über jeden Besucher. "Sie alle wertschätzen die Gegenstände, die sie bringen.
"Ein kleiner Schritt hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft", meint der Vorsitzende der Nüdlinger Naturschützer und stimmt mit Hannelore Rundell den nächsten Termin für das Repair Cafe ab: "Das werden wir im März wieder machen", sind sich die beiden Macher des Repair Cafés einig. "Vielleicht finden wir bis dahin auch eigene Reparateure."