Kellers Kollege Vinzent Ott hockt gerade im Trockenen. In der Brunnenstube schraubt er die Flansche am Brunnendeckel ab. Sei Kollege Timo Rolle bedient mit der Fernsteuerung den Kran des Firmen-Lkw, lässt die Kette runter in die Brunenstube, um den rund 100 Kilo schweren Deckel hochzuheben. Am Deckel hängt das 90 Meter lange Rohr. Die Pumpe befindet sich ganz unten.

Neben Ott steht ein CO²-Messgerät. Das Wasser des Sprudels enthält das gefährliche Gas, doch die Konzentration ist nicht hoch. "Alles im grünen Bereich," sagt Ott.

Auch wenn die Pumpe des neuen Luitpoldsprudels nicht defekt gewesen wäre, sie hätte dennoch ausgewechselt werden müssen, betont Reinhold Pfülb von der Staatsbad GmbH. Denn der mit der neuen Heilwasserleitung gebaute Hochbehälter an der Oberen Saline liegt höher, als ursprünglich geplant. Die vier Heilquellen, die dort eingespeist werden, brauchen deshalb stärkere Pumpen.

Während der Runde Brunnen schon während der Sanierung im vergangenen Jahr eine neue Pumpe bekommen hat, war der Schönbornsprudel am vergangenen Montag an der Reihe. Der Der Luitpoldsprudel alt muss dagegen noch ein paar Wochen warten.


Sechs Meter lange Abschnitte


Kellers Mitarbeiter Tino Rolle hat inzwischen den Deckel nach oben gehievt. Der Deckel wird abgeschraubt, das Rohr weiter gezogen. Drei Meter lang sind die zusammengeflanschten Rohrstücke, alle sechs Meter wird ein Abschnitt abgeschraubt. Acht schwere Muttern sind jedes Mal zu lösen.

Es wird bis in den frühen Nachmittag dauern, bis die Mitarbeiter der Bohrfirma das gesamte, 90 Meter lange Rohr gezogen haben. Dann montieren sie die am Ende des Rohres hängende Pumpe ab und die neue dran. Jetzt geht es "im Rückwärtsgang" weiter. Das Rohrende mit der Pumpe wird in die Tiefe hinabgelassen, die restlichen Teile des Rohres wieder Stück für Stück zusammengeschraubt.

Gut, dass der Luitpoldsprudel neu nicht so ein wilder Geselle wie der Runde Brunnen und der Schönbornsprudel ist. Diese beiden Quellen drücken nach oben, auch wenn an ihnen gearbeitet wird. Der Luitpoldsprudel dagegen "ruht". Das macht die Arbeit leichter.


Test der Mikrobiologie


Mit dem Versenken der neuen Pumpe ist es allerdings nicht getan. Die Elektronik, die den Brunnen mit dem Leitstand im Regentenbau verbindet, muss wieder angeschlossen werden. Wenn die neue Pumpe fördert, müssen erst einmal Proben genommen werden. "Erst wenn die Mikrobiologie einwandfrei ist, kann der Luitpoldsprudel neu wieder ans Netz," sagt Reinhold Pfülb. Schließlich handelt es sich bei den Kissinger Quellen um Arzneimittel.

Es kann also noch ein bis zwei Wochen dauern, bis die Quelle wieder genutzt werden kann. Doch im Reservoir lagern noch 400 Kubikmeter des heilsamen Wassers. Und wenn die aufgebraucht sind, dann muss der Vorgänger, der Luitpoldsprudel alt, ein bisschen aushelfen.

Der 1985 erbohrte "Luitpoldsprudel neu" ist die jüngste Bad Kissinger Heilquelle. Eigentlich sollte sie den alten Luitpoldsprudel ersetzen, der schon 1909 ans Netz gegangen war. Weil der alte Luitpoldsprudel sanierungsbedürftig geworden war und diese Sanierung als sehr schwierig angesehen wurde, hatte der Freistaat beschlossen, in 160 Meter Entfernung auf der anderen Saaleseite eine neue Quelle zu erbohren. Doch der Luitpoldsprudel neu ist der alten Quelle zwar ähnlich, hat jedoch einen um 59 Prozent höheren Mineralstoffgehalt und eignet sich wegen des hohen Arsengehaltes nur zum baden, nicht zum trinken. Deshalb entschloss sich der Staat schließlich, den Luitpoldsprudel alt, der sich auch für die Trinkkur eignet, doch noch zu sanieren. Heute werden die beiden Luitpoldsprudel nach Bad Kissingen geleitet und für Heilzwecke genutzt.