Langsam lässt der Gabelstapler seine Last herab, Kurgärtner Holger Paff gibt dem Fahrer Anweisungen: "Noch ein Stückchen nach links, jetzt weiter runter." Rund drei Tonnen hängen an den Armen des Staplers. So viel wiegen die Palme und der Metalltrog, die gerade in einen Holzkübel abgelassen werden.

Diese Metallkübel sind ein Novum. Bisher haben die Kurgärtner die 180 Bad Kissinger Palmen direkt in Holzkübel gepflanzt. Eine letztlich unbefriedigende Angelegenheit. Palmen wachsen - und Palmen sind stark. Der Leiter der Kurgärtnerei, Martin Christ, zeigt auf ein paar Holzkübel, die von den Wurzeln gesprengt wurden. Manche haben die Palmen schon nach zwei Jahren kleingekriegt, die höchste Lebensdauer liegt bei vier bis fünf Jahren. Obwohl die Holzbehälter in der gärtne reieigenen Schreinerei hergestellt, kommt das letztendlich recht teuer.


30 Jahre Garantie

Die Metallkübel hat die Kurgärtnerei in einem Fachbetrieb fertigen lassen. Dank des drei Millimeter starken Blechs haben sie eine 30-jährige Garantie gegen Durchrostung. Doch Holger Paff ist sich sicher, dass sie noch viel länger halten. Schließlich hat er die neuen Metallkübel entwickelt.

Und sie haben noch ein paar Vorteile, fährt Paff fort. Unten befindet sich ein Wasserreservoir, das oben in einen Messstab mündet. Das bedeutet, dass die Kurgärtner nicht mehr so oft gießen müssen. Auch das Düngerwasser läuft nicht mehr ab, "gut für die Heilquellen", wie Paff betont, während Martin Christ von einem Hydrokultur-System spricht.

"Die neuen Kübel waren nicht billig", fährt der Leiter der Kurgärtnerei fort. Aber auf lange Sicht rechne sich das. "Da ist die Kurtaxe gut angelegt", ergänzt Holger Paff.

Natürlich würden sich die Metallgefäße in den Kuranlagen nicht gut machen. Deswegen werden sie samt Palme in einen Kübel aus weiß lackiertem Holz gehoben. Diese dienen im Gegensatz zu früher aber nur noch als Übertöpfe.


Umtopfen geht leichter

Trotz der Metall-Tröge: Alle vier bis fünf Jahre müssen die Palmen umgetopft werden. Dafür waren früher mehrere Mann nötig, um die schweren Pflanzen mit Schlaufen aus den Kübeln zu hieven. Auch hier bewährt sich nun eine Idee von Holger Paff. Er hat zusammen mit einer Firma speziell für den neuen Gabelstapler der Kurgärtnerei ein Greifer-System entwickelt, das sich um den Stamm schmiegt, so dass die Pflanze mit dem Stapler herausgehoben werden kann. So etwas gab es bisher nicht. Laut Christ hat die Herstellerfirma inzwischen schon Hebezeuge à la Kurgärtnerei nach Saudi-Arabien geliefert. Schließlich gibt es dort Palmen en masse.

Übrigens: Auch beim Umtopfen spielen die neuen Metallkübel ihre Vorteile aus. Die nachwachsenden Wurzeln sprengen nicht wie früher den Kübel, sondern sie heben die gesamte Palme an. Auch das erleichtert das Umtopfen. Ebenso wie ein kleiner Anschluss unten am Kübel. Da lässt sich Pressluft einleiten, die die exotischen Bäume nach oben treibt.


Start mit 50 Kübeln

Nicht alle Bad Kissinger Palmen kommen noch heuer in den Genuss eines neuen Stahlbehälters. Rund 50 Stück hat die Kurgärtnerei erst einmal gekauft und eben so viele neue hölzerne Übertöpfe gefertigt. "In den folgenden Jahren werden Zug um Zug auch die restlichen Palmen umgetopft", sagt Martin Christ.

Bei einem Großteil der Bad Kissinger Palmen handelt es sich um Phönixpalmen. Ursprünglich stammen diese Dattelpalmen von den Kanarischen Inseln, haben sich inzwischen aber in der gesamten mediterranen Welt verbreitet. Sie können 200 bis 250 Jahre alt werden. Wenn die Kurgärtnerei einmal neue Exemplare braucht, ist kein Telex ans Mittelmeer nötig. "Wir vermehren sie selbst", sagt Holger Paff.

Den Winter über haben die Palmen ihr Quartier in der Kurgärtnerei in ihrem eigenen, großen Glashaus. Im Allgemeinen werden die bis zu achteinhalb Meter hohen Bäume je nach Wetterlage Mitte Mai in die Kuranlagen und in die Fußgängerzone transportiert. Da sind zwar die Eisheiligen noch nicht vorbei, "aber ein bisschen Frost macht den Palmen gar nichts", betont Christ.


Im Konvoi in die Kuranlagen

Denn werden die exotischen Bäume samt ihrer Behältnisse mit dem Stapler auf den Lkw der Gärtnerei und auf Traktor-Anhänger gehoben. Anschließend geht es im Konvoi Richtung Stadt. "Schon um 5 Uhr, damit wir den Berufsverkehr nicht behindern", betont Martin Christ: "Und heuer kriegen wir sogar eine Polizei-Eskorte."