Sie will den Menschen den christlichen Glauben näher bringen und dabei über den Tellerrand hinausschauen: Petra Strauß ist die Gemeindeassistentin der Pfarrei Herz Jesu Bad Kissingen.

Ihr neuer Arbeitsplatz hat mit ihrem alten wenig Ähnlichkeit. Petra Strauß hat den Bankschalter gegen ein Büro in der Pfarrei Herz Jesu in Bad Kissingen getauscht. Seit 1. September ist sie dort Gemeindeassistentin. "Mir war der Kontakt mit Menschen schon immer ungeheuer wichtig", erzählt Petra Strauß. Deshalb war sie mit ihrer Arbeit als Bankkauffrau nie ganz zufrieden. Nur das Team ihrer Arbeitskollegen hat sie immerhin zwölf Jahre in ihrem erlernten Beruf gehalten.

Viele unbeantwortete Fragen

Dann kamen ihre beiden Kinder zur Welt. Mit der Elternzeit verstärkte sich auch das ehrenamtliche Engagement in ihrem Heimatort Langenleiten. Um diese Tätigkeit auszubauen, absolvierte Petra Strauß eine Ausbildung zur Gottesdienstbeauftragten. "Da merkte ich, dass ich viele Fragen über den Glauben habe", sagt die 44-Jährige heute.

Aufgewachsen ist sie in einem traditionell katholischen Elternhaus: "Mein Vater war Bildhauer, deswegen haben bei uns oft die Pfarrer am Kaffeetisch gesessen." In ihrer Kindheit und Jugend distanzierte sie sich dennoch von der Religion, fand in ihr keinen Anknüpfungspunkt für ihr Leben. Erst einige Todesfälle im näheren Umfeld brachten sie zu Büchern der Trauerbewältigung, die wiederum führten sie zur Frage nach Gott. "Das war ein Sprungbrett für mich, mich wieder mehr mit meinem christlichen Glauben zu beschäftigen." Dort fand sie Antwort. Auch auf die Frage nach ihrer beruflichen Zukunft, obwohl ihr das damals noch gar nicht richtig bewusst war.

Studium und Praktikum

Das Fernstudium Theologie begann sie "eigentlich erst einmal nur für mich". Erst, als sie schon die Hälfte ihrer Ausbildung absolviert hatte, meldete sie sich wegen eines Praktikums bei der Diözese. "Im Laufe der Zeit habe ich immer mehr gemerkt, dass ich diesen beruflichen Weg gehen möchte", erinnert sich Petra Strauß, "weil da einfach mein Herz hängt."

Nach dem Studium leistete sie ihr berufspraktisches Jahr in der Pfarreiengemeinschaft am Kreuzberg, wo sie an der Seite einer Mentorin Erfahrungen sammelte. Im September hat sie nun ihr neues Büro in der Hartmannstraße bezogen. Dort wird sie von der Gemeindeassistentin zur -referentin ausgebildet.

Oft im "Kontaktpunkt"

Ihr Aufgabenbereich in der Gemeinde ist vielseitig. Sie hält Religionsunterricht an der Sinnberg-Volks- und der Kliegl-Mittelschule, bringt sich in die Weggottesdienste der Kommunionkinder ein. Mit einem Team bereitet sie die Familiengottesdienste vor, die sie auch begleitet, und stattet Geburtstagsbesuche ab. Traditionell ist Petra Strauß auch für die Seelsorge zuständig. Sie ist häufig im "Kontaktpunkt" anzutreffen.

Außerdem pflegt sie einen Besuchsdienst im Theresienstift: "Mir sind die Pflegebedürftigen und die Demenzkranken ein besonderes Anliegen", betont sie. Deshalb ist ihr die Krankenkommunion eine Herzensangelegenheit. Dabei bringt sie kranken und pflegebedürftigen Menschen die Kommunion nach Hause. "Das sind ganz wertvolle Momente, weil dabei immer viele Gespräche stattfinden."

Der Kontakt mit den Menschen war es, deswegen hat sie sich für diesen Weg entschieden. Und er ist auch das, was sie die Grundlage ihrer Arbeit nennt. "Seelsorge findet überall statt", erklärt sie. "Man trifft täglich auf ganz verschiedene und unterschiedliche Menschen", von den Schülern bis zu den Senioren. In Gesprächen mit ihnen versucht sie, "den Menschen den wunderbaren Schatz des christlichen Glaubens näher zu bringen" und ihnen so bei der Problembewältigung zu helfen.

Es geht nur über den Menschen

"Bei den älteren spielt der Glaube noch eine große Rolle", sieht sie die Unterschiede, "in der Schule ist immer weniger Basis da, auf der man aufbauen kann." Deshalb sei es wichtig, auch einmal über den Tellerrand hinaus zu schauen, und die guten Seiten eines Menschen außerhalb der Gemeindegrenzen zu erkennen.

Petra Strauß bedauert, dass viele Menschen durch "Strukturelles" in der Kirche abgestoßen werden. Auch Skandale wie derzeit um den angeblichen Limburger "Protz-Bischof" Franz-Peter Tebartz-van Elst würden dem Glauben schaden.

Für ihre Arbeit wählt sie deshalb einen persönlichen Ansatz, um den Menschen die Religion wieder näher zu bringen: "Ein Stück von Gottes Liebe erfahrbar werden zu lassen, geht immer über den Menschen." Entsprechend will sie möglichst viel unterwegs sein, Menschen in Lebens- und Glaubensfragen begleiten. Für die nächste Zeit hat sie außerdem ein weiteres Projekt: Sie will den Raum "Quelle" in der Herz-Jesu-Gemeinde renovieren, damit Bibelkreise und Glaubenskurse in neuem Glanz erstrahlen.