Richard Lengenfelder starb früh. Der 38-Jährige ließ sein Leben 1944 als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Selbst 75 Jahre nach Kriegsende ist nicht bekannt, wo er beerdigt ist. Sein Name befand sich auf den elf Gedenktafeln im Parkfriedhof in Bad Kissingen. Unbekannte klauten diese im vergangenen Jahr - und damit auch den Ort zum Trauern und Gedenken für Richard Lengenfelders Angehörige. Auf den drei Tafeln, die die Stadt nach dem Diebstahl als Ersatz angeschafft hat, findet er keine Erwähnung mehr. Das sorgt bei seiner Schwiegertochter Ragnhild Lengenfelder für Unverständnis. Ihre Geschichte zum Ehrenmal ist eine Mischung aus Liebe, Trauer und Verbundenheit über den Tod hinaus.

Gedenken ist wichtig

Bemerkt, dass der Name ihres Schwiegervaters fehlt hat Ragnhild Lengenfelder am Ostermontag. Daraufhin setzte sie sich ein Ziel: Richard Lengenfelders Name soll wieder auf die Tafeln. Für sie und ihren Mann - Richards Sohn Willi - war das Ehrenrondell bis vor drei Jahren der Ort zum Trauern. Dann starb Willi Lengenfelder. Vergessen hat seine Frau die Besuche auf dem Parkfriedhof nie: "Es war meinem Mann immer eine Herzensangelegenheit die Gedenktafel mit dem Namen seines Vaters zu besuchen."

Der Grund: Willi verlor seinen Vater mit elf Jahren. Der frühe Verlust ließ ihn zeitlebens nicht los. "Er hat viel vom Krieg erzählt. Er hatte Tränen in den Augen, als er vom Tod seines Vaters erzählt hat." Schon als kleiner Junge musste er nach dem Krieg seine Familie unterstützen. Das harte Los ihres Mannes und der Tod seines Vaters fand in ihrer langjährigen Ehe stets Berücksichtigung: "Egal ob am Geburtstag, an Ostern oder am Volkstrauertag. Wir haben immer eine Blume hingelegt und eine Kerze angezündet", sagt sie. Das Kuriose: Obwohl Ragnhild Lengenfelder ihren Schwiegervater nie kannte, baute sie durch die Besuche auf dem Parkfriedhof und die Erzählungen ihres Mannes eine emotionale Verbindung zu ihm auf.

"Es interessiert mich nicht, ob aus Stein oder Bronze - Hauptsache der Name taucht wieder auf." Um das in die Wege zu leiten, kontaktierte sie bereits das Rathaus der Stadt Bad Kissingen. Bald darauf hatte sie einen Termin beim Ordnungsamt. "Der Mann hat mein Anliegen verstanden, aber Zu- oder Absagen, dass der Name von meinem Schwiegervater wieder auf die Tafeln kommt; das konnte er nicht", sagt sie. "Ich müsse mich gedulden." Die Stadt Bad Kissingen hält sich weiterhin bedeckt. Thomas Hack, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bad Kissingen, verweist auf die Stadtratssitzung "am Mittwoch in der das Thema öffentlich behandelt wird.

Wie viele Namen fehlen wirklich?

Vom Termin im Rathaus blieb ihr ein Satz besonders im Gedächtnis: "Es könne sein, dass mehr Namen als nur der von Richard fehlt". Mit der Schreibmaschine verfasste sie nach dem Gespräch einen Brief an die Stadt. Der Inhalt: Dankesworte für das Verständnis des Beamten und die eindringliche Bitte, den Namen des Schwiegervaters wieder auf die Tafeln zu bringen. "Ich will keinen Prozess. Ich möchte in der Sache gütlich mit der Stadt auseinandergehen", sagt sie. "Das bin ich meinem verstorbenen Mann und dessen Vater schuldig."