Die spartanische Ausstattung der Halle fällt sofort auf: Harter Betonboden, karge Holzspinde, schlichte Dusch- und Umkleideräume, keine Heizung. Den Fitness- und Sportgeräten, den Judo-Matten, die auf dem Boden liegen, ist anzusehen, dass sie intensiv gebraucht werden.

Streetworker Albert Köpplin betreut hier seit 2003 das offene Sportangebot des Sozialvereins Kidro. "Früher war hier ein sozialer Brennpunkt", sagt Köpplin. Die Halle liegt hinter dem Jugend- und Kulturzentrum in der ehemaligen US-Kaserne. Dort trafen sich in den 90er Jahren junge Aussiedler mit hohem Problempotenzial: Viele sprachen kaum Deutsch, hatten keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Arbeit, dafür aber Probleme mit Drogen, Gewalt und Kriminalität. "Ich habe versucht, die Jungs von der Straße zu holen", sagt Köpplin, der selbst Aussiedler ist.

Die Halle ist jeden Tag bis spät abends geöffnet, jeder kann das offene Sportangebot der Kidro nutzen und Volley- oder Fußball spielen, in den Fitnessraum gehen oder am Sambo-Training (russische Judo- und Selbstverteidigungsvariante) von Köpplin teilnehmen. Der Streetworker erreicht die jungen Menschen über den Sport, gewinnt ihr Vertrauen und wirkt auf sie ein. "Das hier ist echter Straßensport", sagt er. " Ich bin froh, wenn die Jungs vom Brennpunkt hier sind, dann muss ich sie nicht suchen."

Vom Brenn- zum Treffpunkt

Thomas Heinrich, Vorsitzender von Kidro niedrigschwellige Hilfen, betont, dass sich in der Gruppe ein starker Zusammenhalt gebildet hat. Dadurch können Probleme direkt angesprochen und gelöst werden. "Das ist Integrationsarbeit durch Sport", sagt Heinrich. Die ehemalige Vorsitzende des Vereins Eva Matthies hat das Integrationsprojekt mit aufgebaut und lobt den Einsatz des Streetworkers: "Die Jugendlichen haben sich um Köpplin als Integrationsfigur gesammelt." Zwischen 30 und 60 Personen nutzen die Halle täglich, anfangs hauptsächlich Aussiedler.

Das hat sich geändert, nicht zuletzt durch die Erfolge, die Köpplin regelmäßig mit seinen Sambo-Schützlingen bei internationalen Turnieren einfährt. "Heute trainieren 40 Prozent Einheimische in der Halle", sagt Matthies. Es handelt sich etwa um junge Menschen, die sich in Sportvereinen nicht wohl fühlen und lieber hier her kommen.

Friedrich würdigt das Projekt

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sich während eines Wahlkampfaufenthalts in Bad Kissingen über das offene Sportangebot informiert. Das Innenministerium ist sowohl für Sportförderung, als auch Migrations- und Integrationspolitik zuständig. Friedrich nannte das Projekt "fantastisch" und würdigte das Engagement der Kidro-Mitarbeiter sowie gerade von Köpplin und Matthies: "Es braucht immer jemanden, der die Initiative ergreift", sagte Friedrich.