Eigentlich hat die Gemeinde Oerlenbach großes Glück, weil sie vier Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft hat: "Wir haben, Gott sei Dank, vier funktionierende Vereine", sagt auch Verwaltungsleiter Werner Rauh. Trotzdem kann sich die Kommune nicht entspannt zurücklehnen: Kinderbetreuung ist eine kommunale Aufgabe, die Verwaltung hat sich deshalb die Bedarfsplanung für eine der nächsten Sitzungen vorgenommen. Dazu besuchte der Gemeinderat im Vorfeld alle Einrichtungen. "Wir sammeln noch Daten, ich denke, dass das Mitte Juli beraten wird", kündigt Rauh an.
Drei der vier Kindergärten in der Gemeinde sind sogar überbucht. "Nur in Rottershausen haben wir noch ein paar Plätze", fasst Rauh die Situation zusammen. Dort hat der St.-Dionys-Trägerverein die Genehmigung für eine Regel- und eine Kleinkind-Gruppe, dies entspricht (mit Überschreitung um bis zu zehn Prozent) 28 Plätze für Regel-Kinder und 13 Plätze für Unter-Dreijährige. Die gleiche Größe hat der Kindergarten des St.-Martin-Vereins Eltingshausen. In Ebenhausen gibt es in Trägerschaft des Vereins "Aktion Kindergarten" zwei Regel-Gruppen mit bis zu 56 Plätzen und eine Krippen-Gruppe mit 13 Plätzen. Der größte Kindergarten der Gemeinde befindet sich direkt in Oerlenbach mit drei Regel-Gruppen (bis zu 84 Plätze) und einer Krippen-Gruppe (maximal 13 Plätze). Träger ist dort der St.-Burkardus-Verein. Die Besonderheit in Oerlenbach ist, dass Grundstück und Gebäude der Gemeinde gehören, in den anderen drei Gemeindeteilen ist die jeweilige Kirchenstiftung Eigentümerin.
In einer Zwickmühle ist der Ebenhäuser Gemeinderat Benedikt Keßler: Der dreifache Vater ist gleichzeitig Vorsitzender des Trägervereins "Aktion Kindergarten". "Das Buchungsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren extrem verändert", berichtet er aus der Praxis. Die Eltern meldeten immer jüngere Kinder an und bräuchten immer öfter auch eine Betreuung über die Mittagspause hinweg.
"Alle vier Kindertagesstätten in der Gemeinden sind an ihre Grenzen gegangen", fasst Keßler die Lage zusammen. Überall sei die gesetzlich mögliche Überschreitung um zehn Prozent ausgereizt. Als Gemeinderat hat Keßler alle Optionen im Blick. Deshalb könne er auch nicht ausschließen, dass der Kindergarten Oerlenbach "massiv erweitert" werden könnte, um den gesamten Bedarf in der Kommune zu decken.
Als Vorsitzender dagegen hat er die Ebenhäuser Brille auf: "Uns wäre es natürlich am liebsten, dass wir mehr Plätze bekommen und Kinder schon ab dem ersten Geburtstag aufnehmen können." Denn: Bislang hat der Kindergarten nur Platz für Zweijährige. Schriftführerin Kerstin Schneider geht noch weiter: "Wir brauchen mindestens zehn weitere Schlaf- und zusätzliche Ess-Plätze." Selbst wenn es bei der aktuellen Zahl der Plätze bleibe, brauche der Kindergarten unbedingt zwei neue Räume. Laut Keßler besuchen derzeit drei Gast-Kinder von außerhalb den Ebenhäuser Kindergarten. Die habe der Verein in einer Zeit aufgenommen, in der auf dem Papier noch Plätze frei waren. Umso wichtiger sei, dass Eltern immer möglichst frühzeitig ihre Kinder anmelden: "Nur dann lässt sich der Bedarf vernünftig planen."