Im Markt Burkardroth sollen sich weitere Gewerbetreibende ansiedeln können. Jedoch es gibt kaum noch Platz in den ausgewiesenen Gebieten. Lediglich zwei gewerbliche Bauplätze sind auf der Homepage der Gemeinde ausgeschrieben, ein gemeindlicher in Stangenroth sowie ein privater in Wollbach. Deshalb plant das Rathaus, ein weiteres Industriegebiet zu erschließen. Neu sind die Pläne allerdings nicht. "Der Flächennutzungsplan sieht schon seit Jahrzehnten ein entsprechendes Areal an der Gemarkungsgrenze zu Poppenroth vor", erklärte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) in der jüngsten Gemeinderatssitzung.
In dieser wurde erstmals ein Planungsentwurf für das Gebiet vom beauftragten Bad Kissinger Büro Hahn - Architekten und Ingenieure vorgestellt. Die Pläne hätten in der Vergangenheit geruht, da bisher unklar war, wie das Abwasser abgeleitet wird, sagt Bug. Nun soll in Katzenbach ein neues Pumpwerk gebaut werden, so dass sich auch neue Ideen für die Abwasserentsorgung im geplanten Gewerbegebiet ergeben.
Das künftige Industriegebiet oberhalb von Stralsbach umfasst 17,5 Hektar und soll über eine entsprechende Ein- und Ausfahrt an die Bundesstraße 286 angebunden werden. Durch das Areal ist eine Ringstraße vorgesehen, über die die einzelnen Grundstücke erreicht werden. Die Gemeinderäte entschieden in der Sitzung, dass diese Ringstraße 7,50 Meter breit sein soll, um einen reibungslosen Verkehr auch in den Kurven zu ermöglichen. Eine weitere Zufahrt in das Industriegebiet ist über die Kreisstraße 15 eingeplant, die die Bundesstraße 286 mit dem Ortsteil Stralsbach verbindet.


Mehrere Grünstreifen

Da die Fläche am Poppenrother Berg von starkem Wind betroffen ist, sieht das Planungsbüro eine entsprechende Eingrünung vor. Zudem sollen durch das Gewerbegebiet mehrere Grünstreifen verlaufen. Damit möchte Planer Johannes Hahn die für das Vorhaben erforderlichen Ausgleichsflächen direkt vor Ort schaffen. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben und sollen laut Bayerischem Landesamt für Umwelt "landschaftspflegerische und der Natur dienliche Maßnahmen" beinhalten. Hahn rechnet damit, dass die Untere Naturschutzbehörde mindestens vier, fünf Hektar als Ausgleich festlegen wird. Berücksichtigt man außerdem etwa 1,5 Hektar Verkehrsfläche, bleiben zwischen zehn und zwölf Hektar bebaubares Areal.
Hinsichtlich der Größe der einzelnen Baugrundstücke will man sich aktuell noch nicht festlegen, sondern je nach Bauinteressent entscheiden. Laut Bürgermeister Bug gebe es aktuell noch keine konkreten Anfragen von Gewerbetreibenden, die sich hier niederlassen würden.


Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die geplanten Grünstreifen in dem neuen Gewerbegebiet erfüllen jedoch noch einen weiteren, ökologischen Zweck. "Wir schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe", sagt der Planer. In diesen sollen rund drei Meter breite Mulden verlaufen, die das Regenwasser ableiten. Entsprechende Rückhaltebecken sind ebenfalls vorgesehen. Somit muss nur noch das Abwasser abgeleitet werden, was über den neuen Kanal geschehen soll, der am Gewerbegebiet vorbei nach Stralsbach führt.


2017 soll das Bauen möglich sein

Zwar diskutierten die Gemeinderäte in ihrer Sitzung über einzelne Punkte des Vorhabens, entschieden sich letztlich aber dafür, dass das Vorhaben in Angriff genommen und die weiteren Planungen vom Büro Hahn vorgenommen werden. Dort rechnet man damit, dass der Bebauungsplan bis zum Jahresende steht und dann mit der Erschließung des Gewerbegebietes begonnen werden kann. Gewerbetreibende, die sich in dem neuen Areal niederlassen wollen, können voraussichtlich 2017 mit ihren Bauarbeiten loslegen. Was der Quadratmeter Bauland in dem neuen Gewerbegebiet kosten wird, dazu wollte die Gemeinde noch nichts sagen. "Derzeit sind noch keine Kosten ermittelt", so der geschäftsführende Beamte im Burkardrother Rathaus, Gerhard Zeller.
Im Bad Kissinger Landratsamt hingegen gibt es erste konkrete Schätzungen. Dabei orientiert sich Baudirektor Günter Stammwitz an den aktuellen Bodenrichtwerten. Demnach müssen Interessenten im neuen Gewerbegebiet am Poppenrother Berg mit etwa sieben Euro pro Quadratmeter Fläche rechnen, zuzüglich 20 Euro Erschließungsgebühr pro Quadratmeter. "Bei den genannten Beträgen handelt es sich um Durchschnittswerte, die aus den Kaufpreisen der vergangenen Jahre ermittelt wurden", erklärt er dazu. Günter Stammwitz begrüßt, dass in Burkardroth ein neues Gewerbegebiet erschlossen werden soll. Schließlich würde der Landkreis seit Jahren schrumpfen. Man sei deshalb darauf angewiesen, dass junge Leute Arbeitsplätze in der Region finden und nicht weiter abwandern. "Ich sehe bei Gewerbegebieten einen größeren Bedarf im Landkreis als bei neuen Wohngebieten", sagt der Baudirektor.