Seit zwölf Jahren gibt es in Bad Kissingen den Kontaktpunkt der Diözese Würzburg. Doch ohne den fortdauernden Einsatz der 32 Ehrenamtlichen würde es diese Anlaufstelle für ratlose und in Einzelfällen verzweifelte Menschen gar nicht geben.
Dass der Kontaktpunkt Bad Kissingen aber längst unverzichtbar geworden ist, wird aus der steigenden Zahl der aktuell etwa 1200 Kontakte pro Jahr ersichtlich, bei denen die Ehrenamtlichen in Telefonaten oder persönlichen Gesprächen Auskunft über kirchliche Angebote und soziale Hilfeleistungen geben oder Hilfesuchenden Trost und Rat bieten.


Fester Einsatzplan

Es sind fast ausnahmslos Rentnerinnen, die im Bad Kissinger Kontaktpunkt nach festem Einsatzplan ihren Dienst am Nächsten leisten. Manche sind je nach Verfügbarkeit nur ein- oder zweimal pro Monat für eine 2,5-Stunden-Schicht eingeteilt, andere wie Helga Kunstmann bringen es sogar auf 15 oder 20 Stunden im Monat. "Ich mache es doch gern", nennt die frühere Krankenschwester den Grund für ihre Einsatzfreude.
Auffällig ist die Mehrzahl sozialer Berufe, in denen die Ehrenamtlichen früher berufstätig waren. Auch Lena Bätza war einst Krankenschwester und folgte schon immer ihrem Grundsatz "leben und geben". Dankbarkeit veranlasste Hildegard Schöllhorn, sich für die Mitarbeit im Kontaktpunkt zu melden: "Mir geht es sehr gut, deshalb will ich mein Glück teilen."
Ihr Alter sieht Gerdi Göpfert eher als Vorteil für ihre Gespräche mit Hilflosen und Ratsuchenden: "Ich habe in meinem Leben selbst Höhen und Tiefen erlebt. Ich kann Lebenserfahrung einbringen." In den intensiveren Gesprächen geht es meist um Zwischenmenschliches im Familien- und Freundeskreis, auch um finanzielle Sorgen, seltener um den Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit. Sehr oft sind es Frauen, die beim Ehemann kein Gehör finden, oder Witwen, die niemanden zum Gedankenaustausch haben. "Wenn die Menschen sich bei uns aussprechen können, sind sie dankbar und gehen glücklicher weg." Manchmal wird im Kontaktpunkt auch gemeinsam geweint, ungeachtet einer Konfessionszugehörigkeit gemeinsam gebetet - und man nimmt sich in den Arm. Wie damals, als eine Mutter in Bad Kissingen zur Kur war, deren Sohn sich drei Wochen zuvor das Leben genommen hatte.


Schwierige Fälle

Nicht immer können die als Berater tätigen Laien helfen. Schwierige Fälle, etwa 300 im Jahr, geben sie an den Leiter des Kontaktpunktes, Pastoralreferent Rainer Ziegler, oder an Psychologen weiter, die den Kontaktpunkt unterstützen. Hilfreich sind auch die vielseitigen Dienste der Caritas. Dennoch bleibt nach manchem Gespräch genügend Ballast zurück, den die Ehrenamtlichen nach Hause mitnehmen. "Ich schreibe das dann auf", erklärt Astrid Obermann ihre Arbeitsweise, um den Kopf wieder freizubekommen. Trotzdem muss sie gelegentlich einige Tage über ein Gespräch nachdenken. Naturgemäß sind viele der im Kontaktpunkt geführten Gespräche nicht einfach. "Aber wir können den Menschen wenigstens einen Weg weisen", ist Gerdi Göpfert zuversichtlich. Jürgen Bereiter, einer der nur vier männlichen Helfer, zieht aus seinen Gesprächen für sich selbst Gewinn: "Man lernt doch immer etwas dazu, wenn man genau zuhört." Die fehlende Bereitschaft in der Gesellschaft, sich dem Nächsten hinzuwenden und ihm zuzuhören, sei das größte Problem unserer Tage, sind sich die 32 Ehrenamtlichen einig. Nicht ohne Grund haben sie deshalb ihrem Kontaktpunkt und sich selbst das Motto "Zeit für Gespräche" gegeben.

Adresse:
Kontaktpunkt, Von-Hessing-Straße 1, Bad Kissingen, Tel.: 0971/666 83.
Im Internet: www.kontaktpunkt-bad-kissingen.de.
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 12 bis 17 Uhr.