Die Wogen hatten sich gerade erst geglättet. Nach der Unruhe im Gefolge der Übernahme des St.-Elisabeth-Krankenhauses durch die Helios-Gruppe im Jahr 2014 und der Kündigung etlicher Chefärzte sowie des Ärztlichen Direktors brauchte das Krankenhaus Monate, um die vakant gewordenen Stellen wieder zu besetzen. Erst gegen Ende des Sommers konnte Geschäftsführer Sebastian Güldner erklären, die Nachbesetzung sei endlich abgeschlossen. Jetzt muss die Klinik schon wieder suchen. Dr. Rainer Schamberger hat gekündigt.

Mit dem Chefarzt der Kardiologie verlässt ein Aktivposten das Haus. Schambergers Kündigung ist daher besonders schmerzhaft für das Eli. Das räumt das Haus auf Anfrage dieser Redaktion selbst ein. Schamberger habe die "Kardiologie in der Klinik exzellent aufgebaut". Noch schmerzhafter dürfte aber die Begründung für den Abschied sein. Der 51-Jährige macht deutlich, dass seine Vorstellungen von der Medizin und die Vorstellungen der Eigentümer des Klinik-Konzerns Helios von Ökonomie im Betrieb deutlich auseinandergingen.

Schamberger legt großen Wert auf Fairness. Das Bemühen um Zurückhaltung ist ihm anzumerken. Er wolle nicht einfach dem Krankenhaus die Schuld geben. "Grundkonflikt" sei die aus seiner Sicht "wachsende Bedeutung der Ökonomie" im Klinikbetrieb. Die habe seit dem Wechsel vom Rhön-Klinikum zu Helios weiter zugenommen. Angesichts des Trends zu "Profitabilität" als erstem Ziel, habe er in einer persönlichen Entscheidung für sich die Konsequenz gezogen.

Angesichts der von der Politik für die Behandlung vorgegebenen Budgets gebe es nur wenige Möglichkeiten, weitere Ökonomisierung zu erreichen. Man könne mehr Patienten behandeln, man könne kürzer behandeln und man könne versuchen, die Kosten zu reduzieren. Weil das Personal ein wesentlicher Kostenfaktor sei, werde dort im Gesundheitswesen oft angesetzt.


Zunehmender Zeitdruck

Wenn Pflegekräfte zu viele Patienten zu versorgen haben, entsteht aber Zeitdruck. Und Zeitdruck ist für verantwortliche Arbeit im Gesundheitswesen ganz allgemein nicht gut. Einfach so auf das Personal in der Pflege am Eli übertragen will Schamberger das nicht. Die Mitarbeiter dort machten "einen tollen Job", sagt er. Die Mitarbeiter in der Kardiologie etwa hätten immer gut mitgezogen. Der Rückzug falle ihm daher wirklich schwer.
Natürlich bemühe Helios sich darum, Fehler zu vermeiden. Am Zeitdruck aber ändere das nichts. Der Konzern habe auch ein ausgeklügeltes Qualitätsmesssystem, sagt Schamberger. Aber was sei eigentlich Qualität in der Medizin? Und wie messe man Zuwendung?

Es sei natürlich notwendig, Strukturen so zu planen, dass ein Krankenhaus kostendeckend betrieben werden kann. Die Frage sei für ihn aber, ob man darüber hinaus exorbitante Gewinne machen muss.

Das Helios St.-Elisabeth-Krankenhaus erklärte dazu auf Anfrage, "eine qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patienten und eine sehr gute Wirtschaftlichkeit unserer Klinik" stelle keinen Widerspruch dar. Letztlich könnten sogar "nur medizinisch und wirtschaftlich erfolgreiche Kliniken - gleich welcher Trägerschaft - langfristig bestehen".


Eli: Es zählt medizinische Qualität

Für die Patienten zähle im Ergebnis die medizinische Qualität, heißt es in der Stellungnahme der Klinik. Und in diesem Bereich habe das Haus 2015 "ein hervorragendes Ergebnis erzielt". Die Chefarztwechsel des vergangenen Jahres seien alle abgearbeitet. Die Stellen seien nachbesetzt und mit der Geriatrie und der Schmerzmedizin zwei neue Fachbereiche etabliert. Das Haus sei zuversichtlich, dass es auch bei der Kardiologie keine Vakanz geben werde. Aussichtsreiche Gespräche seien bereits geführt.

Ingo Mack, Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing, mag Probleme bei der Pflege für das Eli und für die dazu gehörende Helios OrthoClinic Hammelburg "nicht bestätigen". Die beiden Häuser hätten mit ihren Meinungskarten für Rückmeldungen von Patienten "mit vier bis fünf Beschwerden bei etwa 1000 Patienten im Monat eine konstant niedrige Quote". Zusätzlich gebe es seit Anfang 2015 die kontinuierliche Helios-Patientenbefragung. Die Bögen würden von einem externen Unternehmen ausgewertet und im Laufe dieses Jahres im Internet veröffentlicht.


Kreis verteidigt Privatisierung

Als "großen Verlust" für das Eli bezeichnet Landrat Thomas Bold (CSU) Schambergers angekündigten Weggang. Er hoffe sehr, dass die Stelle, so wie es ihm angekündigt worden sei, adäquat nachbesetzt werde. Grundsätzlich, glaubt Bold, habe das Eli aber eine Qualität, die sich sehen lassen könne und mit der sich das Haus weiter behaupten werde. Der Landkreis ist über die Carl-von-Heß'sche Stiftung mit 1,5 Prozent am Klinikbetrieb beteiligt, berichtet Bold. Das komme aus der Beteiligung des Kreises an der Hammelburger Klinik. Einfluss auf die Entscheidungen hat der Landkreis aber deshalb kaum.

Dass er über die Entwicklung des regionalen Krankenhauswesens nach der Privatisierung nicht uneingeschränkt glücklich ist, verhehlt Bold auf Nachfrage nicht. Die Wechsel in der Trägerschaft zunächst zum Rhönklinikum und dann zu Helios hätten "bedauerlicherweise" jeweils für Unruhe und Unsicherheit gesorgt. Als die Frage im Kreis Bad Kissingen zur Entscheidung anstand, sei die Privatisierung aus seiner Sicht nicht die erste Option für die Zukunft der Krankenhauslandschaft gewesen. "Wir wollten damals eine gemeinsame Holding" der betreffenden Krankenhausbetreiber, berichtet Bold, um auf dieser Basis vor Ort eine effektive Kooperation zu schaffen.

"Dazu war aber seitens der anderen Betreiber keine Bereitschaft da." Deshalb habe der Kreistag entschieden, das Hammelburger Haus zu verkaufen, um den Standort zu halten.