Wenn der Weihnachtsbaum in Flammen aufgeht, ist das meist ein Fall für die Feuerwehr. Deren Helfer sind in Deutschland zum Großteil ehrenamtlich unterwegs, also in ihrer Freizeit. Dass ein solches Ehrenamt zum Beruf wird oder sich gar zu einer eigenen Firma entwickelt, ist selten. Alexander Marx aus Gauaschach im Landkreis Bad Kissingen ist Feuerwehrmann durch und durch. Und er hat aus seiner Leidenschaft ein Geschäft gemacht: Der 41-Jährige handelt mit Feuerwehrbedarf. Vom Helm über Spezialstiefel, Orden, Atemschutz, Uniformen, Flammensimulatoren oder Fanartikel - gut 4000 Produkte hat Marx im Angebot. Sie lagern mitten in einem abgelegenen Wald zwischen Obersfeld und Sachserhof (Landkreis Main-Spessart). Dort hat Marx in einem aufgelassenen Munitionsdepot der Bundeswehr ein Gebäude gemietet. Von der Baracke aus verschickt er per Post Pakete an Kunden in Deutschland und im Ausland. Selbst von Feuerwehrlern aus Äthiopien habe er schon Bestellungen erhalten, sagt der Geschäftsmann. "In mir steckte schon früher ein Kaufmann."

Beinahe wäre es anders gekommen: Marx ließ sich zum Steuerberater ausbilden. Als er merkte, dass das nicht seine Berufung war, sattelte er ein Studium in Betriebswirtschaftslehre drauf. 2007 machte er dann den ersten Schritt in die Selbstständigkeit: Marx gründete eine Art private Feuerwehr, die sich gegen Honorar zum Beispiel für den Brandschutz bei großen Veranstaltungen buchen ließ. Als das unwirtschaftlich wurde, handelte er eine Zeitlang mit gebrauchten Feuerwehrautos. Parallel dazu ging er an die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS), um seinen Master zu machen. Dort kamen sich sein Ehrenamt als Feuerwehrmann und seine Neigung zum Geschäftsmann noch näher: Marx stieg mit zwei Mitstudenten in ein an die FHWS angedocktes Start-up ein. Die Geschäftsidee: eine selbstentwickelte Kartusche, die zwischen Feuerwehrschlauch und Strahlrohr eingeklinkt werden kann. In der Kartusche steckt ein mit Spülmittel vergleichbarer Zusatz, der die Oberflächenspannung des Löschwassers auflöst. Die Fachleute sprechen dann von Netzwasser. Dieses hat den Effekt, dass weniger Löschwasser gebraucht wird.

Verkaufsschlager

Die Idee mit der Kartusche führte 2013 zum Patent und bis in die zweite von drei Phasen des Businessplan-Wettbewerbs Nordbayern. Doch als 2015 ein Konkurrent ein noch effektiveres Netzwasser-System auf den Markt brachte, platzten Marx' Träume vom großen Geschäft. Zunächst. Denn der Gauaschacher Feuerwehrkommandant hat nach wie vor den permanenten Blick eines Geschäftsmannes darauf, wo den Wehren als Kunden der Schuh drückt: "Meine Ideen sind immer aus den Einsätzen heraus entstanden." So schaut er sich schon mal bei den Jugendfeuerwehren um, welche Marke bei den Stiefeln gerade angesagt ist. Die holt er sich dann in das Sortiment seiner 2015 gegründeten Firma BMS Fire Equipment. Auch sein Verkaufsschlager sei bei Einsätzen entstanden: Marx entwickelte ein Sortiment an kreisrunden Schildern, die an Atemluft-Flaschen angebracht werden können. Weil diese Flaschen keine Füllstandsanzeige haben, könne es vorkommen, dass im Eifer eines Einsatzes leere Flaschen mit vollen verwechselt werden. Ein gefährliches Durcheinander, das eine Kennzeichnung der Behälter notwendig gemacht habe, sagt Marx. 50 000 der Schilder mit dem Namen Airbadges hat der Gauaschacher bereits verkauft. Insgesamt mache sein Unternehmen pro Jahr einen Umsatz mit sechsstelligem Betrag. Den hole er sich zu 80 Prozent übers Internet. Er setzt intensiv auf E-Commerce, sein Online-Shop mit dem Namen "Feuerwehrsachen" sei das, was ihn von der Konkurrenz abhebe. Dumm nur, dass Marx in seinem Lager mitten im Wald zwischen Obersfeld und Sachserhof eigentlich kein Internet hat. Das Problem löst der Betriebswirtschaftler damit, dass er die Büroarbeiten bei sich zu Hause in Gauaschach macht. Außerdem ließ er auf dem Dach des Lagers im ehemaligen Munitionsdepot eine Mobilfunkantenne fürs 4G-Netz installieren. Andere Tücken kommen dazu: Feuerwehren stehen meistens in der Regie von Städten und Gemeinden. Ein Kommandant kann somit nicht unbedingt nach Herzenslust bei Marx einkaufen, sondern muss sich erst das Okay aus seinem Rathaus holen, wo das Budget der Feuerwehr verwaltet wird. Diese Konstellation mache manches Geschäft umständlich.

Seit 25 Jahren bei der Wehr

Seit 25 Jahren ist Marx bei der Gauaschacher Feuerwehr. Nach wie vor rückt er mit ihr aus, bei Tag und Nacht. Die Einsatzstunden fehlen ihm freilich, wenn es ums Geschäft geht. Und sie fehlen ihm als Ehemann und Vater. Aber für Marx ist die Feuerwehr Berufung - als Ehrenamt und als Geschäft. span