Wenn sich Fürst Rákóczi die Frage stellt, welche der Historischen Persönlichkeiten beim großen Kissinger Heimatfest in seinem Namen die populärste ist, kommt er wahrscheinlich manchmal ins Grübeln. Kaiserin Elisabeth macht ihm ganz schön Konkurrenz. Da braucht er nur mal Nadja Keller zu fragen, die heuer zum dritten Mal die Sisi ist.

Machen wir zunächst mal einen kleinen Geschichtstest, Frau Keller. Wie schreibt man den Namen Ihrer Figur richtig?
Nadja Keller: Mit einem "s". Das war für mich das Wichtigste an der Vorbereitung auf die Unterschrift bei der Autogrammstunde. Vorher hatte ich, wie so viele, gedacht, dass der Name mit zwei "s" geschrieben wird. Es kommt übrigens auch vor, dass ich in der Autogrammstunde gefragt werde, ob ich denn meinen Namen nicht richtig schreiben kann.
Wie oft war Sisi in Kissingen?
Sie war insgesamt sechsmal hier. Das erste Mal 1862, gleich im Jahr darauf wieder und auch 64 und 65. Danach kam sie erst 1897 und 1898 wieder.

Wann zum letzten Mal?
1898, in ihrem Todesjahr.

Welche Version der Kaiserin Elisabeth ist Ihnen näher, die aus den Sissi-Filmen mit Romy Schneider oder die echte, die in Kissingen war?
Hm, gute Frage. Da ich sehr bodenständig und eher an der Wirklichkeit interessiert bin, an der echten. Je mehr ich aber in ihre Biografie eingetaucht bin, bin ich aber auch ein bisschen erschrocken, wie egozentrisch sie war und wie sie sich auf Kosten ihrer Kinder ausgelebt hat. Ich bin aber kein Traumtänzer. Und die Sissi-Filme, das ist Traumfabrik, das ist wie Hollywood.

Nicht zuletzt wegen Romy Schneider ist die Sisi aber auch beim Rakoczy-Fest ein Star. Woran merken Sie das am stärksten?
Egal, wo der Kaiser und ich auftreten, drängen sich gleich die Menschen um uns. Wenn ich für jedes Foto 50 Cent für einen guten Zweck nehmen würde, käme ordentlich etwas zusammen. Die vielen Fotos und das viele Lächeln, das beansprucht ganz schön die Gesichtsmuskeln. Es gibt auch Momente, wo man sich über die Menschen wundert. Wir haben aber auch viele tolle Begegnungen.

Welche Erwartungen haben die Menschen an Sie und Ihre Rolle?
Die meisten erwarten, dass man schön ausschaut, nett und freundlich ist und ein bisschen, gar nicht allzu tief gehend, über die Geschichte weiß. Meistens geht es um die hollywoodartige Geschichte der Sissi-Filme, die wenig mit der echten Geschichte zu tun hat.

Wie lautet die am häufigsten gestellte Frage aus dem Publikum?
Im vergangenen Jahr war das die Frage, ob ich eine Neue bin. Dabei war ich schon im Jahr davor Sisi. Da ist meist der Kaiser gefragt worden, ob er eine neue Kaiserin hat.

Vermutlich ist Sisi eher ein Frauenthema, oder?
Überraschenderweise nicht. Sogar junge Männer bleiben oft stehen und fragen nach einem Foto. Die Frauen sind eher an Fakten interessiert. Die wollen wissen, ob die Haare alle meine eigenen sind oder ob ich einen Reifrock drunter trage.

Was ist für Sie das Anstrengendste?
Immer präsent, immer konzentriert zu sein. Egal, wo ich bin, es kommt immer jemand, der gerade ein Foto machen möchte. Das geht schon los, wenn ich am Freitag beim Friseur rausgehe. Danach dauert die Anstrengung bis zum Feuerwerk.

Und wo ist Rakoczy am schönsten, lockersten und entspanntesten?
Am lockersten ist es am Sonntagabend, wenn das Programm rum ist, und die Historischen zum Abendessen zusammensitzen. Da fällt die Anspannung ab. Am schönsten in der Rolle ist, wenn ich nicht nur winken muss, sondern bei einer Begegnung auch ins Gespräch kommen kann.

Das Gespräch führte
Siegfried Farkas
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