Bürgermeister Waldemar Bug (ÖDP) hat im Gemeinderat bereits erklärt, dass er bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten will. Im Januar 2020 wird er 65, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. "Wenn ich noch mal fürs Bürgermeisteramt kandidieren würde, wäre ich nach Ablauf der Amtsperiode schon 71. Für mich ist das zu lange."

Rein rechtlich gesehen, hätte der Burkardrother Gemeindechef jedoch nochmals regieren dürfen, denn die Höchstaltersgrenze bei Antritt der Wahl wurde in Bayern heraufgesetzt. Bei der Kommunalwahl 2014 galt noch, dass Bewerber nicht gewählt werden können, wenn sie am Tag der Wahl schon 65 waren. Ab 2020 gilt, dass sie am Tag der Wahl noch nicht 67 sein dürfen.

Bei der Kommunalwahl 2008 war Bug, für Außenstehende damals überraschend, zum Bürgermeister gewählt worden. Emil Müller (CSU), der zuvor 18 Jahre in Burkardroth Gemeindechef gewesen war, war seinerzeit abgewählt worden. Bug verbuchte damals eine hauchdünne Mehrheit für sich (23 Stimmen am Wahlabend, 47 Stimmen waren es am darauffolgenden Morgen) und wurde der erste ÖDP-Bürgermeister des Landkreises - ja sogar ganz Bayerns.

Von der CSU zur ÖDP

Bug und Müller hatten bis zum Jahr 2002 die CSU als gemeinsame politische Heimat gehabt. Bug war elf Jahre bei der CSU gewesen und 1996 für diese Partei in den Gemeinderat gewählt worden. 2002 hatte er zur Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) gewechselt und sich auf der Liste der Wählergemeinschaft Waldfenster nominieren lassen.

2002 waren ÖDP und die nicht organisierte Wählergruppe Parteifreie Umweltschützer gemeinsam aufgetreten - allerdings nur auf Kreisebene - und hatten auf einen Schlag ein Mandat im Kreistag erobert (Waldemar Bug). Bug hatte damals auch für den Bundestag kandidiert. Wenige Jahre später wurde Bug auch Kreisvorsitzender der ÖDP.

Im Oktober 2007 schlossen ÖDP und Parteifreie Umweltschützer sich dann für eine gemeinsame Liste bei der Kommunalwahl 2008 zum Bündnis für Arbeit, Umwelt und Familie zusammen. Schon da wurde bekannt, dass Bug für das Amt des Bürgermeisters in Burkardroth kandidieren wollte.

Bewusst ließ er sich nicht auf eine Gemeinderatsliste setzen, sagte er damals. Er strebe nur das Amt des Bürgermeisters an, denn nur in dieser Funktion könne er was bewegen.

Für dieses Vorhaben musste Bug jedoch Stimmen sammeln gehen, weil ÖDP und das Bündnis für Arbeit, Umwelt und Familie noch nicht Wahlvorschlagsträger gewesen waren. Auf Listen im Rathaus konnten die Bürger für den Bürgermeister-Wahlvorschlag unterschreiben. Bis zum Stichdatum kamen, statt der geforderten 120 Unterstützungs-Unterschriften, insgesamt 192 zusammen.

Widerstand bei Windkraft

Bereits vor der Wahl, aber auch zu Beginn seiner Amtszeit habe er mit "großen Widerständen" seiner politischen Widersacher klar kommen müssen, resümiert Bug heute. Bei einigen Themen habe es gehörig geknistert, sagt er rückblickend und nennt als Beispiel das Thema Windkraft, bei dem unterschiedliche Meinungen aufeinandergeprallt seien.

Zur Erinnerung: Damals waren im Gemeinderat mehrere potenzielle Standorte für Windkraftanlagen vorgestellt worden. Bürger waren auf die Straße gegangen, um Unterschriften zu sammeln. In den Gemeinderatssitzungen ging es seinerzeit stets hoch her. Die Standorte wurden dann doch alle mehrheitlich abgeschmettert.

Die Änderung des Regionalplans einige Monate später setzte schließlich allen Auseinandersetzungen ein Ende, denn es wurde festgelegt, dass Windräder - entgegen früherer Verlautbarungen - nun doch nicht in Landschaftsschutzgebieten (wie sie um Burkardroth ausgewiesen waren) gebaut werden dürften.

Bei der Kommunalwahl 2014 habe es im Gemeinderat dann nahezu 50 Prozent neue Gesichter gegeben, so Bug weiter. "Da sah die Situation etwas anders aus." Doch schon zuvor hätten sich, noch mit den früheren Ratsmitgliedern, die Wogen im Gremium geglättet, sagt Bug rückblickend.

2014 war Bug allein zur Bürgermeisterwahl angetreten, nachdem ein weiterer Kandidat der Wählergemeinschaft Stangenroth seine Bewerbung wieder zurückgezogen hatte. Bug schnitt bei der Wahl schließlich mit einem Wahlergebnis von 95 Prozent ab - ein Zeichen, dass die Mehrheit der Bürger dem Rathauschef wohlgesonnen war.

Wenn man zwölf Jahre im Amt war, tut Scheiden da nicht weh? Bug: "Ja, mit Sicherheit, denn da hätte es noch das ein oder andere Projekt gegeben, das ich gern umgesetzt hätte." Aber bereits in den letzten zwölf Jahren habe er, zusammen mit dem Gemeinderat, Etliches bewegt.

Zum Beispiel wurden die Mittelschule in Burkardroth, aber auch das Rathaus und sieben Kindergärten energetisch saniert und man stattete gemeindliche Bauten mit Solaranlagen aus, zählt Bug unter anderem auf. 2013 war die Kommune schuldenfrei. Seine Bemühungen um ein Ärztehaus in Burkardroth seien zwar nicht von Erfolg gekrönt gewesen. "Aber wir haben inzwischen ein Senioren-Pflegeheim angesiedelt und eine Arztpraxis besetzt." Sich ganz von der Politik verabschieden möchte Bug aber noch nicht. Deshalb will er 2020 wieder für den Kreistag kandidieren.

Waldemar Bug Der gebürtige Bad Brückenauer Waldemar Bug wuchs in Roßbach auf. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Landwirtschaftslehre und diente später für 13 Jahre bei der Bundeswehr. Dort studierte er Maschinenbau und ließ sich zum Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen ausbilden. Ab 1987 war er Sachverständiger beim TÜV und wurde später Leiter eines technischen Service-Centers in Bad Neustadt. Bug ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Isolde Krapf