Was bedeutet Volks- und Mundarttheater heute? Dieses Thema diskutierten Mundartspezialisten im Rahmen des Volkstheaterfestivals des Bundes deutscher Amateurtheater (BDAT) in Sömmersdorf. Auch das Publikum beteiligte sich rege, so dass es zu einer lebendigen Auseinandersetzung über das Für und Wider gesprochener Dialekte kam.

Für Benedikt Feser (Büchold), der einen Verein zur Bewahrung der unterfränkischen Sprache ins Leben gerufen hat, hängt der Dialekt unmittelbar mit dem Untergang der dörflichen Strukturen zusammen. Diese "Muttersprache" könne den Dorfbewohnern wieder Selbstwertgefühl vermitteln, meinte er. Der "hohenloher Franke" Arno Boas lobte vor allem die Deutlichkeit und Direktheit, mit der man im Dialekt Dinge benennen könne, so wie es im Hochdeutschen nie ginge. Zudem sei Mundart identitätsstiftend. Auch der oberfränkische Mundartautor Walter Tausendpfund empfindet Mundart "lebendiger und vitaler", allerdings bedauerte er, sei sie mehr und mehr auf dem Rückzug, werde immer weniger gesprochen.

Seit fast 50 Jahren gebe es deshalb beim Verband Hamburger Amateurtheater Kurse in Plattdeutsch für Kinder und Jugendliche, weil dies zuhause kaum mehr gesprochen würde, erklärte Christian Dennert, Präsident dieses Verbandes. An der Universität Würzburg gibt es ein Dialektinstitut, unterstützt von der Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken, informierte Birgit Speckle. Dieses nehme sich des Themas sprachwissenschaftlich an.

Ist Dialekt eine "museale Sache"?

Mit seinen eigenen Kindern habe er auch nicht Dialekt gesprochen, meinte Boas, aber bei den Enkeln versuche er es jetzt besser zu machen. "Aber hat nicht jede Generation auch das Recht auf eine eigene Sprache", fragte eine Teilnehmerin aus dem Publikum. Außerdem sei Sprache doch etwas Lebendiges und verändere sich genauso wie die Infrastruktur der Dörfer. Eine rege Diskussion löste ein Besucher aus mit der Frage: "Warum soll man sich um den Dialekt kümmern", sei dieser nicht eine museale Sache. Und er wies darauf hin, dass Menschen, die Dialekt sprechen, auch "oft für blöd gehalten" werden.

Aus dem Publikum regte sich Protest. Nur weil man Mundart spreche, sei man nicht der "Depp vom Dienst". Es gebe auch durchaus erst zunehmende Theaterstücke in Mundart.

Speckle fragte die unter 20-Jährigen im Saal, wer denn noch Mundart spreche. Großeltern und Mutter schon, erzählte eine junge Frau, sie selbst aber empfand den Dialekt spätestens ab der Schulzeit eher "hinderlich". Tausendpfund bemängelte, dass Fränkisch in den Medien gezielt kaputt gemacht werde. Auch der Frankenfasching in Veitshöchheim stelle eine Art Franken vor, der "für intellektuelle Jugendliche eher abschreckend wirkt". Dem widersprach Speckle. Viele Künstler würden sich heute wieder zum Fränkischen bekennen. Sie nannte die Kabrettisten Urban Priol, Michl Müller und Erwin Pelzig, aber auch Musikgruppen wie die "häisd'n'däisd vomm mee", was durchaus auch bei der Jugend ankäme. Ein Diskussionsteilnehmer meinte, der fränkische Dialekt sei auch eine Art Widerstandsform gegen die bayerische Besetzung der Sprache.

Moderator Dominik Eichhorn richtete den Fokus aufs Theater und wollte wissen, welche Stücke denn in Mundart gespielt werden sollten? Die Themen von der Straße, die einen umtreiben, meinte Speckle. Das sei doch eher ein Problem von Angebot und Nachfrage, gab Tausendpfund zu bedenken. "Die Gruppen wollen etwas Seichtes." Ausgangspunkt sei der Zuschauer, meinte Dennert. Aber Stücke mit intellektuellem Anspruch müssten ja nicht zwangsläufig schwer und getragen sein, kam der Einwand aus dem Publikum. Er stehe auch zum romantisierenden Aspekt der Mundart, betonte Feser. Und Boas erzählte, dass er einmal von einem Syrer gefragt worden sei, warum er in Mundart schreibe. Seine Antwort gilt bis heute. "Weil sie ein Teil von mir ist." Ursula Lux