Das Urteil unseres Testers:

Sankt Petrus in Ketten beeindruckt alle Sinne. Durch die Architektur und die prunkvolle Ausstattung des Kirchenschiffs gelingt es, die Größe Gottes deutlich zu machen. Dazu tragen auch Kerzen, Weihrauch und etwa das Küssen des Evangeliums bei. Selbst Atheisten lässt sich ein Besuch der Kirche nahe legen. Mit Schnitzarbeiten und Gemälden gibt es genügend optische Anreize, die sich auch ohne den religiösen Aspekt betrachten lassen. Für Gläubige Katholiken bietet der Besuch einer Eucharistiefeier bei Pfarrer Hartmann Impulse und Denkanstöße für den Alltag.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg Noch bevor der Gottesdienst beginnt, verliest eine Laiin die Ankündigung, für welche verstorbenen Gemeindemitglieder die Messe gehalten wird. Erst danach zieht Pfarrer Stephan Hartmann mit seinen Messdienern zum ersten Lied ein. Das kraftvolle Orgelspiel erfüllt das komplette Kirchenschiff. Hartmanns Begrüßung und Einstieg in die Eucharistiefeier ist laut und klar verständlich. Als hilfreich erweist sich dabei die Beschallungsanlage. In regelmäßigen Abständen befinden sich Lautsprecherboxen an den Wänden des Kirchenschiffs, so dass selbst die stehenden Kirchenbesucher unter der Empore noch laut und deutlich verstehen, was gepredigt wird.

2. Musik Am Spieltisch saß ein Organist, der sein Handwerk verstand. Das fiel besonders während der Kommunion auf, als eine sanfte und andächtige Weise den heiligsten Moment des Gottesdiensts begleitete. Für Gänsehaut sorgte das Zusammenspiel zwischen dem Organisten, einem Vorsänger, den Gläubigen und Pfarrer Hartmann beim Halleluja Ruf vor dem Evangelium.

3. Lesung Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes trug die Gemeindeassistentin Annemarie Göbel vor. Gelesen wurde die Passage, in der bekannt wird, dass einzig das Lamm Gottes würdig genug ist, um das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen; weshalb dem Lamm Gottes von allen Heiligen, Engeln und Lebewesen Lobpreisungen vorgebracht wurden. Die Stimme von Göbel war klar und deutlich. Besonders eindringlich wirkte die Lesung auch wegen der guten Betonung der Gemeindeassistentin. Bei der Offenbarung des Johannes handelt es sich um ein Buch aus dem Neuen Testament, an dessen Ende der Sieg Jesu steht.

4. Predigt In seiner kurzen Predigt nahm Pfarrer Hartmann Bezug auf das Evangelium. Dort schlug Jesus den erfolglosen Jüngern vor, das Fischernetz auf der anderen Seite auszuwerfen. "In der Geschichte ist von Menschen die Rede, die das Gefühl haben, alles laufe ins Leere", fasste Hartmann die Passage zusammen. Seine Predigt war durchaus realitätsnah. Denn dabei handelte es sich um eine Situation, die sich manchmal im Alltag widerspiegelt. Die Lösung sei in solchen Situationen häufig ein Perspektivenwechsel.

5. Kommunion/Abendmahl Die Kommunion verteilten Pfarrer Hartmann und seine Kommunionhelfer gemeinsam in mehreren Reihen als Wandelkommunion. Dadurch war die Verteilung schnell abgeschlossen. Während des Rituals spielte die Orgel eine besinnliche Weise. Der ritenhafte Charakter der Eucharistiefeier wurde durch die persönliche Zwiesprache eines jeden Gläubigen mit Gott nach der Kommunion noch verstärkt.

6. Segen Der abschließende Segnungsspruch von Pfarrer Hartmann orientierte sich an der üblichen Form. Nach mehreren Strophen des Schlusslieds zieht der Pfarrer mit den Ministranten und der Gemeindeassistentin in die Sakristei. Erst danach sprechen die Gläubigen zusammen noch eine Schlussformel, in der sie ihre Verbindung zu Jesus bekräftigen. Nach einer Kniebeuge am Bankrand mit Blick in Richtung des Altarraums verlassen die Gläubigen die Kirche. Auf den Heimweg begeben sich viele Gottesdienstbesucher allerdings noch nicht. Stattdessen stehen sie noch eine Weile redend auf dem Vorplatz der Kirche.

7. Ambiente Der Innenraum von Sankt Petrus ist ein Genuss für das Auge. Schon wenige Schritte nach dem Hauptportal öffnet sich das Kirchenschiff nach oben. Die Deckenhöhe ist beeindruckend. Entlang der Wände finden sich zahlreiche Heilige - geschnitzt oder als Ölgemälde. Die Vergoldungen funkeln im Kerzenlicht. Die reichen Verzierungen setzen sich am Hochaltar in der Apsis fort. Dieser hat mehrere Stockwerke und ist pyramidal aufgebaut. Säulen bilden im Zentrum einen Rahmen um ein großes Ölgemälde des Gekreuzigten. Auf den Kapitellen befinden sich Engel, die ein weiteres Ölgemälde einrahmen. Den Altar schließt nach oben ein Wappen ab. Durch die Beleuchtung und die daraus resultierenden Schattenwürfe wirkt der Altar noch größer. Beeindruckend sind auch die vielen Kerzen, die eine feierliche Stimmung aufkommen lassen.

8. Kirchenbänke Die Holzbänke wirken durch die Verzierungen an den Bankwangen eher wie Kunstwerke. Stellt der Gottesdienstbesucher den Gedanken zurück und setzt sich, sind die Bänke erstaunlich bequem. Selbst beim Knien wird das Beten nicht unbequem: Kniepolster schützen vor Schmerzen.

9. Beleuchtung Die Lampen und Kerzen tauchen das Gotteshaus in ein feierliches Licht. Dadurch kommt die barocke Architektur und Ausstattung gut zur Geltung. Durch die hohe Decke der Kirche und die Schattenwürfe durch das Licht fühlt der Kirchenbesucher die Erhabenheit der sakralen Architektur von Sankt Petrus. Auch wenn im Kirchenschiff nur wenige Lampen hängen, reicht deren Leuchtkraft aus, um den kompletten Raum zu erhellen. Selbst unter der Empore lassen sich die Noten und Liedtexte im Gesangbuch noch problemlos erkennen.

10. Sinne Vor allem zwei Sinne werden beim Gottesdienstbesuch angesprochen: das Sehen und das Riechen. Überall am Zierrat der Kirche lassen sich immer wieder neue fein gearbeitete Details erkennen. Dabei liegt der Geruch von Wachs und Kerzenrauch in der Luft. Im Lauf des Gottesdiensts kommt noch der Duft von Weihrauch hinzu. Ein Fest für das Auge sind die Rauchschwaden, die um die Lampen von Sankt Petrus in Ketten wabern. Durch die Gerüche und die optischen Reize wird dem Besucher die Bedeutsamkeit der Eucharistiefeier bewusst.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter Gottesdiensttest gesammelt.