Zum zehnten Mal riefen die Oldtimerfreunde Hammelburg um Udo Stöth (Fuchsstadt) Freunde von Militärfahrzeugen zu einem Treffen auf. Aus dem ganzen Bundesgebiet kamen gut 120 Teilnehmer. Vom knapp 130 Kilogramm leichten Hercules-Motorrad der Bundeswehr aus den 1970er Jahren bis zum 12 Tonnen schweren US-Truck aus Vietnam-Kriegstagen war so allerhand dabei, was Militärtechnik-Geschichte schrieb.

Der älteste Wagen hat noch den Zweiten Weltkrieg erlebt. Es handelt sich um einen Willys-Jeep aus dem Jahr 1942. "Er ist treu wie ein Hund, stark wie ein Maultier und flink wie eine Bergziege", zitiert die Fachpresse US-Soldaten. Auch wegen solcher Eigenschaften werden die Sammlerstücke geschätzt. Und deshalb stellten bei dem friedlichen Aufmarsch in Hammelburg die Jeeps und deren Derivate unter anderem von Ford mit 60 Exemplaren den am stärksten vertretenen Fahrzeugtyp da.

Transporter zu Wohnmobilen

Chromglanz hat beim stilechten Leben im Feld keinen Platz. Möglichst olivfarben und robust sollte alles sein. Nicht nur beim Autolack. Die Teilnehmer ab dem zarten Kindesalter bis ins Rentenalter mögen die militärische Lager-Ästhetik unter Zeltplanen und Tarnnetzen. Zelte, Betten, Kochgeschirr, Besteck und die Klamotten: Erlaubt ist alles, was zweckmäßig ist. Auf diese Weise mutiert mancher Militärtransporter sogar zum Wohnmobil.

Udo Stöth managt daheim selbst einen kleinen Fuhrpark aus drei Jeeps und einem schwimmfähigen Gelenkfahrzeug (Gama Goat). Zum Treffen ist der 48-Jährige nur mit einem Jeep da. Das Hobby sei aufwendig, räumt er ein: "Beim Stehen geht an den Autos viel kaputt", sagt er. Ihn geht es wie etlichen anderen, die stark eingebunden sind. Manchmal kommt er auf gerade mal auf 50 Kilometer Strecke pro Fahrzeug im Jahr.

Eines ist dem Sammler besonders wichtig: "Wir betreiben hier keine Kriegsverherrlichung", stellt er klar. Rechtsradikalen zeigen die Liebhaber der aufbereiteten Wehrtechnik die kalte Schulter. Tatsächlich bot das Lagerleben ein zwangloses Bild und eher Rock'n'Roll. Die Liebe zur Technik kennt keine Grenzen. Der UAZ-Geländewagen aus russischer Produktion parkt einträchtig neben dem Saurer-Laster aus der Schweiz mit der langen Motorhaube. Die Fahrzeug-Ansammlung spiegelt auch einen Trend in der Szene wider. "Weniger Oldtimer und mehr modernere Technik", sagt Udo Stöth. Ein besonderes Objekt der Begierde ist aktuell der Hummer. Ein gedrungener US-Geländewagen mit breitem Radstand für gute Geländegängigkeit. Am liebsten noch mit aller Elektronik an Bord, bis hin zu den Computermonitoren für die Gefechtsfeldbeobachtung. Ein Motor mit 6,9 Litern Hubraum und 180 PS unter der Haube sorgt für ein lässiges Lebensgefühl.

Auf der Anfahrt via Autobahn wird man bei Geschwindigkeiten zwischen 60 und 80 Stundenkilometern schnell zum Hingucker. Trotzdem nehmen die Teilnehmer selbst hunderte Kilometer Anfahrt gerne auf sich. Da ist man bei 400 Kilometern Strecke schon mal mit 250 Euro Spritkosten dabei. Trotzdem ziehe die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen auf dem Markt spürbar an. Ab 25 000 Euro geht es bei den gebrauchten Hummer los, bevor man überhaupt erst mit dem Schrauben anfangen darf.

Hammelburg ist den Teilnehmern auch deshalb eine Reise wert, weil die Stadt mit dem Jugendzeltplatz in herrlicher Lage und dem nahen Truppenübungsplatz eine hervorragende Infrastruktur bietet. Und: "Die Treffen werden immer weniger", weiß Udo Stöth. Zunehmende Sicherheitsauflagen machen den Veranstaltern zu schaffen.

Neuauflage 2020 geplant

Trotzdem wünschen sich die Oldtimerfreunde Hammelburg Verstärkung. Obwohl Hammelburg Bundeswehrstandort ist, halte sich das Interesse am Besitz von alten Militärfahrzeugen in Grenzen. Zwar drehten einige ehemalige Soldaten in Erinnerung an ihre Dienstzeit mit glänzenden Augen ein paar Runden auf dem Zeltplatz, aber die Hürde für die Anschaffung scheint zu groß. "Zum Mitmachen braucht es wenig", verspricht Manfred Burkard (Bamberg). Ein Zelt oder zum Beispiel eine alte Hercules für 1500 Euro reichen, um dabei zu sein. Vielleicht schon 2020, wenn wenn es wieder so ein Treffen geben soll?

Ein Höhepunkt wird dann sicher wieder die gemeinsame Ausfahrt auf dem Truppenübungsplatz. Dort bekommen die liebevoll gepflegten Objekte schweres Gelände unter die Räder. Viele Teilnehmer sind dort gerne dabei, andere winken freundlich winken ab. Manchen ist die liebevoll hergerichtete Technik für solche Experimente inzwischen einfach zu schade.