Die Beseitigung eines Rotmilan-Horstes Ende März in der Gemarkung Stralsbach nimmt das Landratsamt nicht auf die leichte Schulter. Schließlich hatte die Aktion für erheblichen Wirbel gesorgt. Es soll nun mehr getan werden, um alle Beteiligten für den Artenschutz zu sensibilisieren und künftig ähnliche Fehler zu vermeiden.
Jetzt sei es zu einem Aufklärungsgespräch zwischen dem zuständigen Revierleiter, der Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Juristen des Landratsamtes gekommen, heißt es in einer Mitteilung auf Anfrage der Redaktion. Bei dem Gespräch habe der Revierleiter die schwierige Waldbewirtschaftung wegen zu warmen und feuchten Wetters angeführt. Zusätzlich habe es, verursacht durch den Wintersturm Friderike Mitte Januar, bei der Aufarbeitung des Windbruchs Konflikte mit dem engen Hiebzeitfenster und der Schutzzeit von Horststandorten ab 1. Februar gegeben.


Forstarbeiter sensibilisieren

Alles in allem räumte der zuständige Revierleiter Fehler bei der Ausführung der Waldarbeiten ein und bedauerte das Nichtmelden der Umstände, so das Landratsamt. Es habe sich herausgestellt, dass der betroffene Horst zwar durch den Wintersturm Friderike beschädigt wurde, die komplette Zerstörung aber erst durch unsachgemäßes Handeln bei den Fällarbeiten eintrat.
Nach Überprüfung verzichtet die Untere Naturschutzbehörde auf eine Anzeigen wegen der Zerstörung von Lebensstätten. Zumal der Rotmilan an einem nahe gelegenen Ausweichhorst aktuell einen Brutversuch unternehme. Um noch das Beste aus der Situation zu machen, trafen laut Mitteilung des Landratsamtes das Amt für Landwirtschaft und die Untere Naturschutzbehörde mehrere Vereinbarungen. Das eingeschlagene Holz bleibt demnach bis Ende Juli nach Abschluss der Bruttätigkeiten liegen. Um die Beeinträchtigung von Lebensstätten des Rotmilans künftig zu vermeiden, sollen Forstarbeiter, Gemeinden und Waldnutzer sensibilisiert werden. Dafür genutzt werden sollen Mitgliederversammlungen und der Waldbote. Dabei handelt es sich um ein Info-Blatt der Forstbetriebsgemeinschaft Rhön-Saale. Gedacht ist auch an Schulung von Forstarbeitern.
Aber die Konsequenzen reichen noch weiter. Um den Verlust des Horstes auszugleichen, solle in Absprache mit dem Markt Burkardroth ein Kunsthorst angelegt werden.
Ergänzend sollen in Absprache mit der Gemeinde mehrere potenzielle Horstbäumen im Nahbereich des ehemaligen Horstes aus der Nutzung genommen werden.
Grundsätzlich bekräftigt die Pressestelle des Landratsamtes: Der Rotmilan sei die Charakterart der Rhön. Daher müssten alle Anstrengungen unternommen werden, diesen seltenen, majestätischen Greifvogel und seine Lebensräume zu erhalten. dübi