Frostig war es, als ein buntes Trüppchen älterer Herren aus Neuwirtshaus und Schwärzelbach jetzt eine Lichtung im Neuwirtshäuser Wald bevölkerte. Mit halbrunden Pflanzspaten stachen sie Löcher in den festen Boden, um dann in gebückter Haltung kleine Eichen-Setzlinge dort zu verankern. 1500 neue Bäume sollen auf diese Weise anwachsen und den Bestand für den Klimawandel fit machen.

"Hier schließt sich ein Kreislauf", freute sich Revierleiter Gerhard Wagenmann mit Blick auf die ehrenamtlichen Waldarbeiter. Es handelte sich um die Wandergruppe des FC Schwärzelbach, die als weiteres Hobby den Kohlenmeiler betreut. Weil die Männer dem Wald dafür Holz entnehmen dürfen, hielten sie es für naheliegend, der Natur etwas zurückzugeben.

Dreimal im Jahr ist es soweit

Stubenhockerei ist sowieso nicht das Ding der Ruheständler im Alter zwischen 65 und 75 Jahren. Dreimal im Jahr schüren die Männer den Kohlenmeiler an. Pro Füllung verschwelen sie dann 4,5 Ster Holz zu Holzkohle. 48 Stunden brennt und glüht das Material dazu in der Brennkammer. Rund um die Uhr muss dabei die Belüftung reguliert werden.

"Das schafft eine schöne Gemeinschaft" , beschreibt Theodor Busch den Lohn der Mühe. Busch hat 40 Jahre für den Staatsforst gearbeitet und ist jetzt im Ruhestand der Verbindungsmann des Kohlenmeiler-Teams zu den aktiven Forstleuten. Beschäftigung bietet auch der Verkauf der Holzkohle für gute Zwecke. Der Erlös kam schon dem Kindergarten zugute. Doch auch anderswo wird Hand angelegt. So wurden die Urnengräber im Friedhof in Schwärzelbach überarbeitet und ein barrierefreier Zugang zur Kirche geschaffen.

Weil Arbeit allein nicht glücklich macht, brechen die aktiven Senioren alle zwei Wochen zu einer Wanderung in die heimische Flur auf. "Natürlich haben wir auch auf diese Weise einen besonderen Bezug zum Wald", beschreibt Theodor Busch die Motivation für die Pflanzaktion. Spontan sei deshalb der Vorschlag gekommen, den Staatlichen Forstbetrieb auf einer 0,2 Hektar großen Fläche zu unterstützen. Dem Staatsbetrieb kam das Angebot sehr gelegen. Denn der Wald braucht dringend Hilfe. Die trockenen und warmen Sommer 2018 und 2019 haben Spuren hinterlassen. An vielen Stellen ist die Fichte durch den Borkenkäfer ausgefallen, einzelne Stürme haben Fichtenbestände zerstört. "In den letzten beiden Jahren hatten wir etwa zehnmal soviel kaputte Fichten wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre", beschreibt Gerhard Wagenmann das Dilemma.

Zwar wachsen junge Bäume zu zwei Dritteln unter dem Blätterdach von selbst nach. Aber es gibt immer wieder kahle Flächen, die nun Zug um Zug durch aufwändige Handarbeit bepflanzt werden müssen. Dabei bauen die Verantwortlichen auf klimatolerante Sorten, wie Eichen, Tannen sowie Douglasien, Esskastanien und Roteichen. Im Neuwirtshäuser Forst soll es die Eiche richten. Die heimische Baumart komme am besten mit dem künftigen Klima zurecht, erklärt Wagenmann. Sie braucht beim Aufwuchs allerdings viel Licht. Aber gerade an schwierigen Standorten, wie eben hier, sind Eichen mit tiefgehenden Wurzeln besser geeignet als andere Sorten. Zudem verfügt der Forstbetrieb nach dem Eichen-Mastjahr 2018 über ausreichendes Pflanzmaterial, das man in der unternehmenseigenen Baumschule in Bayreuth hat nachziehen lassen.

Das Forstamt spricht vom Klimawald der Zukunft, der für den Kohlendioxid-Abbau unverzichtbare Dienste leistet. Ob aber alle Bäume gedeihen, die das Kohlenmeiler-Team gesetzt hat, ist noch offen. Die Chancen reichen vom hundertprozentigen Ergrünen bis zum Totalausfall durch Trockenheit. "Erst in drei bis fünf Jahren sind die Pflanzen aus dem Gröbsten raus", weiß Revierleiter Gerhard Wagenmann. Gar nicht vorstellen mag er sich, dass 2020 genauso regenarm wird wie die beiden vorhergehenden Jahre. Das Kohlenmeiler-Team ist gespannt, wie sich die Arbeit für die Natur auszahlt. Erfüllung bot sie bereits. Obendrein lud der Forstbetrieb zum Dank für die geleistete Unterstützung zum Wildgulasch an den bollernden Ofen in die Kohlenmeiler-Hütte ein. Wolfgang Dünnebier

Der Kohlenmeiler

Er entstand 1942, um bei der herrschenden Rohstoffknappheit Holzvergaser-Autos mit Treibstoff zu versorgen. Regelmäßig betrieben wurde er bis Anfang der 1950er Jahre. 1981 ließ ihn das Forstamt erstmals restaurieren. 2016 investierte die Wanderabteilung des FC Schwärzelbach 200 Stunden, um die Anlage wieder auf Vordermann zu bringen. Herbert Kohlhepp mauerte die Brennkammer neu aus. Die nahe Waldabteilung Kohlstatt erinnerte an jene Zeit, als es in dem Wald viele Kohlenmeiler gab. Holzkohle wird seit 7000 Jahren zur Herstellung und Verarbeitung von Kupfer, Metall und Glas verwendet.