Der städtische Bauausschuss hatte keine entscheidenden Vorbehalte gegen die Pläne, aus dem ehemaligen Kinderkurheim St. Josef ein Hotel oder eine Wohnanlage zu machen. Viele Anwohner haben solche Vorbehalte aber sehr wohl. Eine Eingabe gegen das Projekt trägt nach Angaben der Initiatorin an die 100 Unterschriften.

Kindheitserinnerungen

Kristina Renninger verbindet mit dem am obersten Rand der Bebauung am Stationsberg gelegenen Haus viele Kindheitserinnerungen. Sie selbst wohnt zwar jetzt in Ostheim, aufgewachsen aber ist sie am Beginn des Fußwegs und des Sträßchens, die Besucher, Beschäftigte und Lieferanten einst hoch zum Kinderheim brachten. Ihre Mutter lebt noch heute dort. In der bereits formulierten Eingabe an Stadt und Bauausschuss kritisiert Kristina Renninger, dass aus ihrer Sicht eine Baugenehmigung aus den 1920-er Jahren für ein Kinderkurheim "in keinster Weise eine Grundlage für eine Nutzungsänderung in ein Hotel oder eine Wohnbebauung" darstelle. Es handle sich da um ein Grundstück, das "komplett im Außenbereich" liege, "in einem von Spazierwegen umgebenen Waldgebiet".

Naherholungsgebiet

Wer dort wohne, ergänzt sie im Gespräch, tue das wegen der Ruhe und der Natur. Viele Menschen nutzten den Wald als Naherholungsgebiet. Für Tiere bedeute der Bereich "ein Stück Ruhe und Friedlichkeit".

Sie frage sich, ob die Stadt noch nichts gehört habe, "von Innenentwicklung und sparsamem Umgang mit Naturressourcen". Ein Hotelbetrieb mit 110 Betten, mit "den entsprechenden An- und Abfahrten, dem Lieferverkehr, dem Personal und allem anderen, was dazu gehört", auch Veranstaltungen, das seien alles "Dinge, die dann jederzeit Wald und Berg mit Anwohnern beschallen".

"Total erschreckend" findet sie, dass es jetzt "auf einmal so leicht geht", die enge Zufahrt zu verbreitern. Die Ordensschwestern, die früher das Kinderkurheim betrieben, hätten lange für ein solches Anliegen gekämpft. Jetzt sei es nicht einmal ein Problem, für das Projekt die denkmalgeschützten Stationen des Kreuzwegs zu versetzen.

So oder so ein massiver Einschnitt

Dass man das Anwesen nicht einfach so stehen lassen kann, ist Kristina Renninger klar. Der Verfall des Gebäudes sei nicht mehr aufzuhalten. Dennoch haben nach ihrer Einschätzung viele Anwohner das Anliegen, das Gebäude zurückzubauen und die Fläche der Natur zurückzugeben. Wenn überhaupt, fänden manche Anwohner vermutlich Wohnnutzung weniger schädlich als Hotelnutzung. Einen "massiven Einschnitt" stelle aber das eine wie das andere dar.

Dabei brauche die Stadt "kein weiteres Hotel oder exklusive Wohneinheiten" mehr. Stünden nicht zahlreiche alte Gebäude, Hotels und Sanatorien leer? Auch die als Alternative geplanten 50 Wohneinheiten seien sicher nicht für den Normalbürger gedacht. Der sei bestimmt nicht in der Lage, die Kosten für solche Apartments zu tragen, "denn die Wohnlage ist einmalig in der Natur Bad Kissingens".

Grundsätzlich blute ihr das Herz beim Gedanken daran, was in den vergangenen 15 Jahren mit dem durch Vandalismus stark in Mitleidenschaft gezogenen Anwesen passiert ist. Sinnlose Zerstörung "zu jeder Tages- und Nachtzeit", begleitet von Hilflosigkeit bei Stadtverwaltung und Polizeibehörde brachten das Anwesen in den Zustand, der heute zu beklagen ist.

Unterschriften und Eingabe sollen in den nächsten Tagen an die Stadt übergeben werden, sagt Kristina Renninger im Gespräch mit dieser Redaktion. Die ursprünglich erhoffte rechtliche Wirkung könne sich daraus aber nicht mehr ergeben, ergänzt sie. Wie berichtet, hat die Stadtverwaltung bereits mitgeteilt, dass der vom Bauausschuss einstimmig gefasste Beschluss über die Bauvoranfrage für das Projekt bereits zu einem positiven Bescheid geführt hat.

Klagen angekündigt

Wenn die Anwohner noch etwas gegen das Projekt erreichen wollen, müssen sie hauptsächlich auf den Rechtsweg setzen, was nach Angaben von Kristina Renninger einige auch schon vorbereiten. Sie gehe davon aus, dass mehrere Anwohner klagen. Zwei Anwälte, erzählt sie, hätten vor diesem Hintergrund bereits "Akteneinsicht" beantragt.

Wie berichtet, will ein unbekannter Investor, nach einem Teilabriss, an der Stelle des Kinderkurheims ein Hotel oder ein Wohnhaus mit rund 50 Wohneinheiten schaffen. Das Hotel soll nach Angaben der Stadtplanung rund 110 Zimmer und ein kleines Restaurant haben. Bei der Alternative dazu, dem Wohnhaus, ist an 50 Zweizimmer- und Einzimmerwohnungen gedacht.

Blick in die Geschichte

Baurechtlich seien beide Varianten möglich, erklärte die Stadtplanung Anfang Februar dem Bauausschuss des Stadtrats. Wohnnutzung sei sowieso möglich, ein Beherbergungsbetrieb ausnahmsweise zulässig.

Entscheidende Voraussetzung sei aber, dass "eine ausreichende Erschließung gesichert ist". So wie die schmale Erschließungsstraße jetzt ist, reichte sie aus Sicht der Stadtplanung vielleicht für den früheren Betrieb eines Kinderkurheims aus. Die drei Meter Breite ohne Wendemöglichkeit genügten aber nicht für beide Varianten der Zukunftspläne. far