Lautstarker Protest gegen den am Aschacher Kreisverkehr geplanten Einkaufsmarkt blieb bei der Bürgerversammlung aus. Es wurden jedoch am Mittwoch zahlreiche tiefergehende Fragen gestellt, zum Beispiel zu möglichem Lärm durch den Lieferverkehr oder bezüglich der für Friedhofsbesucher zur Verfügung stehenden Parkplätze. Es waren auch ein paar ablehnende Positionen zu hören. Dass rund 250 Leute - darunter großenteils Aschacher, aber auch Einwohner aus den anderen Ortsteilen des Marktes - den Weg in die Zehnthalle fanden, zeigt, dass der angekündigte Großmarkt für die Bürger ein großes Thema ist.

43 Prozent der bayerischen Kommunen haben derzeit keine klassische Nahversorgung mehr, sagte Bürgermeister Andreas Sandwall. Einkaufsmärkte seien jedoch gerade in solchen Regionen wichtig, in denen viele ältere Menschen leben und nicht jeder ein Auto hat, um woandershin zum Einkaufen zu fahren. "Bad Bocklet ist eine aufstrebende Gemeinde. Hier tut sich was, während woanders Stillstand herrscht", so der Bürgermeister. Viele Menschen blieben hier oder zögen hierher, weil der Markt eine gute Infrastruktur habe. "Diesen Trend wollen wir erhalten."

Argument Mehrwert

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Die Vorteile liegen für Sandwall auf der Hand: Durch den neuen Einkaufsmarkt gebe es zusätzliche Arbeitsplätze. Für die Ortsteile der Marktgemeinde sei künftig eine "hochwertige Nahversorgung" gewährleistet. Auch Touristen würden, neben den Einheimischen, den Mehrwert spüren. Zudem binde ein Einkaufsmarkt Kaufkraft, die sonst in benachbarte Märkte fließen würde, in der Kommune. Davon abgesehen fließe neue Kaufkraft von außen zu.

Matthias Berneker von der Rewe-Gruppe (Köln) ging auf Struktur und Betreiberkonzept des geplanten Marktes ein. Im Gegensatz zum kleineren Discounter (mit hierzulande durchschnittlich 5000 Produkten) will Rewe im Vollsortimenter in Aschach etwa 15 000 Produkte anbieten. Die reine Verkaufsfläche soll, nach Angaben des Expansionsmanagers, 1200 Quadratmeter groß sein, 400 Quadratmeter Getränkemarkt werden sich anschließen. Zudem werden eine Metzgerei und eine Bäckerei mit Café integriert.

Wichtige Verkehrsflüsse

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Mit der Marktgemeinde Bad Bocklet habe sich Rewe eine "wirtschaftlich prosperierende" Kommune ausgesucht, die eine "gesunde Bevölkerungsentwicklung" aufweist, sagte Berneker. Die für Rewe tätige Projektentwicklungsgesellschaft Rosbo (Würzburg) habe sich die wichtigsten Verkehrsflüsse angeschaut und dann den Aschacher Kreisel als günstigsten Standort angesehen. "Die Hauptfrequenz geht von Bad Kissingen aus, am Aschacher Kreisel teilt sich der Verkehr mit einer Achse Richtung Burkardroth."

Rosbo habe sich, was den Standort des Einkaufsmarkts angeht, auch mit der Siedlungsstruktur in den Ortschaften beschäftigt. Aschach, Bad Bocklet und Großenbrach sind mit 3300 Einwohnern stärker besiedelt als der nördliche Teil der Marktgemeinde (2200 Einwohner). "Wir haben uns für den Süden entschieden, weil wir im Einzugsgebiet 3000 bis 4000 Einwohner brauchen, damit der Markt wirtschaftlich sein kann."

Berneker streifte zudem die Green Building Architektur des künftigen Marktgebäudes. Durch das zertifizierte, nachhaltige Baukonzept spart man im Gebäude rund 40 Prozent Energie im Vergleich zu einem Standardbau. Dafür sorgen der Einsatz von modernster Heizungs-, Lüftungs- und Beleuchtungstechnik, energieeffiziente Kälteanlagen und eine wirksame Dämmung. Mit dem neuen Markt sei die Nahversorgung für Aschach langfristig gesichert, so der Rewe-Manager. Es gebe einen Festvertrag zunächst über 15 Jahre, der üblicherweise weitere 15 Jahre verlängert werde. Mit der zusätzlichen Kaufkraft könne Aschach einen Mehrwert verbuchen. Dazu zählt Berneker auch 20 neue Arbeitsplätze und Stellen für drei Auszubildende. Für das Vorhaben wollen Rewe und Rosbo insgesamt sechs Millionen Euro investieren - ohne Inventar und Waren.

Einige Bürger befürchten offenbar, so Bürgermeister Sandwall, dass der geplante Vollsortimenter sich negativ auf die Geschäfte der bestehenden Discounter Netto (Bad Bocklet) und Penny (Großenbrach) auswirken könnte. Berneker konnte nur für den Penny-Markt sprechen, der eine Rewe-Tochter ist. Das Management rechne dort durchaus mit einem "minimalen Umsatzrückgang".

Walter Hein (Aschach) wollte wissen, ob die Außenflächen des Marktes begrünt werden und die Parkplätze für Friedhofsbesucher wegfallen. Architekt Martin Giedl stellte das Projekt vor und sprach von 100 Parkplätzen, die natürlich auch Friedhofsbesucher jederzeit nutzen können. Zudem sollen dort später auch ein paar Bäume gepflanzt werden. Ein anderer Bürger konnte sich nicht damit anfreunden, dass für diesen Einkaufsmarkt eine große Fläche Land verschwindet.

Für das bebaute Land müsse die Kommune ja Ausgleichsflächen anlegen, erwiderte der Bürgermeister. Später meldete sich zu diesem Thema noch Gemeinderat Mario Hümpfer (FCW) zu Wort: Ausgleichsflächen hin oder her, er tue sich schwer, seine Zustimmung für den neuen Einkaufsmarkt zu geben. "Denn da wird doch ein Dreiviertelhektar zubetoniert."

Auch nach dem Lärm des Lieferverkehrs wurde gefragt und ob man diesen bei einer Beerdigung nebenan auf dem Friedhof hören wird. Der Schallschutz werde von einem Gutachter begleitet, hieß es. Zudem müssen die Dieselmotoren der neusten Lkw-Modelle nicht mehr im Stand weiterlaufen, sagte Berneker. So dass eher die auf der Staatsstraße vorbeifahrenden Autos bei einer Beerdigung stören könnten, als die anliefernden Lkw-Züge.

Welcher Bäcker zieht in den Großmarkt ein? Kann sich denn ein regionaler Metzger dort ansiedeln? Die Bürger hatten etliche Fragen. Für ältere Aschacher könne der neue Markt ein Segen sein, sagte Seniorenbeauftragte Inge Markert. Denn nicht jeder fahre mehr Auto und könne nun zum Einkaufen laufen. Auch andere Bürger sahen Vorteile, denn man könne dann ja auch das Einkaufen im neuen Markt damit verbinden, dass man mal auf den Friedhof geht. Und schließlich könnte sich das Bäcker-Café vielleicht auch zu einem sozialen Treffpunkt entwickeln, sagte der frühere Gemeinderat Martin Schulze. ikr