Gut eine Million Euro Leader-Mittel sind in den Jahren 2013 bis 2020 für förderwürdige Projekte im Landkreis in Aussicht gestellt, sagte Landrat Thomas Bold beim Pressegespräch. Drei Bescheide über insgesamt 308 000 Euro wurden im Landratsamt übergeben.
Der Sulzthaler Reit- und Fahrverein bekommt 89 000 Euro für ein Vielseitigkeitszentrum für den Nachwuchs. Das Dominikus-Ringeisen-Werk Maria Bildhausen hegt Pläne für ein Zelt-Schullandheim und kann mit einer Leader-Förderung von 99 000 Euro rechnen. Der Bezirk Unterfranken hat ein hochmodernes Konzept für seine Dauerausstellung im Aschacher Graf-Luxburg-Museum entwickelt und bekommt 120 000 Euro aus dem Fördertopf. Das Leader-Programm hält Landrat Bold für ideal, um Projekte auf den Weg zu bringen, die sonst keine Chance hätten. Denn Vereine und Verbände täten sich oft mit der Finanzierung größerer Unternehmungen schwer, weiß Bold. Das Geld ist die eine Seite, das Engagement der Beteiligten die andere.
Denn natürlich müssen hinter den Projekten Menschen stehen, die sich engagieren. Zum Glück gingen den Akteuren im Landkreis bisher die Ideen nicht aus, sagt Bold mit Blick auf die Projektliste der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Bad Kissingen. "Ja, hier in Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld läuft's recht gut", lobte Klaus Klingert, Vorsitzender des Bad Neustädter Amts für Landwirtschaft, der die Bescheide überreichte.
Hans-Jürgen Bühner stellte den Reit- und Fahrverein und die Pläne für das Vielseitigkeitszentrum in Sulzthal vor. Der Verein wurde 1950 gegründet und hat heute 170 Mitglieder, davon 70 Aktive und 35 Nachwuchs-Reiter. Seit 1990 trainiert der Verein auf dem Platz "Auf der Steige", sagt Bühner.
Der Schwerpunkt liege dabei auf der Ausbildung Jugendlicher durch qualifizierte Trainer. Die Sulzthaler stellten unter anderem bereits eine deutsche und auch zwei bayerische Vielseitigkeitsmeisterschaften. Geplant ist jetzt ein neuer Reit- und Springplatz mit Umzäunung und Zisterne. Zudem müsse das Gelände ertüchtigt und die Halle erweitert werden, führte Bühner aus. Neue Hindernisse und ein Spezialgerät für die Platzpflege sind ebenfalls vonnöten. Internationale Turniere wollen die Sulzthaler bewusst nicht ausrichten, denn der Fokus liege auf der Ausbildung junger Leute.
Im Garten des ehemaligen Klosters Maria Bildhausen wird demnächst ein Zelt-Schullandheim entstehen. Pläne dazu existieren schon länger. Seit kurzem ist Projektmanagerin Lina Klinger damit beschäftigt, die interessante Verbindung zwischen Schullandheim und Zeltlager in die Praxis zu übertragen.
Unter anderem hofft man, dass die Jugendlichen im Alter von 14 oder 15 Jahren soziale Kompetenzen erlernen, sagt Klinger. In mehreren Unterrichtseinheiten geht es um die bewegte Geschichte Maria Bildhausens und die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Und wer weiß, vielleicht finden die Schüler, die ja in der Berufsfindungsphase stecken, nach einem Aufenthalt dort sogar Gefallen an einem sozialen Beruf. Für den Zeltplatz muss nun die notwendige Ausstattung angeschafft werden, erklärt der stellvertretende Gesamtleiter des Dominikus-Ringeisen-Werks, Michael Nowotny. Dabei geht es neben Zelten um Sanitär-Container, eine Küche und einen Grillplatz.


Eigene App entwickelt

Offensichtlich habe man anerkannt, dass Schloss Aschach die Leader-Fördermittel verdient, freute sich Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Denn schließlich investierte der Bezirk in Aschach im großen Stil. Bereits sechs bis sieben Millionen Euro sind, laut Dotzel, in die Infrastruktur des Schlosses geflossen.
Das Schloss ist seit 62 Jahren im Besitz des Bezirks. Genauso lange sei die museale Ausstattung nicht verändert worden, so Dotzel. Künftig sollen die Wohnräume nun mit ihren Exponaten neu inszeniert werden. An einigen Stellen findet der Besucher Medienstationen, mit Hilfe derer er die Mitglieder der Familie und die Bediensteten selbst "erleben" kann. Hierzu wird eine eigene App entwickelt, sagt der Bezirkstagspräsident nicht ohne Stolz. "Es wird ein Pilotprojekt für die Zukunft."
Mit dem neuen Aufzug wird das Schloss auch barrierefrei. "Wir wollen neue Besucherschichten gewinnen und identitätsstiftend für die Leute vor Ort werden", umreißt Museumsleiterin Simone Glöckner die Ziele. "Wir wollen eine moderne, lebendige Ausstellung schaffen." Isolde Krapf