Professor Hubert Röder von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat ein Gutachten erstellt. Seine Befürchtungen für die Holzwirtschaft sind gravierend."Wir brauchen nicht das Prädikat eines Nationalparks", sagte Professor Hubert Röder (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf), der auf Einladung des Vereins "Unsere Rhön - gemeinsam stark" nach Schönau gekommen war, um sein Gutachten vorzustellen.
Das Sportheim Schönau war nahezu voll besetzt. Viele Bürger aus den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen waren gekommen, um die Ausführungen von Röder zu hören. Die Vorstandschaft des 562 Mitglieder starken Vereins mit den Vorsitzenden Daniel Wehner, Erwin Kruczek und Edgar Thomas freute sich unter den Gästen auch den stellvertretenden Landrat Peter Suckfüll und Landtagsabgeordneten Sandro Kichner sowie zahlreiche Bürgermeister begrüßen zu können. Schönaus Bürgermeister Rudi Zehe sowie Peter Suckfüll betonten die Notwendigkeit, möglichst viele Informationen zum Thema Nationalpark zu bekommen.
Bedauert wurde, dass die Umweltministerin Ulrike Scharf das vorliegende Gutachten von Röder nicht zur Kenntnis nehme und ausschließlich mit den Zahlen der von ihr in Auftrag gegebenen Evaluierung arbeite. Sandro Kirchner hat dazu eine eindeutige Meinung: "Wenn ein Professor der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ein Gutachten erstellt, sollte es vom Freistaat zur Kenntnis genommen werden".
Durch einen Nationalpark wären die Arbeitsplätze von 545 Beschäftigten gefährdet, es drohe ein Umsatzrückgang von 96 Millionen Euro, erklärte Gutachter Röder. In der Rhön, vor allem im Landkreis Bad Kissingen, sei es mit 6,9 Prozent ein sehr wichtiger Arbeitsmarkt. Der Anteil am Gesamtumsatz betrage 15,5 Prozent. "Das bedeutet jeder siebte Euro, der über den Tisch gehe, hat mit Holz zu tun." Eine Stilllegung der Waldflächen in der Rhön führe kurzfristig zu einem Verlust nachhaltiger Wertschöpfung und qualifizierter Arbeitsplätze.
Die im Gutachten des Staatsministeriums prognostizierte Entwicklung des Tourismus über das bestehende Maß (Biosphärenreservat) hinaus durch einen möglichen dritten Nationalpark ab 2030 erscheint Röder fraglich. Aus naturschutzfachlicher Sicht seien durch einen Nationalpark keine positiven Entwicklungen zu erwarten. Im Gegenteil, erst durch nachhaltige naturnahe Forstwirtschaft mit integriertem Naturschutz werde eine multifunktionelle Vielfalt auf der gesamten Waldfläche in Bayern geschaffen.
Zu den Schwerpunkten in der Rhön zähle die Freihaltung von Offenlandflächen und Wiesentälern, die Pflege von Quellgebieten, Mooren und Blockhalden, das Totholz- und Biotopbaumprogramm sowie die Förderung von Horstbäumen und Alteichen.
"In der Kernzone eines Nationalparks würden diese Maßnahmen voraussichtlich nicht mehr stattfinden", so Röder. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung mit gesteigerter Holzverwendung führe zu hohen Klimaschutzeffekten und nachhaltiger Wertschöpfung im ländlichen Raum. "Die nachhaltige Nutzung des Waldes im Zielgebiet Rhön entlastet die Atmosphäre um 46 464 Tonnen CO2 pro Jahr. Dies entspricht einer Stilllegung von 31.000 Mittelklasse Pkw jährlich," betonte Röder.
Auch das Kapitel Klimaschutzeffekte beinhalte das Gutachten des Staatsministeriums nicht. Ein Verzicht auf die Holznutzung in Bayern führe zu mehr Holzimporten (zum Beispiel aus Osteuropa). Dort seien wesentlich größere Flächen zur Bereitstellung vergleichbarer Holzmengen notwendig bei deutlich niedrigeren Umwelt-Standards. Nur durch 300 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft sei der Wald in Bayern so reich und vielfältig geworden.
Professor Röder ist Sprecher für das Cluster Forst und Holz in Bayern sowie Leiter des Fachgebiets für Betriebswirtschaftslehre Nachwachsender Rohstoffe der Hochschule Weihenstephan Triesdorf. Er hat im Auftrag des Bayerischen Bauernverbandes, des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, der Bayerischen Papierverbände und der Familienbetriebe Land und Forst Bayern das Gutachten erstellt, in dem die "Auswirkungen eines möglichen dritten Nationalparks in der Rhön auf die Forst- und Holzwirtschaft und den Klimaschutz in Bayern" untersucht werden.
Bei dem von der Staatsregierung in Auftrag gegebene Gutachten handele es sich um eine sozioökonomische Evaluierung, die nahezu ausschließlich den touristischen Aspekt berücksichtige, aber nicht in ausreichender Weise die Belange des Forstes und der Holzwirtschaft, erklärte der Referent.