"Ich bin gerne Bürgermeisterin", sagt Patricia Schießer, "weil ich da sehr viel gestalten kann." Deswegen strebt die 57-Jährige eine zweite Amtszeit an. Und dies, obwohl sie im Falle einer Wiederwahl, statt bisher hauptamtlich, künftig dann ehrenamtlich wirken müsste.

Ein Bürgerentscheid hatte sich 2019 deutlich für diese finanzielle Rückstufung ausgesprochen. "Das muss man akzeptieren", gibt sich Schießer äußerlich gelassen.

Diskussion ist wichtig

Gut könne sie damit leben, dass im Gemeinderat auch mal heftiger diskutiert wird, sagt sie. Diskussion sei wichtig. Aus dem eigenen Standpunkt heraus könne man bei einem Thema nicht alle Seiten überschauen. Aber seit der Auseinandersetzung um den Status des Bürgermeisteramtes sei die Stimmung im Gemeinderat etwas angespannter. "Ich hoffe, dass dies nach der Wahl wieder auf ein Normalmaß zurückgefahren wird", so die Amtsinhaberin.

Schließlich gelte es, die Potenziale Euerdorfs gemeinsam weiterzuentwickeln. In früheren Jahrhunderten habe der Ort mit seiner Lage an wichtigen Handelsstraßen und als Gerichtsort eine wichtige zentrale Funktion gehabt. Die Spuren davon seien allgegenwärtig. Heute profitiere man von den wichtigen Gewerbebetrieben am Ort, die dem Markt wichtige Einnahmen bescheren. Ihnen weiterhin einen passenden Rahmen zu bieten, sei eine wichtige Aufgabe. "In Elfershausen haben wir gesehen, wie schnell es gehen kann", sagt sie zum Abzug des dortigen Kugelfischer-Zweigwerks. Da müsse man aufpassen, dass Euerdorf nicht Ähnliches passiert.

Sie habe sich nicht gescheut, schon in der ersten Legislaturperiode mit der Sanierung des Friedhofs ein emotional besetztes Thema anzugehen. "Obwohl mir manche davon abgeraten haben", blickt Schießer zurück. Das Ergebnis sei sehr gelungen. Neben den Pflichtaufgaben müsse man aber auch dafür sorgen, dass Euerdorf eine Wohlfühl-Gemeinde ist, wo die Menschen gerne wohnen. "Den Bürgern etwas zurückgeben", nennt sie diese Haltung. Ein Schritt in diese Richtung ist die Gestaltung des Saalestrandes, die im März beginnen soll.

Kritik am Anstieg der Neuverschuldung der Gemeinde weist die Bürgermeisterin zurück. Wenn man die Schulden mit dem vorhandenen Guthaben verrechne, bleibe immer noch ein Überschuss. In einem Punkt gelobt Patricia Schießer Besserung: "Ich habe viel gearbeitet in den letzten Jahren und dabei manchmal den direkten Kontakt zur Bevölkerung vernachlässigt", sagt sie. So sei sie nicht so oft im Dort präsent gewesen. "Das muss besser werden", räumt sie freimütig ein.

Patricia Schießer ist neben Brigitte Meyerdierks die einzige Bürgermeisterin der 26 Kommunen des Landkreises.

Deswegen engagiert sie sich in einem landesweiten, überparteilichen Netzwerk des Bayerischen Gemeindetages, das sich für mehr Frauen in politischer Verantwortung starkmacht. Frauen engagierten sich zwar oft noch bis in die Elternbeiräte von Kindergärten und Schulen. "Aber den letzten Schritt in die Verantwortung gehen sie nicht", umreißt Schießer das Phänomen, dem sie begegnen möchte. Wie das besser geht, will sie mit gutem Beispiel vorleben. Wolfgang Dünnebier

Drei Fragen an Patricia Schießer

Bisher sind Sie ja hauptamtliche Bürgermeisterin. Jetzt streben Sie das Amt nebenamtlich an, weil es die Bürger so wollten. Was bedeutet das für Sie? Patricia Schießer: Ich bin mit meinem Heimatort sehr verwurzelt und will das Amt bestmöglich weiterführen. Es bedeutet aber, dass ich mir die Zeit gerade auch für Behörden-Termine anders einteilen muss. Wie das konkret aussieht, kann ich noch nicht so genau abschätzen. Es sind ja auch etliche Projekte angestoßen, die noch abgeschlossen werden müssen.

Welches waren die größten Projekte der vergangenen Legislaturperiode?

Das waren die beiden Straßenbauprojekte mit Kanalsanierung. Da ging es um den Bereich Bahnhofstraße. Das war nicht so einfach, weil wir unter der Treppe zum Friedhof mit einer Spülbohrung durchmussten. Beim Straßenbau in der Siedlung Breet haben wir erstmals Gas verlegt und die Breitbandversorgung verbessert.

Das neue Rathaus strebt der Fertigstellung entgegen. Dies wird sich nach und nach auf die Belebung des Ortskerns auswirken. Die Kommune muss hier investieren, damit auch Privatleute investieren - auch wenn das noch nicht alle so sehen. Das Rathaus ist ein wichtiger Ankerpunkt im Ort.

Was werden die wichtigsten Projekte der kommenden Legislaturperiode?

Da gibt es klar zwei Schwerpunkte, Wasser und Abwasser. Wir hatten ja jetzt einen Informationsabend, um zu schauen, was wir tun können, um die Wasserversorgung für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Bei dem Vorhaben sind Sulzthal und Ramsthal mit im Boot.

Mit kleinen Schritten versuchen wir, uns aber auch gleichzeitig gemeinsam der großen Lösung für die künftige Abwasserentsorgung zu nähern.

Zur Person

Patricia Schießer ist in Euerdorf geboren. Nach der mittleren Reife schloss sie an ihre Ausbildung als Industriekauffrau noch eine Ausbildung als Fremdsprachen-Kauffrau an. Bis 1994 leitete Patricia Schießer den Einkauf bei der Krawattenfirma Halbritter in Fuchsstadt, um dann bei der Firma Petri in Albertshausen die Rechnungskontrolle mit aufzubauen. Seit 2008 ist sie im Gemeinderat und war Zweite Bürgermeisterin, bevor sie 2014 an die Spitze der Gemeinde gewählt wurde.