Mit einem Aluminium-Fasten-Kalender will Pfarrgemeinderatsvorsitzende Barbara Oschmann ab Aschermittwoch sieben Wochen lang täglich einen Impuls zum sparsamen Umgang mit Aluminium geben. Denn seit 2015 lässt Barbara Oschmann das Thema nicht mehr los. Mit Pfarrer Thomas Eschenbacher und einer Gruppe von Ministranten war sie in die Pfarrei Juruti Velho gereist. Die Gruppe sah wunderbare Landschaften, aber auch gewaltige Naturzerstörung durch den Abbau von Bauxit als Grundstoff zur Aluminiumherstellung. Auf dem Gebiet des Partnerbistums Óbidos werden dafür große Flächen Regenwald abgeholzt. Deswegen verlieren viele Menschen ihre Lebensgrundlagen.

Voneinander lernen

"Unser Lebensstil hat große Auswirkungen auf den Alltag der Menschen dort", bedauert Barbara Oschmann. Wenn es nach dem Willen der Pfarrgemeinde geht, wird man in Hammelburg an diesem Thema nicht mehr so einfach vorbei kommen. Die Gemeinde plant eine Partnerschaft zur Pfarrei Paroquia Sagrado Coracao de Jesus, die im Lauf des Jahres 2019 besiegelt werden soll. Die Vorbereitungen sind weit gediehen und die Unterstützung in der Pfarrgemeinde groß.

Im Mittelpunkt soll der Glaube stehen. Es gehe nicht in erster Linie um finanzielle Hilfe, sondern darum, voneinander zu lernen. "Die Gemeinschaft unter den Menschen in Brasilien ist sehr lebendig", hat Barbara Oschmann bei ihrem Besuch dort gespürt. Da könne man sich etwas abschauen. Die Wahl des Partner-Ortes ist kein Zufall. Dort wirkt Ordensschwester Johannita Sell. Die gebürtige Hammelburgerin war 1964 vom Orden der Maria-Stern-Schwestern entsandt worden.

Aluminium nicht verteufeln

"Wir wollen Aluminium nicht verteufeln", beschreibt Barbara Oschmann die Absicht des Kalenders. Es gehe viel mehr um einen bewussteren Umgang mit Rohstoffen. So begleitet die Broschüre jeden Tag mit Impulsen, Informationen, Geschichten, Gebeten und praktischen Alltagstipps durch die Fastenzeit. Außerdem zeigt er die Schönheit der bedrohten Landschaft.

Eindringlich verleiht der Kalender den Betroffenen eine Stimme. Auch deren Enttäuschung. 3000 Familien in 40 Dorfgemeinschaften an einem der schönsten Seen Amazoniens sind seit Anfang der 2000er Jahre betroffen. Der Maniok-Anbau ging stark zurück, der Fischfang ebenfalls, nachts ist der Lärm der Maschinen zu hören. Der Himmel ist so hell wie bei Vollmond, die Wolken sind rot wegen des Staubes. Die Folgen sind dramatisch. Es gibt keine Jagd mehr, keine Früchte vom Wald, kein Öl und keine Milch.

Statt der versprochenen Wohltaten gab es nur Verluste. "Wir dürfen nur in Begleitung der Feuerwehr durch das Gebiet fahren, das uns einst gehörte. Das ist eine Demütigung für uns", wird Maria das Gracas Matos zitiert. Auf solch nachdenkliche Worte folgen Bilder zum Betrachten über die Schönheit der Natur. Durch die abwechslungsreiche Gestaltung kommt der Inhalt nicht belehrend daher, sondern weckt Betroffenheit.

So gibt es auch Tipps, wie sich Einmal-Produkte aus Aluminium vermeiden lassen. Gleichzeitig werden Lebensbereiche beleuchtet, aus denen das Leichtmetall noch nicht wegzudenken ist, weil es leicht und langlebig ist. Prominentester Autor unter den 44 Mitwirkenden an dem Kalender ist Bischof Franz Jung. Pastoralreferent Markus Waite hat die Gestaltung der 52-seitigen Broschüre für den Druck aufbereitet und die Arbeit redaktionell unterstützt. dübi

Gedruckt worden ist der Hammelburger Aluminium-Fasten-Kalender in einer Auflage von insgesamt 600 Exemplaren. Weil er nicht speziell auf die Tage der Fastenzeit des laufenden Jahres datiert ist, bleibt er auch in den kommenden Jahren aktuell. Der Kalender ist im Pfarrbüro St. Johannes, Tel.: 09732/ 20 18 erhältlich und wird dort gegen eine Spende abgegeben.